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Siebenter Band. Die Industrien der Steine und Erden. Chemische Industrie.
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Seifenfabrikation: Herstellung der Schmierseifen und der harten Seifen. 547

Die Herstellung der Schmierseife, als der ältesten bekannten Sorte, wollen wirnun zuerst klarlegen. Zu ihrer Gewinnung brachte man ehemals Thran, später Hanföl,bringt jetzt aber meistens Leinöl in den Siedekessel und setzt die zur Verseifung nötige MengeKalilauge portionsweise zu, indem man mit den einzelnen Portionen gut durchkocht. DiePraxis hat schon lange ergeben, daß die Seifen besser ausfallen, wenn man in der Kali-lauge etwas kohlensaures Kali läßt, sie also nicht völlig mit Kalk ätzend macht. Derkochende Seifenleim schäumt namentlich anfangs sehr stark, später kann man aus der Artseines Kochens den Verlauf und den Endpunkt des Prozesses erkennen. Reine Kalischmier-seifen können bei Sommertemperatur geradezu zerfließen, und so setzt man heutzutageim Sommer bei ihrer Herstellung etwas Natronlauge zu. Die infolgedessen sich bildendeMenge harter Seife nimmt ihr durch ihre Gegenwart diese sehr störende Eigenschaft.In solche Schmierseife kann man noch reichlich Natronwasserglas oder auch Lösungenvon schwefelsaurem Kali und ähnlichem hineinmischen, ohne daß ihr Aussehen sich vieländert, die, wenn sie auch an und für sich für den Zweck der Seife ganz wertlos sind,dennoch als billiges Füllsel sie möglichst billig zu verkaufen ermöglichen, und so demWunsche der Käufer oder Käuferinnen entgegenzukommen gestatten.

Die Herstellung harter Seifen, deren Anzahl sehr groß ist, erfolgt nach mehrerenMethoden, da die verschiedenen Fette und Öle nebst dem Harz voneinander abweichendeBehandlungen erfordern oder zulassen. Die älteste aller harten Seifen ist die Talg-kernseife, und ihre Fabrikation ist folgende, je nachdem man von Kalilauge ausgeht,oder direkt Natronlauge verwendet. Man gibt in den Siedekessel den Talg mit einerzu seiner Verseifung ungenügenden Menge Kalilauge, worauf beim Erhitzen bald Ein-wirkung auf das Fett eintritt. Durch allmähliche Weiterzugabe von Lauge erreicht mandie völlige Verseifung, und der siedende Inhalt stellt eine gleichmäßige durchsichtigeMasse, den Seifenleim, dar, der nunmehr ausgesalzen werden muß. Um dies zu er-reichen, fügt man jetzt portionsweise Kochsalz zu, nach dessen genügendem Zusatz ein Ge-rinnen der Seife eintritt, die als halbfeste Masse schließlich auf einer sich abscheidendenUnterlänge schwimmt. Indem die Natronseife, also die harte Seife, nämlich in Kochsalz-lösung unlöslich ist, entzieht das Kochsalz dem Seifenleim Wasser und bildet so dieUnterlauge, die nunmehr außer dem Überschuß an Kochsalz Chlorkalium und auch dasGlycerin des verseiften Fettes enthält.

Hat sich die Unterlauge gut abgesetzt, so läßt man sie durch einen Hahn ablaufenund bringt die erstarrte Seife durch erneutes Anwärmen wiederum in Fluß, und einnochmaliger Zusatz von Salz bewirkt jetzt völliges Aussalzen. Durch weiteres starkesKochen, bei welchem sie sehr stark schäumt, wird noch so viel Wasser verdampft, daß sieschließlich eine dickliche Beschaffenheit zeigt. Nach mehrstündigem Stehen hat sich sodannder Rest der Unterlauge abgesetzt, worauf die Seife nach dem Erkalten fertig ist. Aufdiesem Wege verarbeitet liefern 100 kx Talg etwa 150 Kernseife.

Dieses umständliche und durch Verwendung von Kalilauge recht teure Verfahrenist jetzt fast ganz verlassen und dient fast nur noch zur Herstellung guter Rasierseifen,von denen ein so starkes Schäumen verlangt wird, wie es dieser Seifenart eigentümlichist. Heute bedient man sich zum Verseifen des Fettes vielmehr der Natronlauge undkommt so direkt zum settsauren Natron, zur harten Seife. Auch hier verfährt man so,daß man das Fett durch Kochen mit der allmählich zugegebenen Natronlauge verseift unddie Seife sodann aus der erhaltenen Flüssigkeit, um ihr möglichst Wasser zu entziehen,durch Kochsalz aussalzt. Die Unterlauge läßt man nach dem Absetzen großenteils ablaufenund siedet dann die Seife klar. Auch bei dieser Art der Verseifung tritt beim Fertigsiedensehr starkes Schäumen ein.

In wenig abweichender Weise werden auch Olivenöl, Palmöl u. s. w. zu hartenSeifen verarbeitet. Soll Harz mit verarbeitet werden, so verfährt man so, daß man erstdie Fette, z. B. 000 Talg und 100 ÜA Palmöl, mit Natronlauge verseift, hieraufdie Seife aussalzt und die Unterlauge abläßt. Zu der im Kessel hernach weiter siedendenSeife fetzt man 1000 Harz und gibt so viel starke Natronlauge zu, als dieses HarzZu seiner Lösung erfordert.

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