Die wichtigsten Papiersorten. 163
auch Stroh- und Holzzellstvff beigemengt. Um lange Fasern zn erhalten, müssen dieHolländermesser stumpf sein.
Die zur Herstellung dieses Papiers benutzten Maschinen sind entweder Cylinder-oder Langsiebmaschinen; bei letzteren liegt die Hanptschwierigkeit in der Überführung derPapierbahn von der Gantschwalze znm ersten Naßfilz, weil das schwache Papier sehrleicht reißt. Das Papier wird znm Schluß stark geglättet; es wird im Stoffe gefärbtfür die Blnmenfabrikation und auch mit farbigen Streifen versehen hergestellt.
Von den nach dem Rohmaterial benannten Papieren sind nicht viele zn erwähnen, dadie meisten besseren Papiere aus einem Papierzeug hergestellt werden, das aus mehrerenStoffen gemischt ist, zumeist aus Flachs und Baumwolle. Die meisten nach den Roh-stoffen benannten Papiere sind mindere, gewöhnlich Packpapiere; es werden aber ansden betreffenden Stoffen auch Schreibpapiere gemacht.
Das Adansoniapapier ist aus dem Bast des Affenbrotbaumes hergestellt, dernamentlich in Westafrika und in Abessinien gedeiht. Nach Entfernung der Rinde wirdder Bast in Streifen von 1—1f/z in Länge abgeschält, wobei man aber nur bis znhöchstens 2 am Tiefe gehen darf, die vom Baume durch Nachwuchs in etwa zwei Jahrenwieder ersetzt wird. Diese Baststreifen werden an der Sonne getrocknet und dann andie Handelsfaktoreien versendet.
Dieselben werden in der Fabrik durch einen Tanenschneider in kleine Stücke ge-schnitten und mit Ätznatron unter Mitwirkung von Dampf zehn Stunden lang gekocht;die so erhaltene ausgeweichte Fasermasse sodann im Holländer zerfasert, wobei dasWaschen eine große Rolle spielt, weil die im Bast befindlichen, von den Markstrahlenherrührenden Markstückchen den Stoff stark verunreinigen und der Pflanzenschleim dieWaschtrommelüberzüge leicht verstopft. Nach dem Bleichen wird der Stoff namentlich zufesten Packpapieren verarbeitet.
Das Schilfrvhrpapier. Das im südlichen Nordamerika in ungeheuren -Quanti-täten wachsende Schilfrohr wird zu Packpapier verarbeitet. Dasselbe wird mit Sichelngeschnitten und auf Bahnen in die nahe gelegene Fabrik befördert.
Der Kochprozeß, der hier zur Anwendung kommt, ist insofern ein ganz außer-gewöhnlicher, als die Kocher die Gestalt langer, Wagerecht angeordneter starker Cylindervon etwa 30 om innerem Durchmesser haben und daher den Kanonen auch deshalbgleichen, weil das bearbeitete Rohmaterial ans denselben herausgeschossen wird. DieKanone wird durch Abnehmen des Hinteren Teckels mit Schilfbündeln geladen, dann ge-schloffen, hierauf Dampf von 11 Atmosphären Spannung ein- und zwölf Minuten wirkengelassen. Sobald nun der vordere Deckel durch eine Vorrichtung Plötzlich abgeworfenwird, wird durch den Druck des Dampfes die ganze Masse mit einem heftigen Knall gegeneine Scheibe geschossen, wobei durch den hoch gespannten, in den Poren befindlichenDampf eine starke Zerfaserung eintritt. Die Blasse kann direkt verarbeitet werden, wirdaber auch gewaschen, gepreßt, getrocknet und verpackt an Papierfabriken verkauft.
Das Strohpapier. Ans Stroh gefertigtes Papier soll schon im Jahre 1756in Deutschland hergestellt worden sein; wahrscheinlich ist es dann für längere Zeit ver-schwunden und in diesem Jahrhundert, znr Zeit der Suche nach Snrrogatstoffen wiederzur Aufnahme gekommen. Man versuchte damals aus Stroh — nicht Strohzcllstoff —auch bessere Papiere zu erzeugen, hat dies jedoch aufgegeben und verwendet Stroh nurnoch znr Erzeugung von Packpapier. Das Stroh wird behufs Vorbereitung mit einerKalklösung — Kalkmilch — mehrere Tage in gemauerten Gruben eingeweicht, dann derLuft ausgesetzt und hierauf in Vorrichtungen, die man Kollermühlen nennt und vonwelchen eine in Abb. 124 dargestellt ist, zerquetscht. Das Stroh wird nämlich in einenschalenartigen Behälter aus Gußeisen eingetragen, in welcher Schale zwei schwere, mühl-steinartige sogenannte Laufsteine so angeordnet sind, daß dieselben, von einer senkrechtenWelle aus in Bewegung gesetzt, in der Schale hernmrollcn und durch ihr Gewicht dasdarunter liegende Stroh zermalmen. Zum Vermengen und Umwenden des zerquetschtenStrohs sind außerdem schaufelartige Werkzeuge an der Welle befestigt, die sich mit-bewegen.