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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.
scheidung des Knallquecksilbers, welches nach dem Erkalten der Flüssigkeit als krystallinischeMasse am Boden des Gefäßes liegt. Seiner Gefährlichkeit halber kann es nur inhölzernen Gefäßen unter Wasser aufbewahrt werden.
Bei seiner außerordentlichen Brisanz braucht mau zur Füllung der Zündhütchenoder gewöhnlichen Zündkapseln nur sehr wenig von ihm und mischt es deshalb mit Sal-peter und Schwefel, für Jnitialzündungen aber mischt man es mit chlorsaurem Kali.Diese Zusätze werden ihm in feuchtem Zustande beigemengt, indem man sie mit ihm aufMarmortafeln mittels hölzerner Reiber vermischt. Die Körnung des Gemisches erfolgtsodann auf die Art, daß man sie durch Siebe mit entsprechend großen Löchern drückt.Die so erhaltenen Stückchen werden langsam auf Papierunterlagen getrocknet und sodannin die Kapseln gefüllt, was heutzutage von Maschinen besorgt wird. Gewöhnliche Zünd-hütchen enthalten 15 — 16 in§ Zündmasse, welche man vordem Wiederherausfallen durchAufgießen einer Harzlösung schützt, die nach dem Verdunsten des Lösungsmittels einzugleich gegen Feuchtigkeit schützendes Häutchen hinterläßt. 1 in Knallquecksilber ver-wandeltes Quecksilber genügt zur Füllung von 40 000—60 000 Zündhütchen.
Das Nitroglycerin, zu dem wir jetzt übergehen, ist kurze Zeit nach Entdeckungder Schießbaumwolle im Laboratorium dargestellt worden. Man ließ nach ihrer Auf-findung sehr bald das Gemisch von Salpetersäure und Schwefelsäure auf alle möglichenStoffe, die ein ähnliches Ergebnis wie bei der Baumwolle voraussetzen ließen, einwirken.So hatte Sobrero in einem Pariser Laboratorium es auf Mannit wirken lassen undeinen Nitromannit erhalten, den er für ein geeignetes Sprengmittel hielt, ebensolcheNitroverbindungen auch aus Milchzucker dargestellt, und bei der Gelegenheit erwähnt erauch, daß, wenn man zu sirupdickem Glycerin eine Mischung von Schwefelsäure undSalpetersäure gießt, eine außerordentlich heftige Einwirkung stattfindet. Bringt mandagegen umgekehrt Glycerin tropfenweise zu obiger Säuremischung und kühlt fortwährend,so löst es sich ohne bemerkbare Reaktion auf. Auf Wasserzusatz scheidet sich infolgedieser Verdünnung jetzt aus der Flüssigkeit ein Öl aus, welches durch mehrmaligesWaschen mit Wasser von den noch anhängenden Säuren befreit werden kann. „Es istolivenfarben", sagt Sobrero, „ohne Geruch, aber von scharf aromatischem Geschmack. Einwenig von ihm auf die Zunge gebracht, erregt anhaltende Migräne, und geringe Mengengenüaen zur Vergiftung eines Hundes. Beim Erhitzen detoniert diese Substanz." Daßdieses Öl einst eine der wichtigsten Grundlagen der Sprengstofftechnik sein werde, ahnteer nicht. Man war ja nur gewohnt, feste Körper aber nicht Öle zu Explosivstoffen zuverwenden, und so erwähnt er seine Explosionsfähigkeit als das allerwenigst Interessanteerst zuletzt fast nebensächlich.
Dreizehn Jahre später, nämlich 1860, macht Sobrero erst wieder Mitteilungenüber diesen Körper, indem er genauere Vorschriften zu seiner Darstellung gibt und aus-führlicheres über seine Explosivität mitteilt, ohne aber auch jetzt an eine praktische Ver-wertung zu denken. Seit 1864 hat dann der Schwede Alfred Nobel das „Sprengöl"im großen fabriziert und als Sprengmittel in Bergwerke eingeführt, indem er so ziemlichnach der Vorschrift Sobreros gearbeitet zu haben scheint. Das gut mit Wasser gewascheneNitroglycerin scheint anfangs direkt in die Bohrlöcher gegossen worden zu sein, die mannötigenfalls mit Thon dichtete, worauf es durch eine in das Öl geschobene Patrone zurExplosion gebracht wurde.
Im Jahre 1867 trat dann Nobel mit seinem Dynamit hervor, dieses bestand undbesteht aus Nitroglycerin, welches er von Kieselguhr, das ist eine feine Infusorienerde,hatte aufsaugen lassen. Er erkannte sofort die Überlegenheit dieses Pulvers, ursprünglichhieß es Patent-Pulver-Dynamit, über das alte Schießpulver, und da das Präparatwirklich das leistete, was der Erfinder von ihm behauptet hatte, gelangte es bald zuausgedehnterer Anwendung. Und dieses so bekannt, berühmt und berüchtigt gewordeneSprengmittel verdankt seine Erfindung einem Zufall. Kieselguhr benutzt man gern alsVerpackungsmaterial für gefährliche Flüssigkeiten, indem es ein großes Aufsaugungs-vermögen besitzt, so daß, falls die betreffenden Flaschen auf dem Transport zerbrechen, ihrInhalt in der Kiste zurückgehalten wird und nicht aus ihr heraussickert. So erging es