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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.

vielleicht nicht unangebracht, die sehr einfache Methode, mit deren Hilfe man aus derchemischen Formel der Körper den Prozentgehalt der sie zusammensetzenden Elemente unterVerwendung der Kenntnis der Atomgewichte erfahren kann, bei dieser Gelegenheit darzulegen.Wir wissen von der Einleitung her, daß das Atomgewicht des Kaliums 39, des Stick-stoffs 14 und des Sauerstoffs 16 beträgt. Drei Atome Sauerstoff wiegen also 48.Folglich wiegt das Molekül Salpeter LidlOg 39 -st 14 st- 48 oder 101. In 101 Z Sal-peter werden also 48 § Sauerstoff enthalten sein, das entspricht 47,s In 101 xSalpeter sind 39 A Kalium enthalten, das entspricht 38,« °/„, und die 14 § Stickstoff,die in ihm enthalten sind, entsprechen 13,s "/§. Folglich ergibt sich aus der FormelLIlOg, daß Kalisalpeter aus 47,s »/o Sauerstoff, 38,6 o/^ Kalium und 13,o °/g Stickstoffzusammengesetzt ist.

Der Salpeter ist also sehr sauerstoffreich. Nun beruhen doch auf der Vereinigungmit Sauerstoff alle Verbrennungen. Werden wir daher Kohle und Salpeter mischen,so wird die Kohle, welche, um verbrennen zu können, sonst den Sauerstoff der Lustbraucht, jetzt selbst in einem von der Luft ganz oder fast abgeschlossenen Raum brennenkönnen, indem ihr der Salpeter den nötigen Sauerstoff hierzu liefert, wie wir dasschon bei der Glühkohle erwähnten (s. S. 441). Während z. B. Kohle in einen Topfgestampft aus Mangel an Luft nicht weiter zu brennen vermag, wenn man dieselbe auchan der Oberfläche angezündet hat, wird also, wenn sich im Topfe eine Mischung vonKohle und Salpeter befindet, dieses Gemisch sich, sobald man ihm mit einer Flammenahekommt, entzünden und bis auf den Grund des Gefäßes abbrennen. Die Erfahrungder Jahrhunderte hat dann weiter gelehrt, daß speziell ein Gemisch von Salpeter, Kohleund Schwefel sehr rasch und heftig zu verbrennen vermag, und daß, wenn man es nichtin offenen Töpfen, sondern in langen Röhren (z. B. Kanonen) verbrennen läßt, es vorihm liegende Steine und ähnliches mit großer Kraft und lautem Knall aus den Röhrenherausschleudert.

Der Grund für diese seine Kraft beruht nun, in möglichster Kürze gedeutet, darauf,daß die durch den Sauerstoffgehalt des Salpeters verbrennende Kohle in kohlensauresGas, der verbrennende Schwefel in schwefligsaures Gas übergeht und der Stickstoff desSalpeters als solcher frei wird. Sobald also das Pulver, welches an sich nur einen sehrgeringen Platz einnimmt, entzündet wird, bilden sich plötzlich in diesem engen Raumegroße Mengen von Gas, für welche er nun viel zu klein ist, und die auf jede Weise sichauszudehnen versuchen. Diese die fortschleudernde Kraft des Pulvers richtig erklärendeAnschauung, wonach also seine Wirkung auf einer enormen Gasentwickelung beruht, gabbereits van Helmont (s. S. 298) in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Derhierbei auftretende Knall erklärt sich durch die gleichzeitig stattfindende starke Erschütterungder Luft.

Spielt sich dieser Vorgang in einem Geschütz ab, so werden die Gase die Kugel ausdemselben heraustreiben, indem das aus starkem Metall hergestellte Geschütz als solchesdem Druck widersteht. Hat man aber in einem Bergwerk z. B. ein Bohrloch ins Gesteingetrieben und läßt in diesem das Pulver explodieren, so wird es seine ganze Umgebungzerreißen, indem das benachbarte Gestein nicht nach Art des Geschützrohres dem Drucke derGase zu widerstehen vermag.

Da der Salpeter dem Orient entstammt, deuten die ältesten Nachrichten folgerichtigdarauf hin, daß zuerst Chinesen Gemische von Kohle und Salpeter bereitet haben, und zwarscheinen ihnen diese lange Zeit nur für Zwecke der Feuerwerkerei gedient zu haben. So heißtes noch in einer deutschen Übersetzung der Reisebeschreibung des Marco Polo: Diese Leutesind Schwarzkünstler, und vermöge ihrer höllischen Kunst verrichten sie die außerordent-lichsten und trüglichsten Verzauberungen, welche man je gesehen und gehört hat. Sielassen Ungewitter aufsteigen mit zuckenden Blitzen und Donnerschlägen und bringen vieleandere wunderbare Dinge hervor.

Wann der Salpeter zuerst nach Europa gekommen ist, ist, was ja weiter nichtWunder nehmen kann, nicht bekannt. Da aber die Schriften des klassischen Altertumsihn nicht erwähnen, war das kaum vor dem 4. Jahrhundert der Fall. In Byzanz,