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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Chemische Industrie: Alkalien und Säuren.

Phosphor ist geruchlos, leuchtet nicht im Dunkeln und verändert sich nicht an der Luft,auch schmilzt er bei weitem schwieriger als der gewöhnliche, und was ihn am meistenvon diesem unterscheidet, ist seine schwere Entzündlichkeit. Diese letztere Eigenschaft, sowieder Umstand, daß er nicht giftig wirkt, ließ ihn sogleich eine begeisterte Aufnahme vonfeiten der Zündhölzchenfabrikanten finden, weil der Vorwurf zu großer Gefährlichkeit, derden Phosphorzündhölzchen gemacht wurde, hier nicht zutraf. Allein mit der Gefährlichkeitverloren die Zündhölzchen auch gerade das Empfehlenswerteste, ihre Bequemlichkeit, unddie Fabrikanten fanden bald, daß damit der Gewinn zu teuer bezahlt sei, bis der rotePhosphor dann in Form der schwedischen Streichhölzer sich nach vielen Jahren erst alsunüberwindlicher Sieger in der Zündholzfabrikation erwies.

Die Anwendungen des Phosphors sind mannigfacher Art. Die Pharmazie bedientsich seiner zu einigen Präparaten; mehr schon verbrauchen ihn die Kammerjäger zu dersogenannten Phosphorlatwerge, einem Gemisch von Wasser und Mehl und etwas wohl-riechender Substanz, dem man eine geringe Menge Phosphor beimischt. Seine höchstgiftigen Eigenschaften machen dergleichen Pasten zu einem wirksamen Vertilgungs-mittel der Ratten u. s. w. Auch fertigt man aus solchem Phosphorteig von etwas mehrKonsistenz Pillen (Phosphorpillen) an; diese sind bequemer zu handhaben als derTeig und werden zur Vertilgung der Feldmäuse benutzt. Große Mengen von rotemamorphem Phosphor werden jetzt zur Bereitung von Jodphosphor und Bromphosphorverwendet, welche beiden Präparate in der Teersarbenindustrie gebraucht werden, umjodierte und bromierte Kohlenwasserstoffe darzustellen. Jedenfalls ist aber die Menge vonPhosphor, welche die Zündhölzchenfabrikation beansprucht, die bei weitem größte, unddamit kommen wir auf unseren eigentlichen Gegenstand, die Feuerzeuge, wieder zurück.

Anwendung des Phosphors zu Feuerzeugen. Die ersten Versuche auf diesemGebiete ergingen sich in zum Teil sehr verwickelten Vorrichtungen, die dadurch nötigwurden, daß man noch nicht gelernt hatte, die freiwillige Entzündung des Phosphors inatmosphärischer Lust zu umgehen. Ähnlich wie bei den Prometheans zur Aufbewahrungder Schwefelsäure bediente man sich daher, um die Luft abzuhalten, kleiner Glasröhren.So bestanden die sogenannten Turiner Lichtchen aus kleinen Glasröhren, die an einemEnde zu einer Kugel erweitert und hier mit etwas Phosphor angefüllt waren. Dasandere Ende der Röhre wurde durch einen Wachsdocht verschlossen, und der dünne Kopfdieses Dochtes, um seine Entzündlichkeit noch zu erhöhen, mit Schwefel- und Kampfer-pulver bestreut, war in das Phosphorkügelchen eingeschmolzen. Sollte Feuer gemachtwerden, so wurde das Glasröhrchen an der Stelle, wo sich die Kugel ansetzte, zerbrochen.Schon durch die hierbei entstehende geringe Reibung und den Zutritt der atmosphärischenLuft entzündet sich zunächst der Phosphor, der dann seinerseits den Docht in Brand setzt.

Aber diese Einrichtung war bei weitem zu kostspielig, um einem Bedürfnis desgroßen Publikums abzuhelfen. Ebensowenig fand das Feuerzeug allgemein Eingang,welches den Phosphor mit etwas Schwefel zusammengeschmolzen in einem Fläschchenenthielt, in welchem diese Mischung den Boden als eine schwache Schicht bedeckte. IhreWirkung gründete sich darauf, daß ein Schwefelholz, wenn es mit dem geschwefelten Endeauf dem Phosphorgemisch gerieben wurde, etwas von der Masse abkratzte und sich nundurch Reiben auf einer rauhen Fläche entzünden ließ. Nur in der Form eines Überzugs— das wurde sehr bald eingesehen — vermochte der Phosphor seine Wirkung in geeigneterWeise zu äußern; allein es verging trotzdem eine geraume Zeit, bis endlich der richtigeWeg gefunden wurde, auf welchem man schließlich zur Herstellung der heutigen Phosphor-streichzündhölzer gelangte.

Streichhölzchen. Es ist ungewiß, von wem die Erfindung eigentlich ausgegangenist. Man sieht, es war nach den Congreveschen Streichhölzern weiter nichts zu thun, alsdas Schwefelantimon durch Phosphor zu ersetzen. In Paris muß schon 1805 derPhosphor zur Herstellung von Feuerzeugen Verwendung gesunden haben, denn im Journalde l'Empire vom 20. Vendemiaire des Jahres XIV (12. Oktober 1805) wird von Phos-phorfeuerzeugen gesprochen. Derepas soll 1809 ihn mittels Magnesia zerteilt haben, umseine leichte Entzündlichkeit zu vermindern, und Derosne soll es 1816 gelungen sein,