Die Herstellung des Buntpapiers. 209
Zur Durchführung dieser Methode sind mehrere mechanische Vorrichtungen in An-wendung, so in einem gußeisernen Gestell mehrere übereinander angeordnete Bürsten-walzen, von welchen jede in ein Farbegefäß eintaucht. Während nun das Papier in end-loser Bahn vor dem Gestell langsam nach aufwärts bewegt wird, sprengen die schnellrotierenden Bürstenwalzen jede ihre Farbe aus dasselbe auf. Eine von F. Flinsch gebaute,namentlich zum Besprengen schon grundierten Papiers dienende Maschine ist in Abb. 162ersichtlich.
Sie besteht aus einer schon beim Färben des Buntpapiers besprochenen Grnndier-maschine L, der das Papier, von der Rolle ^ aus sich abwickelnd, zuläuft; nachdem das-selbe die Verschlichtbürsten der Maschine passiert hat, geht es, in wagerechter Ebene aus-gespannt, unter den zwei Sprengapparaten 6 und I) über Rollen L ? laufend hindurchund kommt endlich über die Trockenplatte 0, über welcher dasselbe durch die Stäbchen IIgetragen wird.
Da die Platte 6l hohl hergestellt und mit Dampf geheizt ist, gelangt das Papier,mir so viel vorgetrocknet, das; die Farbe nicht herablänft, in den schon in Abb. 152 dar-gestellten Trockenapparat. Bewegt wird das Papier während des ganzen Prozesses durch
162. Förde- und Sprengmaschinr.
die sogenannte pneumatische Walze ck, aus deren Innern die Luft abgesaugt wird, was zurFolge hat, daß das Papier durch den äußeren Luftdruck an die Walze angepreßt, mitderselben gewissermaßen verbunden und durch die Drehung derselben mitgenommen wird.
Alle diese marmorierten oder gesprenkelten Papiere werden dem Glätt- oder Glanz-Prozesse ebenso unterworfen, wie die schlichten und bedruckten Buntpapiere.
Die Herstellung der Buntpapiere durch Kristallisation. Auch durch dieseMethode, die etwa 1840 von Kuhlmann in Lille erfunden wurde, werden nur muster-ähnliche Gebilde zur Anschauung gebracht. Sie besteht darin, daß man das naturfarbigeoder gefärbte Papier mit einer warmen Salzlösung überzieht, in welcher das Salz beimAbkühlen kristallisiert und die Fläche mit den bekannten Kristallisationsfiguren bedeckt.Es wird hierzu oft eine im erhitzten Zustande gesättigte Lösung von Bleizucker mit Leim,Gummi, Dextrin oder eine Lösung von Bittersalz in Wasser und Dextringummischleimmit etwas Glycerin oder ferner kieselsaures Kali, Chlorbarium, Eiseusulsur, salpeter-saures Kali in Lösung mit Schwefelknpser, essigsaurem Baryt u. s. w. verwendet. Dieersterwähnte Bleizuckerlösung gibt zwar eine sehr schöne Kristallisation, ist aber giftig.Die Kristallisation beginnt an mehreren Punkten gleichzeitig, die man durch Berührender Salzschicht mit einem Stäbchen vermehren kann. An jedem Berührungspunkte bildetsich ein Kristallisationszentrum, von dem aus die Kristallisation radial fortschreitet, bissich die einzelnen Gebiete berühren.
Mau kann diese Kristallisationsmuster durch farbigen Druck auf das Papier über-tragen, wenn man die Salzschicht aus eine Stahlplatte gießt, hier kristallisieren läßt,
Buch der Erfind. VHI. 27