210 2^ Papierfabrikation.
dann eine weiche Kupfer- oder Bleiplatte aufpreßt, in welcher sich die Kristallformen ver-tieft eindrücken und mittels welcher nun direkt gedruckt oder erst auf galvanoplastischemWege eine die Muster erhöht zeigende Knpferplatte hergestellt werden kann. Auch aufMetallwalzen können diese Muster übertragen werden.
Zur Herstellung farbig gestreifter Buntpapiere, wie sie für Plakat-,Zichorien- und Kaffeepapicre verwendet werden, zur Herstellung von Papier mit denLandesfarben, den Rcgenbogenfarben n. s. w., die ebenfalls als gemustert angesehen werdenkönnen, wird die Streifenziehmaschine von F. Flinsch angewendet. Dieselbe zeigt eingußeisernes Gestell, in das die Papierrolle vorn eingelegt wird, von der das Papier überFührnngswalzen unter einem trichterförmigen Farbengefaß, in dem sich in entsprechendbreiten Abteilungen die gewünschten Farben befinden, fortgezogen wird, wobei die Farbennebeneinander liegende Farbenstreifen bilden. Sollen die Farbenstreifen ineinander über-gehen, so läuft das Papier, nachdem es den Farbtrichter passiert hat, unter feststehendenBürsten weg. Bei größeren Maschinen wird das Papier ebenfalls von einer pneumati-schen Walze bewegt und geht direkt in einen der schon öfter erwähnten Trockenapparate.
Die Buntpapiersorten. Der Bnntpapiersorten gibt es so viele, daß mit dereingehenden Besprechung der Herstellungsweisen derselben Bücher gefüllt werden könnten,die die Geduld unserer Leser wohl in ungebührlicher Weise in Anspruch nehmen würden.Darum seien hier nur die wichtigsten und gebräuchlichsten kurz besprochen. Ihre Be-nennung erhalten die Buntpapiere wie die anderen Papiere nach den Materialien, welchezu ihrer Herstellung verwendet werden, nach der Ähnlichkeit mit anderen Gegenständenund Produkten, nach der Art ihrer Herstellung, nach besonders hervortretenden Eigen-schaften, manchmal auch nach dem Namen des Erfinders der Herstellungsmcthvde.
Die Mctallpapierc. Zu denselben gehören namentlich die so häufig verwendetenGold-, Silber- und Knpserpapiere. Dieselben können nach drei Methoden fabriziertwerden, nämlich durch Belegen mit Blättchcn von echtem oder unechtem Metall, durch Auf-streichen einer Bronzcfarbe, durch Herstellung aus galvanischem Wege, durch Aufstreuen vonBronzepulvcrn.
Nach der ersten Methode wird das gut geleimte Goldpapier zuerst mit einer Mischungvon Ocker oder Bolus mit Zinnober, das Silberpapier mit Zinkweiß in einer Leimlösungbestriche», nach dem Trocknen durch Abreiben mit Schachtelhalm oder in einem Kalander ge-glättet; hierauf mit dünnem mit Glhcerin versetzten Leimwasser überstrichen und auf dieseklebrige Fläche das Schlaggold oder Schlagsilber in seinen Blättchcn so aufgetragen, daß dieganze Fläche vollkommen bedeckt ist, worauf ein nochmaliges Glätten mit dem Reibzahn oderim Kalander folgt. Die unechten Blättchcn bestehen bei Goldpapicr aus Blattmessing, beiSilberpapier aus Blattzinn. Auf galvanischem Wege wird das Metallpapier nach einer derverschiedenen Methoden so hergestellt, daß auf einer sein polierten Messing-, Nickel- odervernickelten Metallplatte ein galvanischer Niederschlag von Kupfer oder Nickel gebildet, undauf die so hergestellte dünne Metallschicht das mit einer Mischung von Stärkckleister undtierischem Leim bestrichcne Papier aufgeklebt, sodann samt der Metallschicht abgezogen undder so mit dem Papiere verbundene Niederschlag im trockenen Zustande, je nach der Ver-goldung oder Versilberung, mit einem Gemisch von Gold- beziehungsweise Silbercyanat undkohlensaurem Kali abgerieben wird. Das Kupfer- und Nickelpapier bleibt unverändert. Damitdie galvanisch gewonnene Metallschicht sicher auf das Papier übergehe, wird die Metallplatte,auf welcher der galvanische Niederschlag gebildet werden soll, mit einer Isolierschicht, bestehendaus Mehrfachschweselalkali und 1"/^ Spiritus überzogen, dann mit Wasser gewaschen und indas Metallbad gehängt.
Echtes Gold- oder Silberpapier kann auf diesem Wege dadurch hergestellt werden, daßman eine polierte Metallplatte mit Fett oder Öl überzieht, und dieses in eine auf 60" 6.erwärmte Mischung von Wasser, dem gewünschten Edelmetall, Cyankalium und doppelt-kohlensaurem Kali eintaucht. Der Mischung muß vorher so viel Salzsäure zugesetzt werden,bis keine Trübung entsteht. Es bildet sich nun auf der Platte ein dünner Überzug des be-treffenden Edelmetalls, welcher nach dem Trocknen durch Auskleben des Papiers auf dieMetallschicht und Abziehen desselben aus das Papier übertragen werden kann.
Die Herstellung der Metallpapiere durch Bestreichen mit Bronzcfarbe ist der Herstellungder schlichten Buntpapiere ganz ähnlich. Durch Bestreuen mit Bronzepulvern können diesePapiere dadurch hergestellt werden, daß die ganze Fläckie derselben mit einer klebrigenFlüssigkeit bestrichen und dann mit Bronzepulver bestreut wird (s. S. 207, Abb. 161).
Die lasierten Gold- und Silberpapiere sind solche Metallpapiere, die das Metalldurch den aufgetragenen Lack oder die Lasnriarben hindurchschimmern lassen, es werden dazudie verschiedensten Lacke und Lasurfarben verwendet.