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Die Tapetensabrikatioii.
oft erst nachträglich hinzugefügt, erfolgt dann aber mittels des nuten noch näher zu be-schreibenden Handverfahrens. Besondere Vorkehrungen werden ferner noch nötig, wenndie Tapeten einen Überzug von Glanzlack oder Wasserglas erhalten sollen, denn dieserkann niemals mit der Druckmaschine hergestellt werden. Man bedient sich dafür dreiseitigprismatischer Kästen, die mit völlig Wasserhellem und durchsichtigem Kopal - oder Spritlackbezw. mit Wasserglas gefüllt werden. Durch einen feinen Schlitz kann der Lack ander Unterseite ausfliesten und gelangt so in völlig gleichmäßigem Fluß auf die Tapete,die mittels einer kleinen maschinellen Vorrichtung mit konstanter Geschwindigkeit unterdem Apparat hindurchgezogen wird. Das Lackieren der Tapeten erfordert viele Vorsicht,weil einesteils ein durchaus staubfreier Raum dafür gewählt werden muß und weil an-derenteils die Tapeten erst sehr gründlich wieder getrocknet sein müssen, ehe sie von neuemausgerollt werden dürfen. Solche lackierte oder mit Wasserglas bestrichene Tapeten habenden in hygieinischer Beziehung bedeutsamen Vorzug, daß sie abgewaschen und daher vielbesser rein gehalten werden können.
Nach demselben Prinzip wie die Lackkasten, konstruiert man auch die sogenanntenStreifenziehapparate, die znr Herstellung solcher Tapeten dienen, deren Muster nur in derLänge nach verlaufenden Streifen besteht. Der, wie soeben beschrieben, prismatisch ge-staltete Farbenkasten hat im Innern einfach ebenso viele Abteilungen, wie die TapeteFarben enthalten soll. Man kann den Apparat auch so einrichten, daß zwischen den Tönenschmale Zwischenräume verbleiben, über die man, während die Farben noch feucht sind,Verwaschbürsten führt, so daß sie ineinander verlaufen. Hierdurch entsteht der sogenannteJrisdruck, der den Tapeten ein eigenartiges Ansehen verleiht und oft auch als Fond fürandere, später aufzudruckende Dessins verwandt wird.
Wenn schon diese vielseitigen maschinellen Einrichtungen einer Tapetenfabrik die zu-nehmend größere Vervollkommnung des Betriebes in Helles Licht stellen, so wird es da-durch doch nie gelingen, das Verfahren des Handdrucks entbehrlich zu machen. Denn trotzaller Vorzüge, die ihre schönen und reichen Muster ausweisen mögen, wird die Maschinen-tapete als Massenproduktionsartikel dauernd im Gegensatz bleiben zu den Forderungen,denen der Handbetrieb gerecht werden kann, wenn es sich um sorgsamere Ausführungenund um Dessins handelt, bei denen notwendigerweise viele Farben ganz auseinanderfalten,oder wo es gilt, gewisse Effekte zu erreichen, bei denen die Preisfrage der Herstellungnicht ausschlaggebend ins Gewicht fällt. Auch heutzutage kann deshalb, wie schon gesagt,eine Tapetenfabrik den Handbetrieb keineswegs ganz entbehren, und derselbe gewinnt sogaran Bedeutung, je mehr es sich um die Beschaffung der teueren Tapetensorten handelt.
Die für Handdruck eingerichteten Räume werden gewöhnlich in einem besonderenFlügel der Fabrik liegen, und. wir betreten auch hier wieder zunächst den Grnndiersaal.Hier steht möglichst hell, gewöhnlich an der Fensterwand, der etwa 10 m langeGrundiertisch, der von drei Arbeitern bedient werden muß, zwei derselben rollen dasTapctenstück ab und befestigen die Enden desselben in den sogenannten Klemmladen, derdritte taucht eine ca. 50 cm lange Bürste in den Farbenkasten und muß so viel Farbeaufnehmen, wie das ganze Stück Tapete erfordert. Nachdem er die Bürste darüber hin-geführt hat, läßt er sie mit sägeartiger Bewegung wieder zurückgleiten, worauf die beidenanderen Arbeiter mit kleineren Verteilungsbürsten folgen. Dann schieben die letzteren je2 m von jedem Ende der Bahn einen Stab unter das Papier und heben das fertiggrundierte Stück mittels der sogenannten Krücke aus das unter der Decke des Raumesbefindliche Trockengerüst, während der dritte Arbeiter schon wieder ein neues Stück zumGrundieren ausbreitet. Auf solche Art werden z. B. noch jetzt alle besseren Unitapetenhergestellt, besonders wo es sich um bestimmte Farbennuancen handelt, die oft nur für eineinzelnes Zimmer anzufertigen sind.
Soll dem Fond noch ein Muster hinzugefügt werden, so gelangen die nach demTrocknen wieder aufgewickelten Rollen in den Raum, wo die Handdrucktische aufgestelltsind. Ebenso wie für das Grundieren entspricht auch hier die Einrichtung völlig demVerfahren, wie es schon im vorigen Jahrhundert geübt wurde. Unsere Abb. 153 zeigtden Drncktisch, über den die Tapete durch Abrollen mit der Hand hinweg geführt wird.