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Die wichtigsten Zweige der Holzvcrarbcitung.
fortwährend, so daß einzelne Staaten sogar einen Zoll auf die Ansfnhr legen mußten.Man war daher gezwungen, auf die Verwendung von Surrogaten Bedacht zu nehmenund fand solche im Espartogras, welches hauptsächlich von England und Frankreich ver-wendet wird, dann im Gctreidestrvh, endlich aber in ausgiebiger und unerschöpflicherMenge im Holze; es war naheliegend, dieses Material wegen seines bedeutenden Cclln-losegehaltes den Zwecken der Papierindustrie dienstbar zu machen, da Papier ausreiner Cellulose besteht. Deutschland und Österreich benutzen dieses Material in be-deutenden Mengen.
Zuerst hat man allerdings zu dem auf mechanischem Wege hergestellten Holzstoffgegriffen und wendet denselben auch jetzt noch häufig und in steigendem Maße an, be-sonders den aus gedämpftem Holze hergestellten für Packpapier und Pappendeckel, weilgedämpftes Holz leichter schleifbar ist und längere, also verfilzungsfähigere Fasern liefert.Da jedoch das Bleichen des Holzstoffes behufs Anfertigung rein weißen Papieres nichtmöglich ist, hat man zur Cellulose gegriffen und auf chemischem Wege ein Materialgeschaffen, das denselben Gebrauchswert wie die aus Leinen verfertigte Cellulose besitzt.Die Herstellung der Cellulose ist im Kapitel über die Papierfabrikation beschrieben,daher wir uns hier auf die Mitteilung beschränken, daß man Cellulose durch Befreiungder Holzfaser von den inkrustierenden Substanzen gewinnt, und zwar durch Behand-lung mit Mineralsäuren, durch ätzende Alkalien oder Sulfid- beziehungsweise Sulfit-verbindungen.
Durch die Anwendung der Cellulose ist das Papier heute iu vorzüglicher Güte undzu einem Preise zu haben, der gegen den früher gezahlten in gar keinem Verhältnisse steht;auf diese Weise ist das Holz indirekt zu einem wichtigen Fvrderungsufittel der Kulturgeworden, wenn man als Maßstab für die Intelligenz eines Volkes den jährlichenPapierverbrauch annimmt.
Schließlich sei noch erwähnt, daß auch Terpentin, Harz- und Gerbstoffe aus Holz,beziehungsweise Holzrinde gewonnen werden. Näheres hierüber in Band VII.
Spezieller TeU.
Die wichtigsten Zweige der Kolzverarbeilung, Industrien des Kolzcs.
Die hervorragende Stellung des Holzes im Gewerbe und iu der Industrie habenwir in der Einleitung zum allgemeinen Teile ausreichend gewürdigt.
Lange Zeit war die Verarbeitung des Holzes auf verhältnismäßig wenige Zweigebeschränkt; mit dem zunehmenden Bedürfe an Gebrauchsartikeln und der damit Hand inHand gehenden Verfeinerung und vielseitigeren Gestaltung der Produkte, sowie zur Be-friedigung stets neuer Bedürfnisse, dann durch zahlreiche Erfindungen ist, lvie auf allenGebieten, auch hier infolge der gesteigerten Anforderungen allmählich eine immer weiter-gehende Teilung des Arbeitsgebietes eingetreten, so daß wir heute eine große Anzahlvon Betriebsstätten verschiedenartigster Richtung mit den mannigfaltigsten Erzeugnissenzählen. Die Spezialisierung, d. h. die Beschränkung der Produktion auf bestimmte, oftnur einen einzigen Artikel, unter Zugrundelegung der massenhaften Herstellung solcherArbeiten, ist außerordentlich weit gediehen und macht noch immer Fortschritte; der Speziälistist nicht nur in der Lage, billigere Preise zu bieten, sondern auch den weitestgchendeuAnforderungen zu genügen.
Dieser gewaltige Umschwung ist zum großen Teile auf die Einbürgerung der maschi-nellen Produktionsweise zurückzuführen, die iu relativ kurzer Zeit ungeahnte Dimensionenangenommen hat, obwohl sie noch einer bedeutenderen Entwickelung fähig ist. Währendin früheren Zeiten die Halbprodukte, als: Bretter, Fourniere, Kehlleistcn n. a. in jedereinzelnen Werkstätte mühevoll mittels harter Handarbeit und wenig leistungsfähigen Bor-richtungen gewonnen werden mußten, erlangt man dieselben mit Hilfe der hochentwickeltenmaschinellen Behelfe heute, man möchte beinahe sagen, spielend leicht, und noch dazu in