447
Die Salpetersäure. Das Königswasser.
Krystallhaut eindampft, worauf das Doppelsalz mit 4 Molekülen Krystallwasser aus-krystallisiert. Unter dein Namen ^nrnin innriattouin natronatnin or^stallisatnin ist esehemals auch als Arzneimittel angewendet worden, was aber heutzutage so gut wie ganzvergessen ist. Seine jetzige Verwendung findet es also in der Photographie. Schon 1860gab Fordos bekannt, daß eine sehr verdünnte Lösung von ihm die Eigenschaft habe, denbraunen Ton der Photographien in einen weit angenehmeren blauschwarzen überzuführen,und da jetzt jede Photographie getönt wird, kann bei der außerordentlichen Ausdehnung,die namentlich die Liebhaberphotographie genommen hat, der Verbrauch und die völligeWiedervernichtung des metallurgisch gewonnenen Goldes aus diesem Wege keine ganzunbedeutende sein, denn das auf unzählige Abbildungen spurenweise verteilte Gold istdoch für alle Zeiten verloren.
Ganz unentbehrlich ist endlich das Königswasser bei der Gewinnung des Platins auch im Großen. Aus dem sich in der Natur findenden Rohplatin kann nur mit seinerHilfe dieses Metall gewonnen werden. Das Rohmetall hat meist die Form rundlicherKörner, und je 5 lex von ihnen werden z. B. in der Münze zu Petersburg so verarbeitet,daß man sie in Porzellanschalen mit Königswasser übergießt und längere Zeit erhitzt.Wegen des furchtbaren Geruchs der sich aus kochendem Königswasser entwickelndenDämpfe muß dies unter einem gut ziehenden Abzug geschehen. Bald sind alle unedlenMetalle und das Platin gelöst, während die sogenannten Platinmetalle (Iridium , Os-mium u. s. w.) noch der Einwirkung des Königswassers widerstehen. Aus der erhaltenenLösung wird das Platin in folgender merkwürdiger Weise gewonnen.
Platinchlorid, als solches ist es doch in Lösung, hat die Eigenschaft, mit Salmiak(Chlorammonium) ein Doppelsalz Chlorplatinchlorammonium zu bilden, so wie wireine ähnliche Verbindung eben beim Golde , das Chlorgoldchlornatrium, kennen lernten.Die genannte Platindoppelverbindung ist aber im Gegensatz zu jener im Wasser so gutwie unlöslich. Fügt man also zu der Platinchloridlösung eine Lösung von Salmiak, sowird sich Platinsalmiak, wie man die Verbindung kurzweg nennt, ausscheiden. Trocknetman diesen und glüht ihn, so werden sich sein Ammoniakgehalt und sein Chlorgehalt ver-flüchtigen, und das Platin wird als solches zurückbleiben. Es hat dann die Form einesfeinen grauen Pulvers, des sogenannten Platinschwammes. Dieser liefert hierauf im Knall-gasgebläse zusammengeschmolzen — andere Feuer vermögen Platin bekanntlich nicht zumSchmelzen zu bringen — das Metall in gießbarer Form. Auf diesem Wege und mitHilfe seiner ausgezeichneten Schweißbarkeit werden alle die Platingegenstände hergestellt,die wegen ihrer Widerstandsfähigkeit gegen hohe Temperaturen und chemische Reagenziender verschiedensten Art, eine so wichtige Rolle in den Laboratorien namentlich der Chemikerspielen, aber doch z. B. auch zur Konzentration der Schwefelsäure in den Fabriken dienen.
Jas Schießpulver und die neueren Explosivstoffe.
Wir haben den Salpeter ausführlich kennen gelernt und kommen nunmehr zu seinerwichtigsten Anwendung, das ist zur Herstellung des Schießpulvers. Es wird eine fürimmer ungelöste Frage bleiben, wer dieses erfunden hat; denn die weitverbreitete An-nahme, daß es der Mönch Berthold Schwarz gewesen sei, ist in keiner Weise erwiesen,wenn ihm auch zu Freiburg im Breisgau ein Denkmal in Lebensgröße errichtet wordenist. Vielmehr kann man mit der größten Wahrscheinlichkeit annehmen, daß die Erfindungdes Schießpulvers stufenweise gemacht wurde, indem man zuerst die Eigenschaft einer ausSalpeter, Kohle und Schwefel hergestellten Mischung stark zu brennen — dieses sind bisauf den heutigen Tag die drei Bestandteile des eigentlichen Schießpulvers — herausfandund später erkannte, daß, wenn dieses Gemisch in bestimmten Gewichtsverhältnissen her-gestellt wird, ihm eine fortschleudernde Kraft innewohnt, daß es explodiert, wie wirheute sagen.
Wir wollen zum leichteren Verständnis des folgenden zuerst die Gründe für die großeBrennbarkeit und für die Brauchbarkeit eines solchen Gemisches als Explosivstoff erörtern.
Der Kalisalpeter hat die Formel und berechnen wir hieraus die Menge des
in ihm enthaltenen Sauerstoffs, so ergibt sich, daß sie 47,5 °/o beträgt. Es ist