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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Anwendung des Phosphors zu Feuerzeugen. Streichhölzchen.

Wirkliche Phosphorstreichhölzer zu erzeugen. Dies letztere ist sehr zweifelhaft, und die Sacheverhält sich nach den neuesten Annahmen so, daß ein junger österreichischer Techniker,Namens Stephan Jrinyi, der in einer Vorlesung den Professor mit Phosphor experimen-tieren sah, der Erfinder der Streichhölzer ist. Er soll am Nachmittage des betreffendenTages bereits Streichhölzer im heutigen Sinne hergestellt haben, es war zu Anfang derdreißiger Jahre, und er soll seine Erfindung einigen Zündrequisitenfabrikanten mitgeteilthaben, die sie dann verwerteten. So wurden 1833 schon in Wien durch den FabrikantenPreshel die verschiedenartigsten Zündrequisiten, Znndschwamm, Zigarrenzünder u. s. w.angefertigt, in deren Zündmasse der Phosphor die hauptsächlichste Rolle spielte, und umdieselbe Zeit fabrizierte auch Moldenhauer in Darmstadt seine ersten Phosphorzünder.

In den ursprünglichen Zündmassen war das chlorsaure Kali aus den CongreveschenReibzündern der Menge nach noch ein ganz vorwiegender Bestandteil. Da dasselbe aberden Übelstand hat, beim Erhitzen zu schmelzen und erst dann Sauerstoff zu entwickeln,so besaßen die Phosphorzündhölzer von damals die unangenehme Eigenschaft, mit einerArt von Explosion zu verbrennen; die schmelzende Masse spritzte glühend umher, und derGebrauch sowie die Fabrikation wurde wegen der großen Feuergefährlichkeit in vielendeutschen Ländern verboten. Es gelang aber bald, das schädliche chlorsaure Kali zu be-seitigen. Trevany wandte statt seiner zuerst eine Mischung von Mennige und Braun-stein an, und wenige Jahre darauf (1837) wurde durch Preshel das braune Bleisuper-oxyd und durch Böttger ein Gemenge von Mennige und Salpeter oder von Bleisuperoxydund salpetersaurem Bleioxyd — es sind dies alles sehr sauerstosfreiche Verbindungen —eingeführt und damit der Zündhölzchenfabrikation ein großer Aufschwung gegeben.

Weiterhin wurden die Reibzündhölzer dadurch verbessert, daß man das Holz derleichteren Entzündung wegen anstatt mit Schwefel mit Wachs oder Paraffin an der Spitzetränkte, die Zündmasse selbst mit einer dünnen Lackschicht überzog, um die Phosphor-ausdünstung zu beseitigen und den Hölzchen ein gefälligeres Aussehen zu geben n. s. w.

Es war nur noch eine Schwierigkeit zu überwinden, und diese lag in den giftigenEigenschaften des Phosphors selbst. In den Zündhölzchenfabriken stellten sich bald dietraurigsten Krankheitserscheinungen unter den Arbeitern ein, hauptsächlich Krankheitendes Zahnfleisches und der Kinnlade, und die Sterblichkeit unter den Fabrikarbeitern warhier eine viel größere als bei anderen Beschäftigungen. Man suchte hin und her, demPhosphor die schädlichen Eigenschaften zu nehmen, und als Schrötter den amorphenPhosphor entdeckte, nahm man deswegen dieses Präparat von allen Seiten sogleich mitdem größten Eifer in der Zündhölzchenfabrikation auf. Dieser hat sich, wie gesagt, injener Zeit bald wieder abgekühlt, und die Zündhölzchen, zu deren Zündmasse roter oderamorpher Phosphor genommen wurde, haben damals nur eine sehr beschränkte Auf-nahme gefunden.

Der Erfinder der mit Hilfe von rotem Phosphor hergestellten Zündhölzer, welchewir heute „schwedische Zündhölzer" nennen, ist der uns von ver Schießbaumwolle herbekannte Frankfurter Chemiker Böttcher (s. S. 460). Er nannte feine Hölzchen damalsim Jahre 1848 Antiphosphvrhölzer. Zu diesem Namen sah er sich dadurch veranlaßt,daß er den roten Phosphor mit Zusatz eines rauhen die Reibung vermehrenden Körpers,wie Braunstein, Glaspulver oder ähnlichem, nicht auf die Kuppen der Hölzchen brachte,sondern daß er ihn zur Präparation einer besonderen Reibfläche verwendete und zu diesemBehufe auf Pappe aufklebte. Die Zündmasse seiner Hölzchen bestand aus einer mitGummi angemachten Mischung von chlorsaurem Kali und Schwefelantimon, war alsophosphorfrei und hatte die Eigenschaft, sich auf jener phosphorhaltigen Reibfläche sehrleicht, auf anderen Flächen aber nicht oder jedenfalls sehr schwer zu entzünden. Auch hierhaben wir wieder ein Beispiel, wie schwierig es oft ist, eine an sich gute Erfindung praktischzu gestalten und sie zur Ausführung im großen zu bringen. Diese Böttchersche Erfindungaus dem Jahre 1848 hat erst in Schweden in den siebziger Jahren ihre Auferstehunggefeiert, aber dann auch die ehemalige Zündholzindustrie vollkommen aus dem Sattelgehoben, obwohl, wie wir gleich sehen werden, die schwedischen Zündhölzer scheinbar genaudas Gleiche wie die Böttchersche Erfindung sind.

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