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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.

Rost tragen. In Stowmarket ist noch im Gemäuer ein hölzerner Hebel drehbar befestigt,in welchen ein geriffelter gußeiserner Klotz eingesetzt ist. Man arbeitet stets mit derzwanzigfach größeren Säuremenge als notwendig, und bringt in jedes Gefäß etwa 75 KZ.In diese wird eine kleine Menge Baumwolle, etwa Vz te§, eingetragen, mit einer Eisen-gabel herumgerührt, und nach beendigter Nitrierung mit der Gabel oder dem obenerwähntenHebel auf dem Roste ausgedrückt.

Da die Baumwolle trotz des Ausdrückens noch das elffache ihres Gewichtes anSäure teils verbraucht teils aufgesaugt hat, so läßt man ungefähr eine gleiche Mengein das Nitriergefäß nachlaufen. Nach 20 Beschickungen wird gewöhnlich das ganzeSäuregemisch erneuert. Die Schießbaumwolle erfordert hiernach 11 Teile Säure, währenddie Nitroglycerinfabrikation, auf die wir hernach kommen, nur 7 Teile verbraucht. DerGrund hierfür liegt im großen Volumen der Baumwolle, zu deren völliger Umspülunggrößere Flüssigkeitsmengen nötig sind, während nach dem Ausdrücken immer noch vielSäure mechanisch aufgesaugt bleibt.

Trotz dieses großen Säureverbrauchs bedarf die Baumwolle einer sehr sorgfältigenWeiterbehandlung, um nicht zu niedrig oder gar nicht nitrierte Teilchen in der fertigenSchießbaumwolle zu erhalten. Aus diesem Grunde gibt man die nitrierte Baumwolle inkleine Steinzeugtöpfe, welche in einem von kaltem Wasser durchströmten Behälter zurAbkühlung und Nachnitrierung längere Zeit stehen bleiben.

In Waltham-Abbey kommt die nitrierte Wolle zum Ausschleudern auf Zentrifugen.Hierauf gibt man sie in einen großen Waschbottich, in welchem ein Schaufelrad rotiert,sodann wird sie ein zweites Mal ausgeschleudert. Ist dies geschehen, so kommt sie in andereWaschbottiche, in welchen Wasser durch Dampfröhren erwärmt wird, dem Soda, Kalkund Schlemmkreide zugesetzt werden, um die letzten Sänrespuren abzustumpfen. Von hiergelangt sie in Holländer, wie sie in der Papierfabrikation (siehe Band VIII) üblich sind,welche die bisher verfilzte Schießbaumwolle zerreißen und in einen feinen Zeugbrei ver-wandeln. Aus dem Holländer kommt sie abermals in Waschbottiche, wird zum letzten-mal gründlich ausgewaschen und bildet dann nach neuerlichem Ausschleudern die nasseaber fertige Schießbaumwolle, welche in Sammelgefäßen aufbewahrt wird.

In Stowmarket kommt die nitrierte Wolle aus den Steintöpfen in hölzerne Bottichemit falschem Boden, welche im Fluße stehen, von dem durch eine besondere Leitung Wasserauch von oben hinein fortwährend in die Bottiche fließt. Nach erfolgtem Ausschleudernwird auch hier die Schießbaumwolle mit kochendem Wasser behandelt, um die noch an-haftende Säure zu entfernen. Man vermeidet aber die Anwendung von Alkalien, welcheman für gefährlich hält, weil sie eine teilweise Zersetzung der Schießbaumwolle sollenverursachen können. Weiter kommt sie in gleicher Weise in den Holländer und in dieWaschbottiche, wie in Waltham-Abbey.

Da für Bergbauzwecke nur trockene Schießbaumwolle verwendet wird, trocknet mansie zu Stowmarket und zwar in zwölf kleinen Hütten aus verzinktem Wellblech, welcheetwa 20 in voneinander stehen, mit Hilfe erwärmter Luft. Die Schießbaumwolle fürKriegszwecke wird nur in nassem Zustande verwendet, und man Preßt sie in hydraulischenPressen, die einen Druck von 600 Atmosphären auszuüben gestatten, für diese inPatronen- oder Ziegelform. Die letzteren, in England üblich, tragen in vertiefter Schriftdie Bezeichnung ihres Gewichtes, jeder von ihnen hat in der Diagonalrichtung zwei rundeDurchbohrungen von etwa 5 om Durchmesser. Die Schießbaumwolle enthält in diesemnassen Zustande etwa 20 °/o Wasser. Um sie zur Wirkung zu bringen, werden in dieHöhlungen zwei trockene Schießwollpatronen eingesteckt und mit Kapsel und Zündschnurdetoniert. — Die deutschen Torpedos enthalten dieses Sprengmaterial in Form eines40—45 am hohen oben offenen Kegels. Dieser ist aber nicht aus einem Stück gefertigt,sondern besteht aus einem schornsteinähnlichen Aufbau von Fayonstücken, dessen einzelneTeile ohne Bindemittel nach Art des gewöhnlichen Mauerverbandes aufeinander gelegtsind. In die obere Öffnung wird für den Gebrauchsfall die Schlagröhre eingeschoben.Die Füllungen der österreichischen Torpedos stellen im Gegensatz hierzu einen cylindrischenKörper vor, der aber in seinen einzelnen Teilen wie der vorige aufgebaut ist.