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Chemische Industrie: Die künstlichen Düngemittel.
erst für die Pflanzennahrung brauchbaren Phosphorsauren Kalk, ihre „Ausschließung"bewirkt in ihm ganz allmählich die Natur. Die im Boden zirkulierende Kohlensäure inVerein mit der Feuchtigkeit greift nämlich die Phosphate in ausschließendem Sinne an,nebenbei bemerkt ebenso die im Boden anwesenden, an und für sich in kaum löslicherForm vorhandenen kalihaltigen Mineralien, welche, wie wir zu sagen Pflegen, verwittern.Wird daher ein Feld ein Jahr lang nicht beackert, also brachliegen gelassen, so wird,da nichts abgeerntet wurde, im nächsten Jahre ein ziemlicher Vorrat gelöster Phosphate,Kaliverbindungen u. s. w., der dem Pflanzenwnchs sehr zuträglich sein muß, vorhandensein, woraus sich der Nutzen der Brache erklärt.
Dieser Prozeß der Verwitterung oder natürlichen Ausschließung der Phosphate gehtim Boden sehr langsam vor sich, und so ist der Nutzen recht gering, wenn man drei'basisch Phosphorsauren Kalk, also Knochen z. B., den Feldern zuführt. Nur in derForm allerfeinster Verteilung kommen sie allmählich zur Geltung, da in dieser die vonder Natur bewirkte Ausschließung noch am schnellsten erfolgt. Aber auch so helfen siedem Landwirt wenig, da er sein für ein solches Düngemittel ausgegebenes Geld erst imLaufe von Jahren ganz allmählich zurückerhält.
Wiederum war es Liebig, der, nachdem er theoretisch den Wert der Phosphate fürdie Landwirtschaft erkannt hatte, nun auch das Mittel an die Hand gab, beliebige Mengenvon Phosphaten in brauchbarem Zustande als Düngemittel zur Verfügung zu stellen.Er schlug schon 1840 vor, die natürlichen Phosphate durch Behandeln mit Schwefelsäurein in Wasser löslichen Phosphorsauren Kalk überzuführen, so daß ihn die Wurzeln derPflanzen im Jahre seiner Zuführung assimilieren können.
Zu welch einer Industrie dieser Vorschlag Liebigs im Laufe von fünfzig Jahrengeführt hat, mögen folgende, auf das Jahr 1894 bezügliche Zahlen klarlegen.
Weltproduktion an Rohphosphat und Guano im Jahre 1894.
Ton en ä. 1000
1930000
Touren L 1000 kxÜbertrag 1930000
2 087 000
1615 000
Wenn es auch gebräuchlich ist, von Düngung mit Phosphorsäure zu sprechen, so istdiese im freien Zustande eine viel zu ätzende Flüssigkeit, um zu diesem Zweck dienen zukönnen, sie würde die Wurzeln geradezu zerfressen. Man bietet sie deshalb den Pflanzenin Form von wasserlöslichem Phosphorsauren Kalk, in den auch die Natur die Phos-phate des Ackerbodens überführt.
Wie wir bei der Fabrikation des Phosphors, welche ebenfalls diese Überführung desdreibasischen wasserlöslichen Kalks in den wasserlöslichen einbasisch Phosphorsauren Kalkverlangt, dargelegt haben, muß man, um dieses zu erreichen, auf ein Molekül des drei-basischen Kalksalzes zwei Moleküle Schwefelsäure wirken lassen, es bilden sich dann alsozivei Moleküle schwefelsaurer Kalk (Gips) und ein Molekül einbasisch phosphorsaurerKalk (s. S. 487).