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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Die Papierfabrikation.

heutzutage der Fall ist. In dem schon einmal erwähnten Buche: „Kunst und Werkschule"aus dem Jahre 1696 findet sich eine vollkommene Anleitung znm Marmorieren. Umbei der Herstellung der marmorierten Papiere eine mannigfaltige Anordnung der Farbenauf der erwähnten Fläche, auf welche sie aufgesprenkelt werden, zu erreichen, wird dieseFläche so hergestellt, daß auf derselben ein leichtes Verschieben, ein Fließen der Farbeneintritt. Sie wird aus einer Flüssigkeit erzeugt, welche ein höheres spezifisches Gewichthat als die Farben; so daß diese letzteren auf der Oberfläche schwimmen und nicht hinabsinken.Die hierzu meist verwendete Flüssigkeit, die sich bei der Arbeit in einem Blechkasten, demMarmorierkasten befindet, besteht entweder aus einer dicklichen Abkochung von Carragheen-moos, auch irländischer Knorpeltang genannt, dem, um ein schnelles Zersetzen zu verhindern,etwas Alaun oder Salicylsäure beigemengt wird, oder aus einer Lösung von Tragant-gummi. Beide Flüssigkeiten besitzen die Eigenschaft, daß mit Ochseugalle gemischte Farbenauf ihrer Oberfläche leicht schwimmen und sich ausbreiten, d. h. treiben, wie der Fachaus-druck lautet.

Die Arbeit wird nun in der Weise durchgeführt, daß die Farben mit einem Pinselauf die Oberfläche der Flüssigkeit, auf den sogenannten Grund gesprengt werden, wo siesich ausbreiten, ohne ineinander zu verschwimmen; es bildet sich der Farbenteppich. Legtman nun ein Blatt Papier vorsichtig auf diese Farbenschicht und zwar so, daß keine Luft-blasen entstehen, so bleiben beim Abziehen des Papiers die Farben daran haften, währenddie ebenfalls mitgenommene Grundflüssigkeit abläuft.

Man kann nun die auf diese Weise erhaltene Musterung variieren. Taucht mannämlich einen aus Stahlnadeln hergestellten Kamm in die Farbschicht und zieht denselbenin beliebig geschwungenen oder geraden Linien über die Grundfläche, so folgen die Farbenden Nadeln und lassen die verschiedensten mnsterähnlichen Gebilde auf dem Grunde ent-stehen — Kammmarmor, Federmarmor. Sprengt man auf den schon hergestelltenFarbenteppich verdünnte Ochscngalle oder eine Lösung von venezianischer Seife, so treibendiese Flüssigkeiten die Farben zusammen, bilden zwischen denselben «derartige Gassen, durchwelche der Grund hindurchscheint und die auf dem Papier dann farblos erscheinen —Spinnmarmor, Adermarmor. Der Farbenteppich auf dem Grunde kaun aber auch inder Weise erzeugt werden, daß die Farben nicht regellos auf den Grund gesprengt,sondern in bestimmter Anordnung mit Hilfe von Holzstiftcn aufgetragen werden, vonwelchen jeder zweite in eine andere Farbe getaucht und auf den Grund übertragen wird.Es ergibt sich in diesem Falle ein Farbenteppich, in dem in regelmäßiger Abwechselungdieselbe Farbe wiederkehrt: die so erzeugten mustcrartigen Gebilde werden als Egge-marmor bezeichnet, weil die Farben wie die Stifte einer Egge verteilt sind.

Die Musterung kann aber auch durch die Art und Weise des Abziehens des PapierSmannigfaltiger gestaltet werden, je nachdem das Papier beim Abziehen bloß vorsichtigabgerollt oder nach der einen oder anderen Richtung gezogen oder gedreht wird.

Die Marmorierung läßt sich aber auch in der Weise durchführen, daß ein BlattPapier mit verschiedenen Farben besprengt, ein zweiter Bogen auf die so behandelteFläche des ersten Bogens aufgelegt, angedrückt und wieder abgezogen wird, wobei wiederdurch die Art des Abziehens rundliche oder längliche Musterungen erreicht werden können.Diese Methode wird namentlich bei den einfarbigen Marmorpapieren verwendet.

Solche Papiere werden auch durch mechanische Vorrichtungen ganz selbstthätig her-gestellt, welch letztere aber so kompliziert in ihrer Konstruktion sind, daß sie bisher nursehr wenig Anwendung fanden.

Eine ähnliche Gattung von Buntpapieren, die aber nicht mehr als marmoriert,sondern bloß als gesprenkelt bezeichnet werden, sind in der Weise hergestellt, daß manungefärbtes oder schon grundiertes Papier mit verschiedenen Farben besprengt und gleichdarauf zum Trocknen bringt. Will man dabei eine sehr feine Verteilung der Farben er-reichen, so sprengt man nicht unmittelbar mit dem Pinsel auf das Papier, sondern hältüber dasselbe ein im Rahmen geschlossenes, engmaschiges Mctalldrahtgitter und reibt mitdem Pinsel auf demselben hin und her, wodurch die Farbe durch das Gitter hindurch inganz feinen Tropfen auf das Papier fällt.