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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Entdeckung und Darstellung des Phosphors.

Kunckel wurde in den sechziger Jahren des 17. Jahrhunderts in die Dienste desKurfürsten Johann Georg III. nach Dresden berufen, als Aufseher der Hof- und Leib-apotheke, allerdings wohl nebenbei in der Absicht, die Versuche zur Auffindung des Steinsder Weisen, dessen Kenntnis der verstorbene Kurfürst schon besessen haben sollte, wiederaufzunehmen und zu dem Behufe die hinterlassenen Aufzeichnungen zu studieren. InAnnaberg wurde ihm ein Laboratorium eingerichtet. Da aber die Geldunterstützuugennicht mit wünschenswerter Regelmäßigkeit gewährt wurden, ging Kunckel 1675 nachWitten-berg und später nach Berlin in die Dienste des Großen Kurfürsten, um, wie er schreibt,„allda etwas zu seinem Lebensunterhalte zu gewinnen, da er doch die Kunst, Hunger zuleiden, nicht gelernt habe." Später wurde er von Karl XI. von Schweden als Bergratnach Stockholm berufen, ist aber nicht lange dort geblieben und 1702 in Berlin gestorben.

Johann Daniel Kräfft war Doktor der Medizin und an den Zellerfelder Gruben Arzt.Von unruhigem abenteuerlichem Sinn getrieben, hielt er an keinem Orte lange aus undverbrachte sein Leben auf vielfachen Reisen, zwischen denen er zeitweilige Anstellungenan den kurfürstlichen Höfen in Mainz und Dresden fand. In letzterer Stadt war er mitKunckel bekannt geworden, kurz ehe die Brandtsche Entdeckung von sich reden machte.

Kunckel war gerade auf einer Reise und schlug Krafft vor, von Brandt das Ge-heimnis zu kaufen, um es dann gemeinschaftlich auszubeuten. Krafft acceptierte diesscheinbar, reiste nichtsdestoweniger aber selbst heimlich zu Brandt, erwarb von diesem dasGeheimnis für 200 Thaler und hinterging Kunckel , indem er an den Höfen herumreisteund aus der Vorzeigung und dem Verkaufe des neuen Stoffs sich eine Einnahmequelleschaffte. Kunckel, der sich schon in Wittenberg befand, mußte natürlich endlich auch davonerfahren. Da ihm weder Brandt noch Krafft über die Entdeckung etwas Näheres mit-teilten, ging er selbst an die Auffindung derselben, und, wie er schreibt, „durch scharfesNachdenken und unermüdliches Arbeiten" war er nach etlichen Wochen so glücklich, denPhosphor selbständig zu entdecken und zustande zu bringen. Das war im Jahre 1676.Die ersten gedruckten Nachrichten über diesen Körper rühren aus dem gleichen Jahre her,und zwar hat sie Kirchmaier, Professor an der Universität Wittenberg in einem Schriftchen„Xootiluea oonstans st psr vioss tnIZnraiw, äintissirns qnassita, nnno rspsrta" ver-öffentlicht. Er spricht hier somit vom Phosphor als einer Art von langgesuchtem, nungefundenem Leuchtstein, ohne den Namen Phosphor zu verwenden, der damals also nochnicht allgemein gebräuchlich gewesen sein kann.

Kunckel wußte nur, daß Brandt den Phosphor aus dem Harn abgeschieden habe.Das Geheimnis der zum zweitenmal entdeckten Bereitung wurde jetzt durch die Konkurrenzbald zu einem Allgemeingute, denn die Entdecker lehrten schließlich jedem, der 10 Thalerbezahlen wollte, das vorher so ängstlich gehütete Verfahren. Auf ebenso selbständigeWeise, wie Brandt und Kunckel , soll auch Bohle in England die Phosphordarstellung er-funden und im Jahre 1681 darüber der „Royal Society " Bericht erstattet haben. Erbeutete seine Entdeckung mit einem in England lebenden Deutschen Haukwitz ebenfallsdurch Herstellung größerer Mengen aus, und Haukwitz soll auf diesem Wege ein großesVermögen erworben haben.

Das Kunckelsche Verfahren der Phosphordarstellung wird seiner geringen Ausbeutehalber schon längst nicht mehr befolgt. Wir lassen es aber des historischen Interesses halberhier folgen. Fauler Harn wird auf langsamem Feuer zur Sirupsdicke eingedampft.Nachdem man den Rückstand mit der dreifachen Menge weißen Sandes gemischt hatte,kam die Masse in eine feste, mit einer weiten Vorlage versehenen Retorte und wurde beioffenem Feuer 6 Stunden erhitzt, so daß alles nicht zu schwer Flüchtige ausgetrieben wurde.Darauf wurde 6 Stunden lang stärkeres Feuer gegeben. Zuerst erfüllten nun reichlicheweiße Dämpfe die Vorlage, dann wurden sie wieder hell und es traten andere Dämpfeauf, die in bläulichem Lichte leuchteten, ähnlich dem brennenden Schwefel. Endlich erhieltman durch die heftigste Glühhitze eine konsistente, schwere leuchtende Substanz, den Phos-phor, der sich in der Vorlage absetzte.

Der Zusammenhang des ganzen Verfahrens ist folgender. Wir brauchen zur Existenzunseres Körpers die Nahrungsmittel. Sie bestehen zum größten Teil aus organischen