160
Die Papierfabrikation.
Schreib- und Druck-, Kanzlei- und Zeitungspapier u.s.w., es wandert am Ende seinernormalmäßigen Laufbahn entweder in den Verkaufsladen, oder es wird im Haushalteals Packpapier verwendet. Außerdem wird aber noch ein spezielles Packpapier hergestellt,das den hierbei zu stellenden Anforderungen in besonders vollkommener Weise zu ent-sprechen hat. Es soll vor allem fest, elastisch, gut und ohne zu brechen haltbar und meistauch zum Schreiben geeignet sein; es muß daher aus langen, festen Fasern hergestellt werden.
Als Rohmaterial wurde früher hauptsächlich Manilahanf und Inte verwendet, währendman jetzt Brannholzschliff und Hvlzsulfitstoff in großen Mengen verarbeitet.
Hierher gehört auch das namentlich zum Verpacken von Stahlgegenständen ver-wendete Tcerpapier — Gondronne genannt. Dasselbe wird aus geteerten Schiffs-tauen erzeugt, die zerschnitten und mit Sack- und Hadernstoffen vermengt, mit Ätznatrongekocht und im Holländer zerkleinert werden, wo noch Teer zugesetzt wird.
Das geleimte Zeug läuft dann auf die sehr breite Papiermaschine und zwar beigrobem Papier ohne einen Knotenfang zu passieren. Schließlich wird das Papier geglättet.
Von den nach ihren Eigenschaften benannten Papieren sind insbesondere zu erwähnen:
Das leuchtende Papier. Das Leuchten, besser gesagt, Phosphoreszieren desPapiers ist kein Beleuchten, es kann dadurch nicht etwa ein Raum oder ein Gegenstandin größerer Entfernung beleuchtet werden, es handelt sich dabei mehr um ein Selbst-beleuchten in der Weise, daß die Fläche eines solchen Papierblattes im Dunkeln mattbeleuchtet erscheint und beruht auf der Eigenschaft gewisser Körper, Licht zu absorbierenund dasselbe sodann wieder ausströmen zu lassen. Ein solcher Körper leuchtet dahernur dann, wenn er vorher eine genügend lange Zeit hindurch den Sonnenstrahlen un-mittelbar ausgesetzt wurde.
Die Lcnchtmasse, mit welcher diese Papiere leuchtend gemacht werden, besteht ent-weder aus fein gepulvertem Schwefelcalcinm oder Schwefelbaryum, welches mit Wasserund Hausenblasc zu einem zähen Brei gemischt wird, oder aus Schwefelcalcinm, doppel-chromsaurem Kali und Gelatine, welche Stoffe ebenfalls fein zerrieben mit Wassergemischt werden. Diese dickflüssigen Stoffe werden mit einem Pinsel oder einer Bürsteauf die Fläche des Papiers gestrichen, und zwar muß dies, um eine sehr gleichmäßigeFläche zu erhalten, in einer großen Anzahl ganz dünner Schichten geschehen, von welchenjede zuerst getrocknet sein muß, bevor die nächste aufgetragen Ivird, und das Papier muß,um die Hansenblase gegen Feuchtigkeit zu schützen, mit chromsanrem Kali überstrichenwerden. Zum Schlüsse folgt ein Glätten mit einem Achatsteine, um ein dichtes Schließenan der Oberfläche zu erreichen. In anderen Fällen läßt man das Papier mit dem Anstrichdurch einen Kalander lausen, um eine gleichmäßig dicke Schichte zu erhalten. Meist wirdjapanesisches oder Kopierpapier verwendet.
Eine Schrift, oder ein Zeichen kann dadurch im Dunkeln leuchtend gemacht werden,daß man das Papier mit einer Leinilösung in gewünschter Form bedruckt und daraufSchwefelcalciumpulver streut.
Wenn das Papier zehn Stunden dem direkten Sonnenlichte ausgesetzt wird, leuchtetes bis zu dreißig Stunden nach; es werden namentlich Uhrzifferblätter in dieser Weisebehandelt, um im Dunkeln die Zeit erkennen zu können.
Das feuerfeste Papier. Eine größere Anzahl dicht aufeinander gelegter Papier-blätter verbrennt nur sehr schwer und erhält sich oft, mitten ins Feuer geworfen, ziemlichlange intakt; hauptsächlich deshalb, weil Flamme und Luft zu den inneren Partien einessolchen Packes keinen Zutritt finden. In manchen Fällen will man aber auch einzelneBlätter gegen hohe Temperatur widerstandsfähig erhalten; es kann dies für wichtigeDokumente, für Tapeten, für Theaterdekorationsstücke wünschenswert erscheinen. SolcbcPapiere müssen anS einem Zeug hergestellt werden, dem Asbest beigemengt ist. Eskann auch hier nach verschiedenem Rezept vorgegangen werden, meist aber besteht dasPapier aus einer Mischung von Asbest und Papierzcng, das zuerst mit Kali- oderNatronwasserglas und dann erst mit animalischem Leim geleimt Ivird: es folgt mancbmalauch noch Harzleimnng. Das Wasserglas sorgt hier vermutlich für einen festen Zusammen-hang der Fasern im Feuer.