488 Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.
ein Stück Gemsleder eingebunden, das man wie einen Sack zusammenknüpft und aufeinen siebartig durchlöcherten Seiher legt. Das Ganze steht in einem größeren GefäßeH, welches mit Wasser von ungefähr 50° so weit gefüllt wird, daß der Phosphor vonihm bedeckt ist. Das halbkngelförmige, in einer Führung gehende Pistill der Presse 8Lwird mittels des Hebels 0 0 auf den Ledersack gedrückt und dadurch bei verstärktem Druckder in dem heißen Wasser wieder schmelzende Phosphor durch die Poren des Leders ge-quetscht, wobei er seine Unreinigkeiten in demselben zurückläßt.
Diese Reinigung genügt aber manchen Ansprüchen nicht, und man verfährt deshalbauch so, daß man in dem über dem Rohphosphor stehenden Wasser 4°/g seines Gewichtesan rotem chromsauren Kali löst und dann die gleiche Menge Schwefelsäure zufügt. Diehierdurch freigemachte Chromsäure wirkt stark oxydierendes. S. 357) auf die ihm bei-gemengten Verunreinigungen, und der so behandelte Phosphor ist schon sehr rein undfast farblos. Als drittes Verfahren kommt die erneute Destillation des rohen Phosphors
aus eisernen Retorten in Betracht, die mitgroßer Leichtigkeit ausführbar ist.
Den gereinigten Phosphor bringt man inForm von runden Stangen in den Handel. Umdiese zu erlangen, bedient man sich der folgen-den in Abb. 458 veranschaulichten Vorrichtung.In einem größeren Gefäße befindet sichein nach unten in eine Röhre verlaufendesSchmelzgefäß, bestimmt, den Phosphor aufzu-nehmen und durch heißes Wasser, mit dem dasGefäß ^ L. gefüllt wird, flüssig zu machen, da-mit er durch den Hahn n in die Glasröhre adübertreten kann. Diese Glasröhre befindet sichin einem mit kaltem Wasser gefüllten BassinÖffnet man den Hahn, so tritt aus dem Schmelz-gefäß flüssiger Phosphor in die Glasröhre, inder er bald erstarrt. Da die Röhre vorn sichkonisch erweitert, kann er leicht aus ihr heran-gezogen werden, wenn man ihn an seinem An-fange faßt. Dazu dient ein Zapfen 0, der miteinem Häkchen versehen, in die noch weichePhosphormasse eingedrückt wird. Durch daskalte Wasser wird seine Abkühlung und Er-starrung so rasch bewirkt, daß man ihn un-unterbrochen langsam aus der Glasröhre heraus-ziehen kann. Auch bringt man ihn neuerdings so in die Form von „Keilen" oder Stangen,daß man ihn in cylindrischen Weißblechgefäßen schmilzt, in diese eine sternförmige Blech-form einschiebt, und nun durch kaltes Wasser abkühlt.
Auch alle weiteren Manipulationen, wie Zerschneiden der langen Stangen in ent-sprechende Stücke u. s. w., müssen in der Technik sowohl wie im Laboratorium seiner leichtenEntzündlichkeit halber unter Wasser vorgenommen werden, ebenso kann er nur in mitWasser gefüllten Büchsen verschickt werden.
Noch manche sonstige Methode zur Gewinnung des Phosphors ist vorgeschlagen,aber keine weitere von ihnen scheint im großen verwendbar gewesen zu sein, und ob diein den letzten Jahren aufgetauchten elektrochemischen Verfahren ihren Zweck erfüllenwerden, muß erst die Zeit entscheiden. Das erste die Elektrizität zu Hilfe nehmende Patentrührt von dem genannten Readman her, stammt aus dem Jahre 1888, und zwar sollennach ihm Phosphorsäure oder Phosphate mit Kohle gemischt in einem elektrischen Ofenzwischen den Kohlenspitzen erhitzt werden. Im Jahre 1891 sind dann Versuche imgroßen von ihm in Gang gesetzt worden, bei denen die feingepulverten Phosphate mitSand und Kohle innig gemischt in den Ofen eingetragen wurden. Kurz nach Schließen
457. presse?nm Nrinigcn des Phosphors.
458. Apparat ;um peinigen des Phosphors.