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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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518 Chemische Industrie: Die künstlichen Düngemittel.

Nahrung verzehrt und teils zum Aufbau der Knochen benutzt, teils mit dem Kote wiederausgeschieden. Wenn auch namentlich letzterer oft seine Form beibehalten hat, woher diesePhosphate den Namen Koprolithen (Kotsteine) erhalten haben, so ist doch alles Organischeim Laufe der unendlichen Jahre aus diesen Resten der Tierwelt vergangener Erdperiodenverschwunden, und auch sie machen ganz den Eindruck von Mineralien.

Die eigentlichen mineralischen Phosphate haben den Nachteil, daß sie fast alleEisenoxyd und Thonerde enthalten, welche die Ausschließung sehr erschweren. SchonZ°/o Eisenoxyd machen einen Phosphorit sehr geringwertig, noch mehr Oxyd macht ihnfür die Superphosphatfabrikation schon unbrauchbar aus Gründen, deren Darlegung unshier zu weit führen würde. Enthalten Phosphorite reichlich kohlensauren Kalk, so werdensie durch übermäßigen Schwefelsäureverbrauch wertlos, weil diese, wenn sie zur Ein-wirkung gelangt, bevor sie ausschließend auf das Phosphat zu wirken vermag, erst mitdem kohlensauren Kalk Gips bilden wird, dessen Kohlensäure gasförmig entweicht, unddie hierfür verbrauchte Schwefelsäure ist reiner Verlust.

Während aufgeschlossenes Knochenmehl ohne weiteres beim Ausschließen ein trockenesstreubares Pulver liefert, liefern mineralische Phosphate meist ein schmieriges Produkt,welches erst einer künstlichen Trocknung bedarf, um verkäuflich zu sein.

Hieraus erklärt es sich, daß für die Düngerfabrikation geeignete natürliche Phos-phorite weithin transportiert werden, wenn sie die einheimischen in der Qualität bedeutendüberragen, und so haben in den letzten fünfzehn Jahren die Hauptbezugsquellen für dasPhosphat sehr gewechselt. Wir haben in Deutschland z. B. Phosphorite in der Lahngegend,was seit 1850 bekannt ist, aber sie sind nie viel ausgebeutet worden, weil ihr Gehalt anphosphorsaurem Kalk im Gestein von 20—70°/g schwankt, und sie reichlich Eisenoxyd ent-halten, wie folgende Analysen, die nur die uns interessierenden Zahlen geben, zeigen.

Lahnphosphorite.

Phosphorsaurer Kalk.

. . . 85,25

73,88

63,72

Kohlensaurer Kalk.

. . . 7,25

6,25

4,70

Eisenoxyd -l- Thonerde. . . .

5,44

7,23

Auf die besondere Art der Behandlung und Ausnutzung dieser Lahnphosphoritekommen wir noch zurück. Bis zum Jahre 1890 wurden ganz besonders viel die Phos-phorite aus der Somme in Frankreich und die von der westindischen Insel Aruba ver-arbeitet. Weniger bedeutend war der Verbrauch von Kanadaphosphoriten und russischen Koprolithen, die namentlich aus Podolien kamen. Die Verarbeitung der letzteren imübrigen Europa hörte auf, seitdem die russische Regierung einen Ausfuhrzoll auf sie ge-legt hat. Sie kommen in der Gegend von Kursk so massenhaft vor, daß sie dort teilweisemit zu Chausseebauten verwendet worden sind.

Die an der Somme im Jahre 1886 entdeckten Phosphatlager haben eine großeAusdehnung und liegen fast auf der Oberfläche des Bodens. Die Sandgrube des DorfesBeauval, welche sich mitten in diesem Orte befindet und seit sicher 50 Jahren schon imBetriebe war, enthielt, wie zuerst der Geologe Merke konstatierte, einen sehr Phosphat-reichen Sand. Man muß sich nur wundern, daß ältere Geologen, als sie die geologischeKarte des Landes aufnahmen, dies nicht bemerkt haben. Die weitere Durchforschungder Umgegend ergab Phosphatreiche Schichten von 10—12 rn Mächtigkeit, und günstigeStellen hatte 70—80, ja in vereinzelten Fällen bis 92°/g Kalkphosphat. Die Sand-grube zu Beauval ist sehr bald für 2 Millionen Frank verkauft worden. Etwa 5 ünivon Beauval beim Dorfe Orville stieß man auf ein ähnlich reiches Phosphatlager, dessenAusdehnung etwa 25 da betrug. Man sieht, nicht nur in Südafrika vermag dürrerFels Gold zu liefern, auch in Europa können sich Sandgruben Plötzlich in Goldgrubenverwandeln. Ähnlich wie im Siebengebirge in den sechziger Jahren ein Brunnenmeisterden Traß gefunden hat (s. S. 48), der die dortige große Traßmühlenindustrie in dasLeben gerufen hat, während die Geologen bis dahin sein Vorkommen nicht konstatiert hatten,war es mit dem Phosphat der Somme also den älteren französischen Geologen gegangen.

Mit Beginn der neunziger Jahre wurden sodann gewaltige Lager leicht gewinn-baren Phosphats in Florida (Nordamerika ) gefunden. Dort findet es sich bald auf dem