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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Das Holz und seine Verarbeitung.

ZZiegungs- und Aehnungsarbeiten.

Biegen und Pressen des Holzes.

Bei diesen Arbeiten kommt eine Eigenschaft des Holzes, nämlich die Bildsamkeit inBetracht, welche in der Fähigkeit besteht, bleibende Formcnveräuderungen zu ertragen,ohne zu brechen oder zu reißen. Für gewöhnlich, d. h. bei Hölzern im trockenen Zu-stande, ist diese Eigenschaft nur in geringem Grade vorhanden, denn trockenes Holz istelastisch. Frisch gefälltes oder feuchtes Holz ist dagegen an und für sich schon sehr biegsam.

Da die Biegsamkeit der Metalle durch Temperatursteigcrung bedeutend vergrößertwerden kann, lag die Idee nahe, daß auch Holz durch geeignete Behandlung biegsam gemachtwerden könne, was thatsächlich auch der Fall ist. Durchtränkt man dasselbe mit heißerFeuchtigkeit, was durch Kochen oder besser noch durch Dämpfen geschieht, so erhält rs einenhohen Grad von Biegsamkeit und läßt sich in die mannigfachsten Gestalten krümmen.

Der Vorgang beim Biegen besteht darin, daß man das in die Form der zu ver-fertigenden Bestandteile gestaltete Holz (also rund gedreht oder rechteckig zugerichtet)dämpft und hieraus noch heiß in gußeiserne Formen bringt, deren Umrisse genau derkünftigen Gestalt der Holzstücke entsprechen. Würde man das Holz ohne weiteres in dieVertiefungen der Form hineinbringen, so müßte es an der konvexen Seite aufreißen, weildort durch das Biegen ein Auseinanderzcrren, ein Zerreißen der Fasern stattfindet, währendauf der konkaven Seite ein Stauchen, Zusammenpressen der Fasern eintritt; nur dieneutrale Schicht in der Mitte des Holzstückcs erleidet keine Veränderung. Um nun dasAufreißen zu vermeiden, legt man um die konvexe Schicht während des Biegens eineBlechschicne, welche durch Schraubzwingen mit dem zu biegenden Holze in der Form infester Verbindung steht; hierdurch wird die neutrale Faser aus der Mitte au die konvexeSeite verlegt, und es tritt nun ein Stauchen des ganzen Holzes ein. In der Formbleibt das Holzstück so lange, bis es an der Lust oder in einer Trockenkammer voll-ständig ausgetrocknet ist, was sehr rasch geschieht; nach dem Herausnehmen aus der Formbehält es die ihm gegebene Form unverändert bei. Das Holz hat nicht nur an Gütegewonnen, sondern es widersteht auch dem Zerbrechen sehr gut, weil die Holzfasern mitder Krümmung übereinstimmend lausen.

Diese von dem Deutschen Michael Thonet im Jahre 1838 erfundene Methode hateine großartige Anwendung in der Industrie, zur Herstellung von Möbeln aus gebogenemHolze, im Schiffbau, dann zum Biegen von Radfelgen, beziehungsweise des Rad-kranzes aus einem Stücke, zum Biegen der Griffe an Spazierstöckcn, Regenschirmen,Schachtel- und Siebrändern, Schneeschuhen u. s. w. gefunden.

Zu den hier besprochenen Arbeiten gehört noch das Pressen und die Herstellungplastischer Verzierungen durch Brennen des Holzes.

Durch das Pressen bezweckt man, das Holz mit plastischen Verzierungen zu versehen,um die teure Schnitzarbeit zu ersetzen; dasselbe geschieht mit stählernen Stempeln, diean ihrer Unterseite mit Ornamenten oder Reliefs in vertiefter Form versehen sind undunter starkem Drucke, gewöhnlich mit hydraulischen Pressen, gegen ein Holzstück geführtwerden; hierdurch findet ein Zusammenpressen des letzteren statt, wobei die Teilchen teilsgestaucht werden, teils sich in den Vertiefungen sammeln, so daß sie sich also an der Ober-fläche des Arbeitsstückes als erhabene Stellen abheben. Am besten eignet sich Hirnholz,jedoch auch Langholz, nur muß bei letzterem mit geringerem Drucke gearbeitet werden.Bei Hirnholzpressungen legt man manchmal ein sehr dünnes Fournierblatt über die zupressende Fläche, um derselben das Aussehen von Langholz zu geben. Auf diese Weisekann man Reliesdarstellungen als: Füllungsstücke für Klavierschilder, Möbel u. s. w., dannauch solche aus Leisten und Rahmen anbringen, endlich Rosetten für Plafonds u. a.herstellen.

Reliefartige Verzierungen auf Fournieren stellt man dadurch her, daß man sie zwischenzweien gegeneinander rotierenden, gravierten Zinkwalzen durchzieht. Sesselsitze und Rück-lehneu mit gepreßten Verzierungen fertigt man in der Weise an, daß man die entsprechendvorgerichteten Holzstücke zwischen erwärmten, gravierten Metallplatten preßt.