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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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48k Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.

Stoffen, müssen aber auch etwas anorganische Bestandteile enthalten, wie Kochsalz, Phos-phorsauren Kalk für die Knochen, Eisen namentlich znr Bildung der roten Blutkörperchenu. s. w. Die Natur baut nun den Körper nicht nur auf, sondern es findet auch ein fort-dauernder Zerfall von Körperbestandteilen statt, der durch den Lebensprozeß verursachtwird, oder besser gesagt, für die Unterhaltung des Lebens nötig ist. Während das Bluteinesteils die nötigen Nährstoffe allen Teilen des Körpers zuführt, nimmt es anderseitsdie verbrauchten Stoffe oder die durch den Zerfall derselben entstandenen, nun nichtmehr brauchbaren Stoffe mit sich fort. Die völlige Ausscheidung dieser verbrauchtenTeile aus dem Körper findet schließlich durch die Nieren statt, die sie in gelöster Formim Harn aussondern. So findet sich außer anderen, z. B. dem erwähnten Kochsalz undEisen, im Harn stets Phosphorsäure, größtenteils in Form von phosphorsaurem Kalk undphosphorsaurem Natron.

Wird nun Harn als solcher in einer Retorte eingedampft und erhitzt, so werdenseine organischen Bestandteile verkohlen, und da deren einmal durch die zersetzende Wirkungder Hitze abgeschiedener Kohlenstoff aus Mangel an Sauerstoff in der Retorte nicht ver-brennen kann, so sind schließlich in ihr, abgesehen von all den zahlreichen Nebenbestand-teilen, die hier gar nicht in Betracht kommen, doch auch Salze der Phosphorsäure undaußerdem Kohle vorhanden. Steigert man jetzt die Hitze möglichst, so wird in der hohenTemperatur die Kohle sich des Sauerstoffs der Phvsphorsäure zu bemächtigen suchen,um zu verbrennen, und während der phvsphorsäure Kalk absolut nicht flüchtig ist absolutnicht destillierbar ist, wird jetzt aus ihm durch den Einfluß der Kohle der Phosphor,welcher verhältnismäßig leicht destilliert, frei gemacht und sich bald als solcher in derVorlage ansammeln.

Das Vorkommen des Phosphors im Harn veranlaßte, auch im Tierkörper selbstnach ihm zu suchen; so fand ihn denn Hensing 1715 im Gehirn u. s. w. Von praktischerWichtigkeit wurde die Entdeckung Scheeles vomJahre 1771, daß die Knochen größtenteilsaus phosphorsaurem Kalk bestehen. Daß phosphorsanrer Kalk sich auch als Mineralmassenhaft findet, konstatierten Klapproth und Proust 1788. Die Ausnutzung dieserfolgenschweren Entdeckung für die Landwirtschaft werden wir bei den künstlichen Dünge-mitteln kennen lernen, für die Gewinnung des Phosphors als solchen kommt sie bis heutenicht viel in Betracht.

Die Knochen setzen sich im Mittel zusammen aus etwa58"/o Phosphorsaurem Kalk 8 Kohlensaurem Kalk

30"/,, Leim, Fett und Feuchtigkeit 4"/„ Magnesiumphosphat, Kochsalz, Fluorcalcium.

Um den Phosphorsauren Kalk aus ihnen zu gewinnen, verbrannten deshalb die Fabrikantenvon Phosphor bis vor etwa 30 Jahren die Knochen, brannten sie weiß, wie man sagte,indem der phvsphorsäure Kalk als weiße Asche zurückblieb, während das Fett und derLeim verbrannten.

Fabrikation des Phosphors. Diese Fabrikation beruht ähnlich, wie bei KnnckelsArt zu arbeiten, darauf, daß man die Phvsphorsäure durch Kohle zu Phosphor zu redu-zieren sucht. Am einfachsten ließe sich der Vorgang chemisch so wiedergeben.

-i- 5 6 -- U- -l- 560

Phvsphorsäure 4 Kohle — Phosphor -n Kohlenoxyd.

Nun hat man aber bis vor wenigen Jahren angenommen, daß, wenn man Phosphor-säure mit Kohle erhitzt, die Phosphorsäure sich bei einer niedrigeren Temperatur ver-flüchtigt, als einer solchen, bei welcher ihr die Kohle den Sauerstoff zu entziehen vermag,so daß man danach Phvsphorsäure auf diesem Wege gar nicht in Phosphor überführenkönne. Auf diese Annahme hin finden wir bis zum Jahre 1890 als Methode der Phos-phorfabrikation stets folgende angegeben und auch in fast allen Fabriken in Ausübung. Deraus den Knochen durch Brennen derselben oder sonstwie (siehe im Abschnitt „KünstlicheDüngemittel") gewonnene phvsphorsäure Kalk, welcher chemisch dreibasisch phosphor-saurer Kalk ist, wird mit 2 Molekülen Schwefelsäure behandelt. Die stärkere Säure ent-zieht ihm zwei Drittel seines Kalkes, indem sie sich mit diesem zu schwefelsaurem Kalk,