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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Tie Herstellung der Pappe.

Das Wort „Pappe" wird Wohl daher kommen, daß die ursprünglich hergestelltenPappen durch Anfcinandcrklcbcn, Znsammenpappen mehrerer Papicrbogen erzeugt wurden,so wie hcutigestags die sogenannten Kartons, d. h. die feineren s dünneren Pappenfabriziert werden. Bei den meisten dickeren, weniger seinen Pappen wird jetzt eine andereHerstellungswcisc in Anwendung gebracht. Ta die Pappe nichts anderes, als ein dickesPapier ist, so wird klar sein, daß man dieselben gerade so fabrizieren kann, wie dasPapier; man braucht ja bloß auf dem Handsieb oder auf der Siebform der Maschineeine dickere Fascrschicht zu bilden, diese allmählich zu entwässern und die Fasern dadurchund durch das darauf folgende Trocknen in guten festen Zusammenhang zu bringen, unddie Pappe ist fertig. Ta aber die Entwässerung und Trocknung so dicker Papierschichtenund die entsprechende Verbindung der Fasern mit Schwierigkeiten zu kämpfen hat, daferner der weitaus geringere Wert der Pappe gegenüber dem Papier eine thunlichsteVereinfachung der Prozesse erfordert, da endlich auch andere Methoden zur Herstellungder Pappe in Anwendung stehen, so erfordert diese doch eine besondere Behandlung undein eigenes Kapitel.

Die Rohmaterialien der Pappefabrikation sind eigentlich die gleichen wie beimPapier, nur in der Qualität gewöhnlich geringer und zwar mit Recht, da ein großerTeil der Fasern in das Innere der dicken Tafeln kommt, daher außen nicht sichtbar istund auf das Aussehen der Pappe keinen Einfluß zu üben vermag; ja die Qualität selbstder außen liegenden Fasern kann eine geringere sein, wenn die Pappe mit Papier beklebtwird, während bei den weißen Papieren das Äußere die Hauptrolle spielt. Es ist dahervor allem klar, daß weiße, feine Leinenhadern für Pappe nicht verwendet werden könnenund daß bei der Auswahl der Rohmaterialien die verlangten Festigkcitseigenschaftcn derPappe ausschlaggebend find; für festere Pappen müssen aber längere Fasern, wie vonTauen, Stricken, Säcken n. s. w. gewählt werden. Als Rohmaterialien sind namentlich,zu nennen alle Papiere und Pappabsälle, wie Zcitnngspapier, Papier von Straßcn-anschlägen, herabgelassene Tapeten, Hadern aus Jute, Kattun, Baumwolle, Seide, Pack-leinwand n. s. w. Dieselben müssen gut sortiert in einem Hadernschneider klein geschnittenwerden, worauf sie oft ohne vorher ein Stäuben und Kochen durchzumachen, d. h. ohnejedwede Reinigung zur Zerfasernng in den Halbstoffholländer kommen, wo allerdings eineReinigung ohnehin herbeigeführt wird.

Aus der so erhaltenen Fasermasse als Rohmaterial kann man nach den verschiedenenMethoden durch Handarbeit oder auch durch Maschinen Pappe herstellen. Einmal indemman mit der Form, wie beim Papier, aber dickere Bogen aus der Masse schöpft, oderdiese dicker auf die Siebform einer Maschine laufen läßt; dann wenn man Bogen vonder Ticke gewöhnlichen Papiers schöpft, diese noch ganz nassen Bogen aufeinanderlegt unddurch Pressen zu einem Bogen verbindet, oder schließlich, indem man mehrere Bogenfertigen Papiers übereinander klebt.

Die Herstellung der geschöpften oder geformten Pappe. Bei der Her-stellung der Pappe nach dieser, d. h. der ersten der oben erwähnten Methoden werdendieselben Arbeiten zur Ausführung gebracht, die wir beim Schöpfen des Papiers mit derHand kennen gelernt haben. Der Unterschied liegt, wie man denken wird, hauptsächlichin den Mitteln, durch welche es möglich wird, statt einer dünnen eine dicke Faserschichtauf der Form zu erhalten. Diese Mittel bestehen einmal darin, daß man die Massenicht so stark verdünnt, wie beim Papier, sondern dieselbe dickflüssig läßt, und dann darin,daß die Höhe des Formdeckels größer genommen wird. Durch beide Mittel wird beijedem Schöpsen eine größere Masse Papierzeug auf der Form gesammelt, daher dieBogen dicker werden.

Da die Fasern viel weniger zerkleinert sind, als beim Papier, kann das Formsiebviel gröber genommen werden. Dem Zeug ist oft eine bedeutende Menge Füllstoff, na-mentlich Kreide beigemengt.

Tie so erhaltenen Bogen, bei welchen die Entwässerung wegen der größeren DickeSchwierigkeiten bereitet, werden wie das Papier gegautscht, sodann mit steigendem Druckgepreßt, um nicht ein Zerquetschen der noch weichen Tafeln herbeizuführen, und schließlich