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Fabrikation des Schießpulvers.
Bis in die achtziger Jahre begnügte man sich, die Rohre 18—25 Kaliber, d. h. bis25 mal so lang als den Geschoßdurchmesser zu machen. Schon 1882 fing man aber an,Rohre aus 32—35 Kaliber zu verlängern, und jetzt ist man bei 50 Kalibern angelangt.Diese längeren Rohre gestatten also eine erheblich bessere Ausnutzung des prismatischenPulvers, und verleihen deshalb dem Geschosse eine bedeutend größere Anfangsgeschwindig-keit und damit auch eine entsprechend größere Durchschlagskraft. Welcher fast unglaub-lichen Leistungen solche Geschütze fähig sind, zeigt dasjenige von 24 om Geschoßdurch-messer, welches Krupp in Chicago ausstellte. Am 28. April 1892 gab es einen Schußin Gegenwart des Kaisers Wilhelm II. ab, der das 215 schwere Geschoß in 70 Sekunden20 226 m weit trug, eine Entfernung, zu deren Durcheilung selbst Jagdzüge eine Viertel-stunde brauchen. Das Rohr hatte dabei eine Erhöhung von 44°, der von dem Geschossezurückgelegte Weg erreichte eine Scheitelhöhe von 6540 m, wobei wir bemerken wollen, daßder Chimborasso 6421 ra, der Montblanc 4810 m hoch ist. Die Ladung betrug 115prismatisches Pulver. Ein zweites von Krupp in Chicago ausgestelltes Geschütz, ein14 m langes 42 om-Geschütz, schleudert ein 1000 schweres Geschoß mittels einerLadung von 410 prismatischen Pulvers 8850 m weit bei einer Anfangsgeschwindigkeitvon 400 in in der Sekunde. Die Lafette dieses letzteren Ungetüms wiegt 68 000und die Montierung ebensoviel. Das Geschoß besitzt eine Sprengladung von 12,5 unddurchschlägt in 1000 in Entfernung eine Schmiedeeisenplatte von 108 oin, in 2000 inEntfernung eine solche von 92 om Dicke. Es läßt sich aber nicht leugnen, daß die hohenAnschaffungskosten, die starke Beanspruchung der Schiffe, welche diese Kanonen tragen,und die starke Abnutzung der Geschütze selber, denn mehr als 75—80 Schuß halten die-selben nicht aus, zu erheblichen Bedenken Veranlassung geben. Einige solcher Riesendienen auch zum Schutze des Nordostseekanals, wo in einem Fort an der Elbmündungsechs von ihnen aufgestellt sind. Sie beherrschen diese in ihrer ganzen Breite, wie einProbeschießen im Jahre 1891 bewies. Die Projektile schlugen, die ganze äußere Mündungüberfliegend, ins jenseitige Wattenmeer ein und hatten danach ebenfalls eine Tragweitevon über 20 üw. Die Rohrlänge dieser Geschütze beträgt 10fig in, das Rohr wiegtca. 60 000 und für jeden Schuß gelangen 175 Pulver und ein Geschoß von465 Gewicht zur Verwendung. Was mag solch ein Schuß kosten, wenn man dieAbnützung des Geschützes mit einrechnet.
Eine ganz erstaunliche Vervollkommnung der Geschütze sind die in neuerer Zeit inAufnahme gekommenen Schnellfeuerkanonen. Diesen verdankten die Japaner 1895 haupt-sächlich ihren Erfolg gegenüber den Chinesen in der letzten größeren Seeschlacht, welchedie Welt gesehen, in derjenigen an der Jalumündung. Man fand nach derselben beieinem der chinesischen Panzer 200 Schußlöcher, bei einem anderen 120 an den un-gepanzerten Stellen. Solche Schnellfeuerkanonen geben bis 40 Schüsse in der Minuteab, können aber nicht mit dem alten Pulver geladen werden, sondern erfordern rauchlosesPulver, zu dem wir jetzt übergehen wollen.
Nach dem, was wir soeben von den Leistungen des Schießpulvers in Form des Pris-matischen Pulvers erfahren haben, scheint also kein Bedürfnis nach einem noch leistungs-fähigeren Explosivstoffe für die Zwecke des Krieges vorzuliegen, und doch ist dem so,wenn wir außer den bisher nur betrachteten Geschützleistungen auch die der Handfeuer-waffen in Betracht ziehen.
So einfach die Herstellung einer Kanone in ihrer rohesten Form sich gestaltet, soschwer war es, sie so weit zu verkleinern, daß der einzelne Mann sich ihrer als Gewehrbedienen konnte. Dazu kam, daß die Anschaffung einiger Geschütze nicht sehr schwierigwar, während die Ausrüstung einiger tausend Mann mit Gewehren die Leistungsfähigkeitder einzelnen Heerführer zumeist bei weitem überstieg. Dazu kam ferner, daß, da die Ge-wehre im Nahkampf nicht zu gebrauchen waren, immer ein Teil des Fußvolkes mit Spießenbewaffnet bleiben mußte, bis die Erfindung des Bajonetts diese Schwierigkeit beseitigte.Auch ihr Laden war anfangs so schwierig, daß die Schützen bis 37 Glieder tief stehenmußten, damit, wenn die erste Reihe geschossen hatte, sie Zeit hatte, nach hinten zu laufenund wieder frisch zu laden, womit sie erst fertig war, wenn die 36 Vordermänner ihreBuch der Erfind. VII. 58