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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.
aus einem Gemisch von Salpetersäure vorn spezifischen Gewicht 1,s« und neuer Schwefel-säure ergänzt wird. Die überschüssige alte Säure wird nun durch Destillation wiederbelebt. Indem man das Säuregemisch erhitzt, wird die Salpetersäure ausgetrieben, welchenach und nach immer schwächer wird, wenn man die Temperatur allmählich, nicht sprung-weise bis auf 200° erhöht. Es genügt sodann, wie gewöhnlich weiter zu erhitzen, umdie Schwefelsäure zu konzentrieren, welche Fabrikationsmethode in folgender Weise zueiner kontinuierlichen gemacht wird.
Zwei gußeiserne Blasen ^ undL (Abb.447), welche mit Helm und Abzugsrohr versehensind und deren Wandstärke 20—30 wm beträgt, werden auf direktem Feuer erhitzt. DasRohr I), welches die beiden Blasen miteinander verbindet, reicht einerseits bis nahe zumBoden der ersten Blase und mündet anderseits in die zweite Blase in der Nähe desFlüssigkeitsspiegels derselben ein. An der zweiten Blase ist ein Auslaßrohr dergestaltangeordnet, daß es die in der zweiten Blase enthaltene Flüssigkeit nach außen abfließen läßt,sobald diese den im voraus bestimmten Spiegel oder Stand erreicht; dieses Rohr ist nämlichein Heber, welcher von selbst in Gang kommt und ebenso wie das Verbindnngsrohr 0 dieFlüssigkeit vom Boden der Blase abzieht. Die Dichtnngsflächen sind abgeschliffen, mitAsbest belegt und mittels Bolzen 6 6^ gegeneinander gepreßt. In die in den Blasenbefindliche Flüssigkeit tauchen Thermometer ein. Die Abzugsröhren 61 führen dieDämpfe in Verlängerungsstücke und Schlangenrohre oder Kondensationsgefäße aus Stein-zeug, in denen die Dämpfe sich kondensieren.
Die erste Blase ^ wird auf eine Temperatur von 130 oder 170° (je nach der Kon-zentration, welche die Salpetersäure erhalten soll) erhitzt. Die wiedergewinnbare Salpeter-säure destilliert aus dem Gemisch in dem Maße ab, wie das letztere in die Blase ein-geführt wird, und sammelt sich am Ende der ersten Kühlschlange. Die spezifisch schwerergewordene Schwefelsäure sinkt auf den Boden der Blase. Aber unter 200° enthält dieseteilweise gereinigte Schwefelsäure noch Salpetersäure, welche man austreiben muß. DiesemZwecke dient die zweite Blase, welche auf einer Temperatur von 200—210° erhalten wird.Die Schwefelsäure verliert hier den Rest der Salpetersäure und das überschüssige Wasser,es destilliert schwache Salpetersäure über, welche aufgefangen werden kann, währenddie auf etwa 62° Beaume konzentrierte Schwefelsäure auf den Boden der Blase sinkt, vonwo sie durch den oben erwähnten Heber nach außen abgeleitet wird.
Wir gehen nunmehr zur Sprenggelatine über. Dynamit wird, wie wir wissen,erhalten, indem man Nitroglycerin von Kieselguhr aufsaugen laßt. Selbstverständlich hates nicht an Versuchen gefehlt, das Kieselguhr durch andere Stoffe zu ersetzen. Wir wollennun nicht die zahlreichen auf Grundlage dieser Idee hergestellten Sprengmittel erwähnen,sondern gleich zu dem vollkommensten von ihnen allen übergehen, das ist die Sprenggelatine.
Mährend Kieselguhr und ähnliche Substanzen das ölige Nitroglycerin nur als toterBallast beschweren und zugesetzt wurden, um ihm die Eigenschaft der Flüssigkeit zu nehmen,wird zur Herstellung der Sprenggelatine Schießbaumwolle in Nitroglycerin eingetragen.Es bildet sich dann ein gelatineähnliches Gemenge. Diese Sprenggelatine genannteMasse ist eine etwa 7—l O prozentige Lösung von Schießbaumwolle in Nitroglycerin.Sie ist als Sprengmittel wohl nicht mehr zu übertreffen, und ihre Wirksamkeit ist größerals die jedes der beiden sie zusammensetzenden Bestandteile, wie Berechnungen undVersuche ergeben. Anderseits ist es aber auch möglich, sehr viel Schießbaumwolle mit ver-hältnismäßig wenig Nitroglycerin zu gelatinieren, dann erhält man Sprenggelatinen, diesich zur Herstellung rauchloser Pulver eignen. Sprenggelatine für Sprengzwecke wirdetwa so dargestellt, daß das Nitroglycerin in kupfernen Pfannen auf 60° erwärmtwird, worauf mit den Händen Nitrocellulose bis zur Entstehung einer zähen Masse ein-gemengt wird. Nachdem dies Gemisch sodann 3—6 Stunden in der Pfanne gebliebenist, deren Temperatur inzwischen durch heißes Wasser auf über 90° gehalten wird, hates ein vollständig durchscheinenves Aussehen angenommen, worauf man es noch 2—3 Tagein einem auf 50° erwärmten Raume liegen läßt. So einfach diese Fabrikationsmethodeist, so ungemütlich ist sie auch, und man ist bestrebt gewesen, das Mischen mit der Handdurch Maschinen zu ersetzen, welche Versuche jetzt von Erfolg gekrönt zu sein scheinen.