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Die neuen Explosivstoffe: Nitroglycerin.
Post von 100 kx destilliertem, also reinem Glycerin von 31" Beaume, 450 kx Schwefel-säure und 250 Salpetersäure von 1,soi spezifischem Gewicht aus, wobei aus 100Glycerin 212 Nitroglycerin erhalten werden. Der Apparat enthält 100 na Kühl-schlangen und ist mit einem Deckel verschlossen, durch dessen Glasfenster man den Verlaufder chemischen Reaktion verfolgen kann. Die entstehenden Dämpfe entweichen durch einenGasabzug ins Freie. Als Rührer bedient man sich gepreßter Luft, die durch eine Rohr-leitung in den Boden des Gefäßes einmündet und den Inhalt in fortwährender stürmischerBewegung hält, während das Glycerin durch ein zweites Rohr einstießt. Die Operations-temperatur ist 30 o, was wesentlich zur Verbesserung der Ausbeute beiträgt.
Die Trennung des Nitroglycerins von den Säuren durch Einlaufenlassen in Wasser,wobei die Säuren verloren gingen, wird seit 1875 vermittelst besonderer Separatorenausgeführt. Dies sind große viereckige trichterförmige Bleigefäße mit Glasfenster ander einen Seite und mit Glasdeckel versehen. Ein Glasfuß mit Ablaßhähnen dient zumAblassen der Säuren und des Nitroglycerins und ermöglicht die scharfe Trennung beider,da die Trennungsschicht deutlich sichtbar ist. Auf diese Weise werden 97 der theo-retischen Menge der wiedergewinnbaren Säuren zurückgewonnen. Die bei 25° statt-findende Trennung dauert etwaeine Stunde. Das so getrennteNitroglycerin fließt in den Fil-trierschuppen, während die nochimmer Spuren von ihm ent-haltenden Säuren in die Nach-scheidung gelangen. Die weitereReinigung des Nitroglycerinsgeschieht in einem Bleibottichdurch Einfließenlassen in kaltes,durch Luftrührung bewegtesWasser, welches etwa drei-mal gewechselt wird. Hieranschließt sich ein Waschen mitheißem Wasser, Durcharbeitenmit dünner Sodalauge undnochmaliges Auswaschen mit 447. Nutzbarmachung der Nbfallsäure nach Charüonnet.reinem Wasser.
In der Nachscheidung werden durch tagelanges Stehenlassen der Säuren die letztenSpuren Nitroglycerin zum Absetzen gebracht und fortgenommen. Und nun läßt sich eineWiedergewinnung der ursprünglich verwendeten Säuren ermöglichen. Von Salpetersäureist natürlich nicht viel vorhanden, deren wirksamer Rest, die Nitrogruppe, steckt ja zumeistim Nitroglycerin. Aber die Schwefelsäure ist doch vollständig übrig geblieben, sie dienteja nur als wasseranziehendes Mittel im Verlaufe des Prozesses, sie ist also wieder-gewinnbar. Um zu zeigen, wie verschieden derartige Aufgaben technisch gelöst werden können,wollen wir zwei für die Wiedergewinnung gebräuchliche Methoden in Kürze beschreiben.
Zur Wiedernutzbarmachung des in der eben angegebenen Weise vom Nitroglyceringetrennten verdünnten Säuregemisches dient, um seine Salpetersäure zu erhalten, einDenitrifikator genanntes Gefäß. Dieses ist ein 4 in hoher, mit säurefesten Steinen aus-gekleideter Cylinder, in welchem über Bimsstein die Rohsäure herabströmt, während vonunten Luft und Wasserdampf eingeblasen werden. Mit diesen gelangt die Salpetersäurein eine Vorlage und sammelt sich mit dem spezifischen Gewicht 1,33 hier an, währenddie Schwefelsäure mit dem spezifischen Gewicht 1,«t aus dem Apparat abfließt, woraufbeide als Abfallsäuren namentlich an Düngerfabrikeu verkauft werden.
Nach Hilaire de Chardonnet soll die Wiedergewinnung aber so erfolgen, daß einemethodische Wiederbelebung der Säuren ihre zum Nitrieren nicht verbrauchte Menge wiederzu benutzen gestattet, indem man ungefähr des aus einer Nitrierzentrifuge Aus-fließenden unverändert wieder benutzt und das vierte Viertel des Einweichungsbade