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Das Holz und seine Verarbeitung.
Wir sehen also ein Zuströmen exotischer Hölzer nach Europa , welches, obwohl nochimmer Holzreich, dennoch den riesigen Bedarf seiner Industrie mit einheimischem Materialnicht mehr befriedigen kann. Anderseits findet aber auch innerhalb der europäischen Staaten ein äußerst lebhafter Händel mit heimischem Material, ja sogar ein Export nachfremden Erdteilen statt, welche gewisse Hölzer, z. B. Nadelhölzer, nur in geringen Mengenproduzieren. Das Holzreiche Schweden-Norwegen liefert seine berühmten Nadelhölzernach England, Deutschland, Holland, Frankreich, Spanien. Rußland versorgt zum TeilDeutschland und die syrische Küste; Österreich-Ungarn hat einen lebhaften Export nachDeutschland, Italien, der Schweiz und Frankreich ; besonders entwickelt ist die Ausfuhran Eichenholz und zwar in Eisenbahnschwellen und Faßdauben. Faßdauben konsumierenhauptsächlich die Weinländer Frankreich, Italien und Spanien . An jedem größeren Holz-handelsplatze sind zur Vereinfachung des Geschäftsverkehres die beim Holzhandel geltendenGebräuche bezüglich Qualität, Ausmaß, der zulässigen Fehler, Lieferfristen, Meßart,Bewertung n. a. in Vorschriften zusammengefaßt, welche den Titel „Usancen" führenund in Streitfällen als maßgebend angenommen werden. Das moderne Bestreben istdahin gerichtet, möglichst einheitliche Nsancen zu schaffen, um den Verkehr so weit alsdenkbar zu vereinfachen.
Vorbereitung des Holzes zur Verarbeitung.
Was nun die Mittel betrifft, die man zur Vermeidung der schädlichen Folgen desSchwindens und Quellens und zur Erhöhung der Dauer des Holzes anwendet, so warendiese in früheren Zeiten verhältnismäßig einfache; denn einmal hatte man trefflichesMaterial in Hülle und Fülle zur Verfügung und konnte das beste auswählen, dann ver-wendete man aus gleichen Gründen ausschließlich Spaltholz, weil dieses dem Werfen amwenigsten ausgesetzt ist und drchwüchsige Stücke leicht ausgeschieden werden konnten.Überdies wurden damals Bauten, welche den größten Bedarf an Holz ausweisen, inviel längeren Zeiträumen hergestellt als heute, wo selbst große Gebäude in unglaublichkurzer Zeit aus dem Boden wachsen. Das verwendete Holzwerk konnte damals währendder Bearbeitung vollständig austrocknen und die zu Tage tretenden Gebrechen noch in derWerkstätte behoben werden.
Mit der steigenden Teuerung des Holzes und der starken Abnahme der Vorräte,besonders der stärkeren Sortimente, trat ein wesentlicher Ümschwung ein; man war ge-zwungen, an Stelle des trefflichen Spaltholzes immer häufiger das weniger Abfälle ver-ursachende Schnittholz treten zu lassen, dann in immer höherem Maße auch das früherausgeschiedene, minder geeignete Holz zu benutzen; endlich hat man gesunden, daß dielangandauernde Lagerung des Holzes zum Zwecke des Austrocknens mit Rücksicht auf dieLagernngskosten und den Zinsenentgang des totliegenden Kapitals wirtschaftlich sehr un-günstig sei und daß das kaufmännische Prinzip des raschen Umsatzes auch hier zur Geltunggebracht werden müsse.
Alle diese Momente haben zu einer Reihe von Maßnahmen geführt, die wir nebstden älteren Methoden nachstehend besprechen »vollen.
Das erste und wichtigste Mittel zur Paralisiernng der schädlichen Folgen desSchwindens und Quellens besteht in der möglichst vollkommenen Anstrocknung desHolzes; dasselbe geschieht auf natürlichem Wege, indem man das Holz an der Luft,gegen Sonne, Regen und Erdfeuchtigkeit geschützt, liegen läßt. Rnndstämme werden nurallmählich entrindet, um die Gefahr des zu starken Aufreißens zu vermindern, ferner dieHirnenden, welche am stärksten Wasser ausdünsten, mit Papier beklebt, oder mit Teer,Leim u. s. w. bestrichen; die letzteren Mittel gelangen auch bei Brettern, Bohlen undBalken zur Anwendung. Das Trocknen soll in möglichst kleinen Stücken vorgenommenwerden, in Form von Brettern, Latten n. s. w., weil der Prozeß hierdurch bedeutendgekürzt wird. Um ganz kleine Stücke zu trocknen, legt man dieselben in heißen Sand.Sehr vorteilhaft sind Trockengerüste, welche man in Werkstätten in der Nähe der Zimmer-decke, wo die Luft am wärmsten ist, anbringt, und die im Rohen zugerichteten Arbeitsstückedort gänzlich austrocknet.