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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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456 Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.

durchschüttelt; was ganz oben liegen bleibt, wird mit dem unten abfallenden Staub zu-sammen neuerdings angefeuchtet und wieder durch die Presse geschickt, um so verwertetzu werden. In den einzelnen Sieblagen dagegen findet man Körner von genügenderGleichmäßigkeit für die praktische Verwendung. Diese noch rauhen und eckigen Stückchenkommen jetzt in die Roll- oder Pvlierfässer, in denen sie sich gegenseitig abschleifen, undzwar läßt man sie in denselben 10—36 Stunden laufen. Dabei erwärmen sie sich durchdas gegenseitige Reiben auf 50—60°, infolgedessen dunstet etwas Wasser ab, undgerade diese feuchte Atmosphäre, in welcher sie liegen, begünstigt die Bildung einerschönen Politur. Haben sie diese erreicht, so werden sie endgültig getrocknet, indem mansie in Räume bringt, in denen heutzutage durch in Kupferröhren zirkulierendes heißesWasser eine Temperatur von etwa 60 ° unterhalten wird. Hier sind sie nach wenigenStunden völlig von ihrem Wassergehalt befreit. Sie passieren jetzt nochmals einen Sieb-satz, um endgültig Sorten von möglichst gleich großem Korn zu liefern, und nachdemman große Mengen von ihnen, welche einer Reihe von Operationen entstammen, durch-einander gemischt hat, damit stets eine gleichmäßige Durchschnittssorte entsteht, sind sieHandelsware. Größere Quantitäten verpackt man zu 50—100 üZ in Säcken, welcheman in Holzfässern verschickt; kleinere Mengen, namentlich Jagdpulver, werden auch ingläsernen Flaschen versandt.

Mit einem auf die von uns beschriebene Art hergestellten Pulver begnügte man sichbis zum Jahre 1852. Wir haben schon erwähnt, daß alles Pulver gepreßt wird, damit

auf möglichst kleinem Raum recht viel von ihm untergebrachtwerden kann, anderseits brennt ein solches Pulver natürlichverhältnismäßig langsam, indem es nur an der Außenflächeder Körner entzündbar ist. Als daher der Italiener Paolodi Sän Roberto in jenem Jahre vorschlug, das Pulver beietwa 100° zu pressen, so daß der bei dieser Temperaturerweichende und plastisch werdende Schwefel es zu einer festenMasse vereinige, hatte die praktische Durchführung dieser Ideeanfangs keinen Erfolg, weil diese neue Pulversorte gar zulangsam abbrannte. Dabei hatte sicher die Möglichkeit,Pulvercylinder direkt von der für das Kaliber der Gewehrenotwendigen Größe auf diesem Wege herzustellen, etwas für sich Einnehmendes.

Die Idee war wie so manche andere ihrer Zeit vorausgeeilt, sie fand ihre An-wendung erst im amerikanischen Kriege, in welchem größere Ansprüche an Schießpulverals jemals bis dahin gestellt wurden. In diesem tauchten bekanntlich zuerst gepanzerteSchiffe auf. Um nun deren Panzer zu durchschlagen, gebrauchte man Kugeln von größererDurchschlagskraft, als bis zu der Zeit nötig gewesen waren. Erhöhte man zu dem Zweckeeinfach die Ladung der Geschütze durch Vermehrung des bis dahin üblichen Pulvers, solieferte dies bei seinem Abbrennen plötzlich einen so ungeheuren Druck im Rohre, daß dieHaltbarkeit der Geschütze gar zu sehr gefährdet war.

So fabrizierte man denn 1862 zuerst das sogenannte Mammutpulver, dessen Körneretwa 2,s oin Durchmesser hatten. Aus ihm entwickelte sich weiter das PrismatischePulver, dessen Gestalt eine weit bessere Ausnutzung des Raumes als die bisher übliche Kugel-form ermöglichte. Wir haben hier ein Stück solch prismatischen Pulvers in natürlicher Größeabgebildet. Um seine Verbrennungsgeschwindigkeit nicht gar zu sehr herabzusetzen, hat essechs Durchbohrungen, die sein Brennen nicht nur von außen ermöglichen, sondern auchvon innen und so zur Beschleunigung dieser beitragen. Hierdurch ist es nun erreichtworden, daß dieses Pulver eine mehr schiebende als stoßende Wirkung auf das Geschoßausübt, und daß, indem man die Geschützrohre möglichst lang macht, seine Kraft aufsvollkommenste zur Geltung kommt.

Diese Art von Schießpulver, das aus den drei so oft erwähnten Bestandteilen her-gestellt worden ist, für die Zwecke des Krieges noch übertreffen zu wollen, scheint wohlausgeschlossen, und für das, was dieses Pulver leistet, namentlich seitdem man sich zu be-deutenden Verlängerungen der Geschütze entschlossen hat, sei folgendes angeführt.

442 . Prismatisches Pulver(naliirl. Größe).