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Die neuen Explosivstoffe: Nitroglycerin.
nun mit einer Flasche mit Nitroglycerin, sie zerbrach in der Kieselguhrverpackung, undNobel stellte Versuche mit dem mit Nitroglycerin zufällig getränkten Kieselguhr an, welchezeigten, daß dieses nun nicht mehr ölige, sondern pulverige Material ein ausgezeichnetesSprengmittel repräsentiert. Wir werden weiter sehen, wie nach einer Reihe von Jahrendann, indem man das Kieselguhr durch die verschiedensten anderen Substanzen zuersetzen suchte, Sprengmittel erfunden worden sind, die wohl nicht mehr zu übertreffensein werden.
Näheres über die Dynamitfabrikation ist erst im Jahre 1873 durch Capitaine be-kannt geworden. Als Rohmaterialien galten damals in einer Dynamitfabrik Schwefel-säure, Salpeter, Glycerin und Infusorienerde.
Als Schwefelsäure diente die konzentrierte Säure vorn spezifischen Gewicht 1 ,« 4 .Die Salpetersäure wurde in der Fabrik aus Chilisalpeter selbst bereitet. Das Glycerinwar ein Rvhglycerin von 30 — 32° Beaume von dunkelbrauner Farbe (siehe im AbschnittSeife die heutige Glycerindarstellung). Die Infusorienerde wurde aus der LüneburgerHeide bezogen. Die Salpetersäure wurde deshalb in der Fabrik selbst hergestellt, weileine so konzentrierte Säure, wie sie die Fabrik benötigte, nämlich eine solche von 45°bis 48° Beaume nicht im Handel war. Dies ist auch teilweise bis heute üblich geblieben,indem man in diesen Fabriken so verfährt, daß man in eiserne Retorten ein Gemisch von400 Chilisalpeter mit der entsprechenden Menge Schwefelsäure gibt. Jeder Ofenenthält zwei eiserne Retorten, und das Feuer wird in sechs Stunden so geleitet, daß dieeine Retorte warm, die andere dagegen kühl geworden ist. An jede Retorte schließensich sechs Bombons, welches eine andere Bezeichnung für Tourills ist, die kaskadenartighinter der Ofenwand aufgestellt sind. Die Bombons sind beim Beginn der Destillationleer, und man hört mit dem Erhitzen der Retorten aus, wenn der Hals des viertenBombons anfängt warm zu werden.
In gußeisernen Kesseln wurden sodann 650 so hergestellter Salpetersäure mit1300 üZ Schwefelsäure gemischt, und da sich das Gemisch erwärmt, wurde es erst nachvierundzwanzigstündiger Abkühlung weiter verwendet. Alsdann ließ man es in einenbesonders hergerichteten Apparat laufen. Dieser bestand aus einem hölzernen Bottich vonetwas über 2 in Höhe und Iftg in Durchmesser, der innen mit Bleiplatten ausgekleidetwar. Seine Wandungen waren mit zwei Bleischlangen belegt, die sich in dichten Windungenan ihnen hinzogen, welche von kaltem Wasser durchströmt wurden. Das Anbringen zweierSchlangen geschah zu dem Zweck, damit man, wenn die eine während des Betriebesschadhaft wurde, sogleich die andere benutzen konnte. Im Bottich war auch eine Rtthr-vorrichtung angebracht, welche aus mit Blei überzogenen Eisenplatten bestand. Vermittelsteiner Zugvorrichtuug bewegte sie sich in ihm auf und nieder. Sie wurde mit Hilfe vonüber Rollen gehenden Seilen durch drei Arbeiter in Bewegung gehalten, welche in einerEntfernung von 10—15 in vom Apparate sich hinter einem Erdwalle befanden. Indemman Kühlwasser von 6 — 8° verwendete, gelang es, die Temperatur im Bottich auf etwa15—16° zu halten. Man las sie an einem großen Thermometer ab, das durch denDeckel des Apparates ins Innere reichte. Oberhalb desselben auf dem Dache befandensich in einem Behälter 315 Glycerin, die mit der Säuremenge auf einmal nitriertwerden sollten. Man ließ sie in etwa daumendickem Strahle zulaufen, und dies erfordertebis zu 2 Stunden Zeit, indem man gleichzeitig dafür sorgte, daß die Temperatur derMischung nicht über 18° stieg, was, wenn gut aufgepaßt wurde, nicht schwer zu erreichenwar, aber eine Unvorsichtigkeit im Rühren war stets mit Gefahr verbunden.
Mit dem vollständigen Einlaufen des Glycerins ist auch seine Überführung in Nitro-glycerin beendet, indem seine Nitrierung eine fast augenblickliche ist. Jetzt ließ manden Inhalt des Apparates vermittelst einer Bleirinne in einen hölzernen Bottich von4 in Durchmesser und fast 3 in Höhe laufen, welcher zur Hälfte mit Wasser gefüllt war,indem man fortwährend mit hölzernen Krücken rührte. Das Nitroglycerin setzt sich inder durch das Wasser verdünnten Säure zu Boden und wird von hier aus mit Hähnenaus Steinzeug abgezogen. Man erhält so 500—600 LZ Nitroglycerin, die noch zweimalmit reinem Wasser und schließlich mit einer verdünnten Sodalösung gewaschen werden.
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