Band 
Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
Seite
452
JPEG-Download
 

452

Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.

war auch diese so wenig gleichmäßig, da die nicht genügend verkohlten Stücke durch Aus-suchen entfernt werden mußten.

Mit dem Jahre 1825 begann man in der königlichen Pulverfabrik zu Wetteren beiGent in Belgien mit der Verkohlung des Holzes in Cylindern, die von außen geheiztwurden. Ihre Einrichtung ist aus den Abbildungen sogleich verständlich. Durch Heraus-ziehen von Proben überzeugte man sich, ob der gewünschte Grad der Verkohlung erreichtsei. Auch hier fiel je nach der angewandten Temperatur die Kohle immer noch recht ver-schieden aus. Der sich bildende Holzteer sammelte sich in einer vor dem Apparat befind-lichen Grube. Seit dem Jahre 1842 hat man dann zu Wetteren ein neues Verkohlungs-verfahren versucht und eingeführt, nämlich statt mit direktem Feuer mit überhitztemWasserdampf zu arbeiten, welche Methode nunmehr die Verkohlung des Holzes beibeliebig festgestellter Temperatur gestattet. Die Einrichtung des hierzu nötigen Apparatesist folgende. Es sind drei zu einander konzentrische Cylinder aus Eisenblech vorhanden.Von diesen ist der innere zur Aufnahme des Holzes im Gewichte von 25 — 30 be-

stimmt und, damit ihn derDampf gut durchströmen kann,siebartig durchlöchert. Durchden Hahn r tritt der einemDampfkessel entnommene Dampfin das Schlangenrohr 6, dasdurch die Feuerung k erhitztwird. In diesem Schlangenrohrfindet infolgedessen eine Über-hitzung des Dampfes statt, undman sucht diese so zu regulie-ren, daß seine Temperatur sichbei etwa 300" hält oder auchdem Siedepunkt des Queck-silbers also etwa 360° sichnähert. So erwärmt tritt erzuerst in den Cylinder a a,geht von da nach Cylinder L.und durchdrängt von hier ausdas Holz, worauf er durch dasRohr §, beladen mit dessen flüch-tigen Bestandteilen entweicht.Nach 2 Stunden etwa zeigt er

''

4S8. Kslxvrrkohlnng mit überhitztem Masserdampf.

weder Farbe noch Geruch, ein Beweis, daß er alle bei seiner Temperatur aus dem Holzaustreibbaren flüchtigen Substanzen nunmehr mit sich genommen hat. Jetzt wird seineZufuhr abgestellt und der siebförmige Cylinder mit einer passenden Vorrichtung in einenentsprechend großen Cylinder aus Eisenblech geschoben, in welchem er bis zu seinervölligen Abkühlung verbleibt. Ein zweites, mit frischem Holz gefülltes Sieb tritt sofortan seine Stelle, und eine neue Verkohlung beginnt. Wenn man den Dampf mit etwaein viertel Atmosphäre Überdruck in den Apparat treten läßt, so reißt er jede Spurteeriger Substanzen mit sich, und man erhält eine ganz gleichmäßige Kohle. War dieTemperatur im Apparat 300°, so bekommt man etwa 40°/y vom Gewichte des Holzesan Rotkohle, welche 70—72°/g Kohlenstoff enthält, ist man bis etwa 360" gegangen, soerhält man etwa 30"/g Schwarzkohle mit 75—85"/g Kohlenstoffgehalt.

Der Apparat soll nicht gerade billig arbeiten und genügt auch in anderer Be-ziehung den neuesten Ansprüchen nicht mehr. Es sind daher manche abgeändertenKonstruktionen vorgeschlagen worden, so eine solche von Güttler, welche durch dasdeutsche Patent Nr. 42 470 geschützt ist, doch ist über den Fortschritt, welcher sich mitihnen gegenüber dem älteren Verfahren erzielen läßt, bisher nichts in die Öffentlich-keit gedrungen.