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Die neuen Explosivstoffe. Schießbaumwolle.
Angaben über ihre Darstellung verdanken wir Lenk, der sie in einem amerikanischen Patent vom Jahre 1864 niedergelegt hat, das wir in Kürze wiedergeben.
Die zu losem Garn gesponnene Baumwolle wird zu ihrer Entfettung mit einerPottaschelösung gut ausgekocht, gut ausgewaschen und wieder getrocknet. Sie wirddann in eine Mischung von einem Gewichtsteil Salpetersäure von 1 , 48 —1,so spezi-fischem Gewicht und 3 Gewichtsteilen konzentrierter Schwefelsäure vom spezifischen Ge-wicht l,«^ getaucht. Der Apparat kann aus Gußeisen sein, und zwar werden auf1 Teil Baumwolle 20 Teile des Säuregemisches verwendet. Die alsdann schwach aus-gedrückte Baumwolle kommt nochmals in das zehnfache ihres Gewichtes eines frischenSäuregemisches, in welchem man sie 48 Stunden liegen läßt. Hernach wird sie heraus-genommen und der Säureüberschuß durch Zentrifugieren möglichst entfernt. Hieraufbringt man sie in einen Trog, durch welchen ununterbrochen frisches Wasser fließt, umsie völlig von Säure zu befreien, welche Operation mindestens 14 Tage fortgesetzt werdenmuß. Dann wird sie in gewöhnlichem Seifenwasser ausgekocht, schließlich in eine ver-dünnte Lösung von Natronwasserglas getaucht und an der Luft getrocknet.
Diese Fabrikationsmethode hat sich dann bis zum Jahre 1884 in folgender Weisenamentlich in England fortgebildet, und da neuere patentierte Angaben nicht mehr vor-liegen, wird sie ziemlich unverändert noch zur Zeit ebenso betrieben werden. Z. B. wirdin der Fabrik zu Stowmarket, welche jetzt einer Aktien-gesellschaft mit l. 1/2 Millionen Pfund Sterling Aktien-kapital gehört, und ganz ähnlich auch in einer zweitenFabrik zu Waltham-Abbey folgender Art gearbeitet.
Als Rohstoff dienen Abfälle von bereits versponnenemBaumwollgarn, welche sonach schon in den Spinnereienvon allen der rohen Baumwolle anhaftenden Unreinlich-keiten befreit sind. Diese Baumwolle wird in einem Reiß-wolf wiederzerfasert,dessen mit grobenStacheln verseheneWalzen sie aufs beste auflockern. Die so aufgelockerteWolle wird getrocknet. In Stowmarket geschieht dies inmit Dampfmänteln umgebenen Eisencylindern, und zwarunter Luftverdünnung durch ein saugendes Gebläse. InWaltham-Abbey gibt man die Wolle in eine Trocken-maschine, welche aus einem hohen Eisenkasten besteht,in dem sich eine Reihe endloser Tücher übereinander befinden, die abwechselnd in ver-schiedenen Richtungen durch außerhalb angebrachte Riemenscheiben bewegt werden. Dasuntere Tuch steht immer um etwa 20 om gegen das obere vor, so daß die Baumwoll-schicht vom oberen auf das untere, sodann auf das dritte u. s. w. abgeworfen wird.Zwischen den einzelnen Tüchern sind doppelte eiserne Böden, in welche von außen Dampf-rohre münden, und ein Gebläse treibt frische Luft den Tüchern entgegen. Die demTrockenschranke entnommene Baumwolle läßt man in Blechgefäßen abkühlen.
Zur Überführung in Schießbaumwolle wird jetzt überall nur höchstgrädige Salpeter-säure und Schwefelsäure vom spezifischen Gewicht 1 ,sis und 1 , 8 «s genommen. DieSäuren werden im Verhältnis von 1:3 in ein großes cylindrisches Standgefäß ausGußeisen fließen gelassen, in dem sich eine eiserne mit Armen besetzte Welle dreht, welchedurch Kegelräder angetrieben wird. Nachdem sie hier durchgemengt sind, werden sie intiefer stehende gußeiserne mit Deckeln versehene Bottiche abgelassen, in denen sie bis zumGebrauche stehen bleiben. Jeder dieser Bottiche hat einen konischen Boden mit Ablaß-hahn, von welchem ein Stutzen in ein gemeinsames gußeisernes Ableitungsrohr abzweigt,welches zum Nitrierraum führt. Man nennt nämlich die Überführung der Baumwollein Schießbaumwolle auch das Nitrieren derselben, im Anschluß an nitrum, den lateinischenNamen für Salpeter. Im Nitrierraum stehen dicke Backsteinwände, an welchen in Stow-market für jedes Nitriergefäß ein besonderer Hohlraum, in Waltham-Abbey eine langeoffene Rinne angebaut ist, in denen fortwährend kaltes Wasser fließt. In diese Hohl-räume kommen viereckige gußeiserne Nitriergefäße, die an ihrem rückwärtigen Teil einen
44s. Mikroskopische Ansicht derSchießbaumwolle.