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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.

wie auch das Guttmannsche Original- und modifizierte System, haben sich vorzüglich be-währt und liefern eine reine und helle Säure. Die Ideen der Erfinder in einem fürderartig komplizierte Apparate so schwierig zu handhabenden Materielle wie Thon durch-geführt zu haben, ist eine Leistung Rohrmanns. Auch für die Salpetersäurefabrikationist der uns von der Schwefelsäuresabrikation her (s. S. 377) bekannte Plattenturm vonWichtigkeit geworden, indem es mittels desselben gelingt, die aus den üblichen Konden-sationsapparaten entweichenden niederen Stickstoff-Sauerstoffverbindnngen durch reichlichAngeführte Luft möglichst weit zu oxydieren und so auch sie noch in Form von Salpeter-säure bis zu einer Stärke von 40° zu erhalten.

Die große Anzahl der für die Luftkühlung bei Guttmann nötigen Röhren a hat manneuerdings auf den vierten Teil vermindert, indem man sie mit einem Holzkasten umbaut,durch den man kaltes Wasser laufen läßt. Diese 2,s in langen Röhren, welche durch dieBogenröhren L miteinander verbunden sind, münden in das schräg liegende Kammerrohr 0,welches so in Kammern geteilt ist, daß die Gase nie direkt in die zweite, dritte u. s. w.Kammer übertreten können, vielmehr gezwungen sind, immer die langen Kondensations-röhren zu passieren. Dagegen ist der in den Röhren kondensierten Säure durch dieunterhalb des Kammerrohres befindlichen Bogenröhrchen ü der Übertritt gestattet, wodurchihr kontinuierlicher Ablauf nach dem Sammelgefäß § stattfindet. Durch den Injektor vwird Luft von etwa 80° Celsius durch das Rohr L in die Batterie geblasen. 41 ist einPlattenturm, welcher die Restgase vollends kondensiert. Die Verbindung mit dem Schorn-steine ist durch I und L ersichtlich. Der Apparat liefert die Salpetersäure in einer Stärkevon 96—97°/), (1,sc>5—l,s»8 spez. Gewicht), und der Plattenturm die hierbei in ihn ge-langenden 5°/o der Ausbeute, in der Regel also, als 40 prozentige Säure. Die Chargenkönnen bei der Vollkommenheit der Kondensation in weniger als der Hälfte der sonstgebräuchlichen Zeit abgetrieben werden, indem 600 Nitrat nur 12 Stunden erfordern.Eine etwas abweichende Art der Salpetersäurefabrikation lernen wir noch bei der Her-stellung des Nitroglycerins kennen.

An die Salpetersäure wollen wir nunmehr die weitere Besprechung des Königs-wassers (s. S. 296) anreihen. Diese Flüssigkeit mit dem geheimnisvollen Namen istalso heutzutage ein Gemisch von drei Teilen konzentrierter Salzsäure und einem Teilkonzentrierter Salpetersäure. Die Art der Alchemisten, sich Königswasser zu bereiten,bestand darin, daß sie in Salpetersäure Kochsalz (Chlornatrium) oder Salmiak (Chlor-ammonium) lösten. Indem die Salpetersäure sich dabei teilweise mit dem Natriumoder Ammonium verband, machte sie aus diesen Zusätzen die Salzsäure frei, entstandso ein Gemisch von Salpetersäure und Salzsäure. Aber nicht weniger als die gold-lösende Kraft des Gemisches imponierte ihnen, daß es selbst Schwefel zu verzehren ver-mochte, jenen Schwefel, auf den sie so große Hoffnung setzten, mit dem sie so gern experi-mentierten (s. S. 299 n. 374). Der Schwefel wird hierbei zur Schwefelsäure oxydiert.Für uns sind diese Vorgänge heute alle leicht erklärbar und verständlich, aber wie sollteein Alchemist zu klaren Vorstellungen kommen, weshalb das Scheidewasser, welches dasGold nicht löst, durch Zugabe von Kochsalz plötzlich auch dieses widerstandsfähige Metallbezwinge. Der Grund für die lösende Kraft des Königswassers ist folgender. Der Wasser-stoff der Salzsäure verbindet sich mit dem Sauerstoff der Salpetersäure. So wird freiesChlor disponibel, und dieses Chlor ist es, welches das Gold auflöst, den Schwefel verzehrt.

Wir erhalten daher schließlich das vom Königswasser gelöste Gold als Goldchlorid,welches für die Zwecke der Photographie jetzt in größeren Massen dargestellt wird. DiesesSalz ist eine rote blätterig krystallinische Masse, die an der Luft rasch zerfließt, indem sieFeuchtigkeit aus ihr anzieht. Man benutzt deshalb, um dieser Unbequemlichkeit zu ent-gehen, seine Eigenschaft, mit anderen Chlormetallen zusammen zu krystallisieren und mitihnen an der Luft haltbare Krystalle zu bilden, zur Gewinnung eines bequemer zu hand-habenden Präparates. So krystallisiert es mit Chlornatrium zusammen als vollkommenan der Luft beständiges Salz. Man stellt diese Verbindung dar, indem man zu dermittels Königswasser erhaltenen Goldchloridlösung die znr Bildung der Krystalle von derFormel ^.nOIz dlaOl nötige Menge Kochsalz setzt, die Lösung bis zur Bildung einer