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Chemische Industrie.
4S9. Gindampfpfannc.
Hat man mit Kalk neutralisiert und den Holzgeist abdestilliert, so läßt man diedunkelbraune Lösung des essigsauren Kalks sich klären und dampft sie sodann zur Trockne.Da essigsaure Salze auch in höherer Temperatur sehr beständig sind, kann man den essig-sauren Kalk ohne Schaden auf 250° erhitzen. Thut man dies längere Zeit, so werden
die ihm noch anhaftenden teerigen Bestandteile teils verflüch-tigt, teils verkohlt, und löst man das so behandelte Materialjetzt wieder in Wasser, so erhält man, wenn man die herum-schwimmenden Kohleteilchen abfiltriert, eine fast WasserhelleLösung, die durch Eindampfen wieder den festen essigsaurenKalk liefert. Letzteres erfolgt in einer Pfanne mit doppeltemBoden, zwischen den Dampf geleitet wird. Der so erhalteneessigsaure Kalk wurde früher mit der berechneten Menge Salz-säure übergössen, in welcher er sich auflöst, so daß sich eine Destillation dieser Flüssigkeitaus einem kupfernen Apparat, an den man eine bleierne Kühlschlange anfügte, leicht be-werkstelligen ließ.
Der übergegangene Essig zeigte einen Gehalt von durchschnittlich 40 °/y Essigsäure,roch noch schwach empyreumatisch und hatte öfters einen Stich ins Gelbliche. Zu seiner
Reinigung destillierte man ihn^ nochmals unter Zusatz einiger
Prozente doppeltchromsaurenKalis, dessen oxydierende Wir-kung seinen Geruch beseitigte.
Wollte man sich für dieseRektifikation ebenfalls einerbleiernen Kühlschlange bedienen,so läge die Gefahr vor, daß dieEssigsäure bleihaltig wird, manhat deshalb in manchen Fabri-ken silberne Kühlschlangen ver-wendet, jetzt liefert aber dieThonwarenfabrik von Rohr-mann in Krauschwitz Kühlerhierzu aus Thon, ja sie fertigtauch den Helm der Blase ausThon, weil die Essigsäuredämpfemetallene Helme stark angreifen.
Jmbeistehend abgebildetenApparat ist der Oberteil derDestillierblase .-V aus Thon, ebenso der Helm L. Das thönerne Aufsatzrohr 6 führt ver-mittelst des Überleitungsrohres I) die Dämpfe zum Thonkühler, der sich im Kühlfasse Lbefindet. Aus ihm läßt man die Essigsäure vermittelst des ein Aufsatzrohr 6l tragendenSyphons § ab. Die Randflächen vom Oberteil ^ sind sauber abgeschliffen, wie auchdie Randflächen des metallenen Unterteils sauber abgedreht werden müssen, wenn einegute Abdichtung erzielt werden soll. Ober- und Unterteil werden sodann mittels einesgeeigneten, aus starkem Bandeisen bestehenden Verschlusses durch Schrauben und Flanschenzusammengeflanscht.
Heutzutage wird die Zersetzung des Holzessigsauren Kalks aber nicht mehr mit Salz-säure, sondern mit Schwefelsäure bewirkt. Man bringt ihn zu dem Zweck in gußeiserneGefäße, die mit einem Rührwerk wegen des sich bildenden Gipses (schwefelsauren Kalks) ver-sehen sind, übergießt ihn mit Schwefelsäure von 60° 6 und bewirkt die Destillation durchEinleiten von überhitztem Wafferdampf. Zuerst geht hierbei der größte Teil öligerSubstanzen, welche den empyreumatischen Geruch des Holzessigsauren Kalks veranlassen,über, und so kann dieser leicht entfernt werden. Die hernach gewonnene rohe Essigsäurehat einen Gehalt von 70 °/o Sä.ure. Wird sie ihrerseits rektifiziert, so liefert sie bei der
47a. Dlektifikatiolisopparat für Essigsäure.