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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Chemische Verwertung des Holzes. Darstellung der Essigsäure.

erneuten Destillation anfangs wenig 40prozentige Säure, während sehr bald 80prozentigeEssigsäure übergeht. Auf diesem Wege gewinnt man aus 100 essigsaurem Kalk etwa10 40prozentige und 64 80prozentige Essigsäure, eine Ausbeute an hochprozentigerWare, die beim Salzsäureverfahren niemals zu erreichen war.

Der billige Preis der Soda hat allmählich dazu geführt, sich ihrer an Stelle desKalks zur Neutralisation des rohen Holzessigs zu bedienen. Hat man genügend von ihrzugesetzt, so scheiden sich aus der Flüssigkeit beträchtliche Mengen von Teer ab, dieman mechanisch trennt. Diese selbst wird sodann in einer Destillierblase erhitzt, um denHolzgeist als Destillat zu gewinnen. Ist er übergetrieben, so wird die Lösung inoffenen Pfannen bis zur Krystallisation eingedampft. Sie scheidet ein rötlich gefärbtes,schon ziemlich reines essigsaures Natron aus. Die Mutterlauge liefert nach erneutemEindampfen noch weiteres Salz. Durch mehrfaches Umkrystallisieren reinigt man die soerhaltene Rohware. Die letzte Mutterlauge, die ganz schwarz aussieht, wird zur Trocknegedampft und zum Schmelzen erhitzt. Das essigsaure Natron verträgt diese Temperatur,während die Verunreinigungen zerstört und wasserunlöslich werden. Ebenso mußauch alles krystallisierte Salz schließlich geschmolzen werden, um seinen empyreumatischenGeruch zu zerstören. Krystallisiert man die Schmelze durch Auflösung in der passendenMenge heißen Wassers alsdann um, so liefert das Filtrat jetzt gereinigtes essigsauresNatron. Will man Essigsäure aus ihm darstellen, so verfährt man wie beim essigsaurenKalk, indem man es mit Salzsäure oder Schwefelsäure in Destillierblasen zerlegt.

Außer der Essigsäure bis zu 80°/g wird aber heutzutage aus dem Holzessig viel100 prozentige Essigsäure dargestellt, welche namentlich in der Anilinfarbenindustrie ge-braucht wird und die bei ihrer Versendung eine große Frachtersparnis ermöglicht.

Die 100prozentige Essigsäure heißt auch Eisessig. Diesen etwas geheimnisvollenNamen hat sie daher, weil sie schon bei 17° zu einer eisähnlichen Masse erstarrt, also ineinem noch verhältnismäßig warmen Zimmer in eine eisähnliche Masse übergehen kann.Ihre Darstellung erfolgte, bis Rohrmann vor kurzer Zeit einen neuen Apparat für denZweck konstruiert hat, stets so, daß man reines essigsaures Natron durch Schmelzen völligentwässerte und mit wasserfreier Schwefelsäure übergoß. Indem sich die Schwefelsäuredes Natrons bemächtigte, wurde die 100 prozentige Essigsäure frei. Diese siedet bei 138 ".Nimmt man also die Mischung des Salzes mit der Schwefelsäure in einem Destillations-apparat vor, so kann sie leicht überdestilliert werden. Sie erfordert stets einen silbernenKühler, weil sie alle anderen Metalle zu sehr angreift. Die Umsetzungsgleichung, nachwelcher sie auf diesem Wege gewonnen wird, ist folgende:

Essigsaures Natron -I- Schwefelsäure — Essigsäure > saures schwefelsaures NatronOUg.oOOUa -i- U28O. ^oUg-OOOU^ UaUSOt

Die Gründe für die Bildung des sauren schwefelsauren Natrons bei derartigen Prozessensind uns von früher her bekannt (siehe Seite 444). Das Rohrmannsche Verfahren zurGewinnung hochprozentiger Essigsäure oder des Eisessigs beruht dagegen auf folgendem.Die wasserdampfhaltigen Essigsänredämpfe kommen in der Wärme mit Schwefelsäure zu-sammen, welche ihnen infolge ihrer wasserentziehenden Kraft ihr Wasser raubt, und jenach der Art des Arbeitens mit dem Apparat kommt man zu 80prozentiger Säure oder zuEisessig. Man spart hier also bei der Darstellung der hochprozentigen Säuren dieÜberführung der Rohsäure in chemisch reines, absolut trockenes essigsaures Natron undbedarf auch nicht vollkommen wasserfreier Schwefelsäure. Es fallen also die Kosten fürdie Soda und Reinigung des essigsauren Natrons, sowie auch fast ganz die für die Schwefel-säure fort, die nach dem älteren Verfahren schließlich in Form des sauren schwefelsaurenNatrons nur einen sehr geringen Wert hat, während sie hier in nur etwas verdünntemund wenig verunreinigtem Zustande abläuft und deshalb als Abfallschwefelsäure zumAusschließen der Phosphate in den Superphosphatfabriken Verwendung finden kann.

Die Handhabung des Apparates ist folgende. Das Gefäß ick ist ein Thongefäß, inwelches die durch Zersetzung von essigsaurem Kalk mit Schwefelsäure erhaltene 70 prozentigeRohsäure gegeben wird, die von da beliebig in die Destillierblase abgelassen wird. DieErwärmung dieser erfolgt durch zwischen ihre Doppelwand geleiteten, genügend heißen