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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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504 Chemische Industrie: Verwertung des Holzes.

Der Holzgeist. Wir erfuhren, daß, wenn die rohe Essigsäure mit Kalk oder Sodaneutralisiert ist, man aus der neutralisierten Flüssigkeit durch Destillation den Holzgeist,welcher schon bei 66" siedet, leicht übertreibt. Hierzu dient z. B. der Apparat von Luhnss. Abb. 472), bei dem die Flüssigkeit in ^ erhitzt wird. Der Holzgeist passiert zu seinerReinigung und zum Absetzen von Wasser noch die beiden kupfernen Blasen U und 6, um inden Kühler v zu treten, aus dem er abläuft. Der so in der Vorlage erhaltene Holzgeistenthält aber noch manche Verunreinigungen, z. B. Aceton. Um ihn von diesem möglichst zubefreien, destilliert man ihn nochmals in einem Kolonnenapparat (s. die Gründe für dessenreinigende Kraft im Abschnitt Spiritusindustrie, Bd. IV), wie ihn ebenfalls Luhn liefert.Er besteht aus einer kupfernen oder schmiedeeisernen Blase mit kupferner Heizschlange,auf der die Kolonne U sitzt, an welche sich der Kondensator 0 schließt, von dem aus dienun fast reinen Holzgeistdämpfe in den Kühler v gelangen. Da sich bei der erstmaligen

Rektifikation viele Unreinigkeiten in derKolonne absetzen, baut Luhn den Apparatso, daß sie schnell und leicht gereinigt wer-den kann. Doch ist eine völlige Reinigungdes Holzgeistes auf diesem Wege überhauptnicht zu erzielen. Um das Aceton zu ent-fernen, ist z. B. patentiert worden, in ihnChlorgas einzuleiten. Dadurch geht dasAceton in hochsiedende Körper über, sodaß eine erneute fraktionierte Destillationden Holzgeist frei von ihm liefert. Ob dasVerfahren praktisch verwertet wird, ist nichtbekannt.

Handelt es sich um Herstellung chemischreinen Methylalkohols, so kann dazu nurein schon von Wühler vor fast 50 Jahrenangegebenes Verfahren dienen. Der Holz-geist als ein zur Gruppe der Alkohole ge-höriger Körper verbindet sich ziemlich leichtmit Säuren, z. B. mit Oxalsäure zu demals Oxalsäuredimethylester zu bezeichnendenKörper. Der Holzgeist hat nämlich denoffiziellen Namen Methylalkohol, den manteilweise in der neuen Verbindung wieder-kehren sieht. Der Oxalsäuredimethylester473. Nektifiri-rapparat für Aoirscist. hat seinerseits ein ausgezeichnetes Krystalli-

sationsvermögen, kann infolgedessen durchwiederholtes Umkrystallisieren leicht in den Zustand chemischer Reinheit übergeführt werden.Ist dieses Ziel erreicht, und zerlegt man ihn jetzt wieder in seine Komponenten, so wirdder Methylalkohol, der Holzgeist, als chemisch reiner Körper überdestillieren.

Der Holzteer, welchen die Holzverkohlung liefert, findet nur geringe Anwendung.Das aus ihm hauptsächlich dargestellte Produkt ist das Kreosot, und für dessen Ge-winnung scheint nur Buchenholzteer verwendbar. Das Kreosot ist von Reichenbach 1832in diesem aufgefunden und benannt worden, kurze Zeit darauf wurde die Karbolsäureim Steinkohlenteer von Runge entdeckt, und Laureat schied einen Körper auf Umwegenaus diesem ab, den er Phenylhydrat nannte; letztere beiden sind identisch, und anfangshielt man sie auch für identisch mit dem Kreosot. Das gab Veranlassung zu einer Kon-fusion über das Verhältnis dieser Körper zu einander, die an Hartnäckigkeit ihresgleichenin der Wissenschaft sucht. Die hierdurch nötig gewordene genaue Durchforschung diesesGebietes erwies sich aber schließlich als für die Chemie als Wissenschaft sehr förderlich.

Unter Kreosot versteht man heutzutage wohl das Produkt, welches, wenn der Holz-teer fraktioniert destilliert wird, um 200° herum übergeht. Aus ihm läßt sich auf höchst