Band 
Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
Seite
499
JPEG-Download
 

Chemische Verwertung des Holzes durch Verkohluug. 499

Temperatur in den Retorten wurde so gehalten, daß der Prozeß in 15 Stunden beendetwar, und sie betrug während dieser ganzen Zeit etwa 350°

Retorte 1 ergab. 552,os üg Holzessig mit Teer.

Retorte 2 „ 582,65 kg „ „ „

Retorte 3 „ 532,70 kg „ „ „

also ganz gleichmäßig den Prozeß zu leiten, hat man nicht in der Hand. Aus der Ge-samtmenge Flüssigkeit setzten sich 220 üZ Holzteer ab, so daß 1448,44 Holzessig er-halten wurden.

Die Ausbeute an Holzkohle betrug aus den 3 Retorten 1122 aus denen durchAussieben 89 Abfallkohle entfernt wurden. Zur Verkohlung waren als Heizmaterial419 Steinkohle verbrannt worden, oder 45,s für den Raummeter. Die Ver-

arbeitung der rohen Essigsäure auf essigsauren Kalk, wir kommen gleich hierauf zurück,ergab 27 80 bis 82 prozentigen essigsauren Kalk aus einem Raummeter Buchenholz.

Aus je 100 Holzessig wurden 2,946 absoluter Holzgeist gewonnen. Aus je 100 KZHolzteer wurden bei seiner Verarbeitung erhalten erstens 20,4 saures Wasser, die beider Weiterverarbeitung 0,os6 üx Holzgeist und 2,94 ÜA essigsauren Kalk ergaben; zweitens5,4 leichtes Teeröl vom spezifischen Gewicht 0,9?«; drittens 12,0 schweres Teeröl

vom spezifischen Gewicht 1,04s; viertens 61,0 KZ Holzteerpech. Bei der Destillation waren20,s Steinkohlen verfeuert worden.

Auf je einen Raummeter frischen entrindeten Birkenholzes, welches 369 wog,das in gleicher Weise in den drei Retorten behandelt war, berechnet sich die Ausbeute infolgender Art:

Holzkohlen. 113,8 darin an Holzgeist .... 2,985 kx

Holzessig (mit 11,s"/o Säuregehalt) 199 ,0 kA Holzteer spez. Gew. 1,o?8 . . 20,s

Aus den mitgeteilten Ausbeutezahlen sehen wir bereits, worauf die beim trockenen Er-hitzen des Holzes übergehenden durch Abkühlen wieder verflüssigten Produkte größtenteilsverarbeitet werden. Die aus dem Holz durch trockene Destillation erhaltene Flüssigkeit trenntsich bei einigem Stehen in zwei Schichten. Die obere ist eine leichtbewegliche brauneFlüssigkeit von stark saurem und zugleich empyreumatischem Geruch, die untere eine schwarze,dicke, ölige, halbflüssige Masse. Erstere nennt man Holzessig, letztere Holzteer. Hatman sehr harzreiche Hölzer destilliert, so sammelt sich zwischen diesen beiden noch einedritte Schicht, das rohe Terpentinöl.

Die Trennung der drei Schichten erfolgt durch Hähne, welche in verschiedener Höhean den Sammelgefäßen angebracht find. Sie selbst sind Gemische der verschiedenstenKörper, so sind im Holzessig neben der bei weiten überwiegenden Essigsäure bisher noch25 andere Produkte in kleinen Mengen nachgewiesen, und aus dem Holzteer etwa 20Bestandteile chemisch rein dargestellt worden.

Bei der Überführung des Holzessigs in reine Essigsäure wird nun gleichzeitig derMethylalkohol, der im gewöhnlichen Leben Holzgeist heißt, mitgewonnen. Er findet seineVerwendung hauptsächlich in der Teerfarbenindustrie. Er ist der einfachste Alkohol, denes geben kann. Alkohol entsteht dadurch, daß in einem Kohlenwasserstoff (siehe S. 315)ein Wasserstoffatom durch Hydroxyl 08 vertreten wird. Der einfachste Kohlenwasserstoffist doch das Methan 684, also ist der einfachste Alkohol, unser Holzgeist, 08z -08. InEngland dient er zum Denaturieren des Trinkbranntweins, denn wenn der eigentlicheAlkohol, der Trinkbranntwein, ihm auch chemisch sehr nahe steht, er ist nur um eineMethylgruppe reicher und hat die Formel 08g—08z - 08, so ist doch seine Wirkung aufden menschlichen Körper und sein Geschmack ganz verschieden, ja der Methylalkoholgeradezu ungenießbar.

Zur Trennung der Essigsäure vom Methylalkohol verfährt man, da es die Reinigungder Essigsäure so wie so erfordert, derart, daß man die Säure durch Zugabe von Kalkoder kohlensaurem Natron in essigsauren Kalk oder essigsaures Natron verwandelt.Destilliert man jetzt die neutralisierte Flüssigkeit, so kann nur der Methylalkohol mit denihn verunreinigenden Substanzen übergehen, die essigsauren Salze als nichtflüchtige Ver-bindungen bleiben in der Destillierblase.

63 *