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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Chemische Industrie.

Luhn liefert einen hierzu dienenden Apparat, in welchem der durch ein Rührwerkandauernd bewegte essigsaure Kalk auf direktem Feuer in einer Destillierblase erhitzt wird,deren Kühler zur Kondensation des sich bildenden Acetons dient. Nach GroussilliersPatent soll man nicht essigsauren Kalk trocken, sondern lieber essigsaures Baryum mitüberhitztem Wasserdampf destillieren, ein Vorschlag, über dessen praktische Vorteile nochkeine Angaben vorliegen. Das erhaltene Rohaceton wird in einem Kolonnenapparat nachArt des Holzgeistes durch Rektifikation gereinigt.

Die Oxalsäure. Da die Oxalsäure heutzutage aus Sägespänen dargestellt wird,haben wir auch sie bei der chemischen Verwendung des Holzes zu betrachten. Schon baldnach 1600 wurde aus dem Safte des Sauerampfers und des Sauerklees (Oxalis aoa-tosslia) durch Eindampfen ein Salz abgeschieden, das den Namen Sauerkleesalz erhieltund für eine Art Weinstein gehalten wurde. Nachdem Scheele 1776 durch Kochen vonZucker mit Salpetersäure eine neue Säure erhalten hatte, fand er 1784, daß diese iden-tisch mit der Säure aus dem Sauerkleesalz sei, woher die Oxalsäure noch heute imPublikum Zuckersäure benannt wird.

Da sie, abgesehen von ihren Verwendungen im Laboratorium, in der Woll- undSeidenfärberei gebraucht wird, zum Bleichen des Strohs dient und eine sehr wichtigeRolle als Ätzbeize in der Kattundruckerei spielt, ist ihre technische Darstellung seit langemaufgenommen worden. So wie Zucker liefern auch sehr viele andere organische Stoffebeim Kochen mit Salpetersäure Oxalsäure, aber nicht nur auf diesem Wege gehen sie indiese Säure über, sondern auch wenn man sie mit Ätzkali schmilzt, liefern sie oxalsauresKali. Auf diesem technisch vorteilhaftesten Wege wird sie seit 1856 dargestellt, indemman von der Zeit ab die Salpetersäuremethvde verließ. Die Arbeitsweise ist die folgende.Man löst die gleichen Gewichtsteile Kalihydrat und Natronhydrat in wenig Wasser undrührt in die Flüssigkeit Sägespäne, welches Gemisch unter beständigem Rühren 1 bis2 Stunden auf 200° erhitzt wird; sodann erhöht man die Temperatur ein wenig und setztdas Erhitzen fort, bis die Masse staubtrocken geworden ist, was noch 4—6 Stunden er-fordert. Jetzt enthält sie etwa 20 o/^ Oxalsäure, hauptsächlich in Form ihres Natriumsalzes.Wenig Wasser löst fast alles unverbrauchte Alkali, während oxalsaures Natron zurückbleibt.Dieses Salz wird sodann in viel reinem Wasser gelöst, aus welcher Lösung Kalkmilchden im Wasser unlöslichen oxalsauren Kalk fällt. Dieser seinerseits wiederum wird inverdünnte Schwefelsäure eingetragen, die mit dem Kalk Gips bildet, während nunmehrdie Oxalsäure in der Lösung vorhanden ist. Sie krystallisiert nach dem Konzentrierenaus und wird durch Umkrystallisieren gereinigt.

Einfuhr und Ausfuhr des Deutschen Reichs an Oxalsäure und oxalsaurem Kali inMengen von 100

Jahr

Einfuhr

Ausfuhr

Jahr

Einfuhr

Ausfuhr

1891

1633

10107

1893

129

11 352

1892

429

11005

1894

177

19 721

Die künstlichen Düngemittel.

Wir wenden uns nunmehr zur Herstellung der künstlichen Düngemittel und kommendamit zur Besprechung von Erfolgen der Chemie, von denen man ohne jede Einschränkungsagen muß, daß sie mit zu dem Allergrößten gehören, das überhaupt geleistet worden ist,soweit es sich um Praktische Vorteile handelt, die die Menschheit aus Arbeiten auf natur-wissenschaftlichem Gebiete zieht. Erst sie haben das Wort wahr gemacht, daß der MenschHerr der Erde ist, daß er den Boden nicht für den Ackerbau einfach ausnutzt, sondern ihnhegt und Pflegt, wie jedes andere kostbare Gut, und ihn bei Kräften erhält, damit er nichterschöpft eines Tages den Dienst versagt.

Alles was wir als Kultur bezeichnen, beruht doch auf der Voraussetzung, daß diebetreffenden Völkerschaften das Nomadenleben aufgegeben, sich seßhaft gemacht und demAckerbau zugewendet haben. So ist also der Ackerbau die älteste Beschäftigung halbwegszivilisierter Menschen, und so sollte man meinen, über diesen hätten schon unsere Vorfahren