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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.

Versuch schien die Voraussetzung zu bestätigen. Schwefel, Phosphor, Zucker, Holz u. s. w.werden auf das heftigste von einer solchen Mischung oxydiert; zumal aber war es die Um-wandlung der Baumwolle durch dieses Säuregemisch, welche alsbald das größte Auf-sehen erregte.

Die Schönbeinsche Erfindung der Schießbaumwolle, wie er die neue äußerlichvon der Baumwolle kaum zu unterscheidende Substanz nannte, füllt in das Jahr 1846.Versuche der Baseler Militärverwaltung und Sprengungen im Tunnel zu Jdstein be-stätigten ihre eminente Explosivkraft. Als dann wenige Monate später Böttcher inFrankfurt unabhängig von Schönbein dieselbe Erfindung machte, wurden die Versuchegemeinschaftlich fortgesetzt. In dem kleinen Baseler Universitätslaboratorium und in demalten Böttcherschen Institut unter den Sammlungen des Senckenbergschen Museums inFrankfurt wurde mit Feuereifer gearbeitet. Noch nach Jahren haben sich, wie Lepsius in

einem Vortrage mitteilt, dieHaare der Museumsverwal-ter gesträubt, als sie hörten,daß unter ihren kostbaren aus-gestopften Tieren u. s. w.Sprengstoffe bereitet, undwelche Mengen von Schieß-baumwolle in der Dachkam-mer desHauses zumTrocknenaufgehängtwordenwaren.Jaselbst die Küche der Böttcher-schen Wohnung mußte her-halten, und mochte auch einekleine Explosion sämtlicheFensterscheiben zertrümmern,sie regte die Forscher nurnoch mehr an, die Versuchefortzusetzen.

Allein lange konnte dieDarstellung der Schießbaum-wolle nicht geheim bleiben, daProfessor Otto in Braun-schweig , welchem die Be-reitung ebenfalls gelungenwar, seine Versuche ver-öffentlichte. Nun beschäftigtesich alle Welt mit diesem merk-würdigen Körper. Wochen-

444. Christinn Frikdrich Kihimbcin.

lang sprachen die Zeitungen von dem rauchlosen Schießmittel; schon fürchteten dieSchlachtenmaler, ihr hauptsächlichstes Requisit, den Pulverrauch, zu verlieren; derVerbrauch an Salpetersäure stieg enorm; es dauerte auch nicht lange, und man begannden neuen Explosivstoff im großen zu fabrizieren. Diese Fabrikation hatte aber nur einkurzes Leben. Der erste Schreckschuß war die unerwartete Explosion von 1600 leZ Schieß-baumwolle in einer Fabrik bei Paris , der kurz darauf andere folgten. Ihre ungeheureExplosionskraft ließ sie trotzdem als Sprengmittel außerordentlich verwendbar erscheinen,aber sie für militärische Zwecke als Treibmittel zu benutzen, wollte nicht gelingen. Alsdann gar in der Nähe von Wien ein Magazin mit 200—300 000 Schießbaum-

wolle scheinbar ohne Grund explodierte, und damit die Erscheinungen eines kleinen Erd-bebens verbunden waren, schien sie wieder der Vergessenheit anheimfallen zu sollen.

Trotzdem ließen ihre im übrigen vorzüglichen Eigenschaften immer wieder von neuemVersuche zu ihrer Herstellung in womöglich jede Gefahr ausschließender Form anstellen.Die ältesten genau detaillierten und darum zum Vergleich mit den späteren sehr geeigneten