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Herstellung der Papiertapeten durch Handdruck
Das Drucken geschieht mittels der Formen, die aus drei zusammengeleimten Holzbretternbestehen und 50—60 cm lang und breit zu sein Pflegen. Für das obere Brett wirdBirnbanmholz genommen, und in dieses ist das Dessin hineingeschnitten, entweder so, daß eserhaben stehen bleibt, Druck sn konos, oder so, daß der Grund erhaben und das Dessinvertieft erscheint, Druck sn okairs. Dünne Linien, kleine Ornamente und Sterne werdenauch hier aus Messingblech und Draht eingeschlagen. Damit der Model jedesmal aufdie richtige Stelle gesetzt werden kann, versieht man ihn jederscits mit sogenanntenRapport- oder Paßstiften, die beim Druck immer den genauen Zusammenhang desMusters herstellen müssen. Rückseitig ist der Model mit einem Handgriff versehen,und in diesen faßt der Trucker, um ihn auf das gleichmäßig mit Farbe bestrichene Druck-tuch zu legen. Dann wird er mittels der Paßstifte auf die richtige Stelle der Tapeteaufgesetzt und mittels des in der Abbildung ersichtlichen Drnckhebels, der je nach der Ein-richtung entweder mit der Hand oder mit dem Fuß angeklemmt wird, fest niedergedrückt. —Daraus muß das Papier vorgeschoben und dieselbe Manipulation wiederholt werden.Es ist erklärlich, daß auf diese Weise im allgemeinen immer nur eine Farbe zur Zeit gedrucktwerden kann, wonach die Tapete getrocknet, wieder gerollt und dann für den nächsten Druckvon neuem in den Drucktisch gebracht werden muß. Trotz des großen Zeitaufwandes, derhierdurch bedingt ist, werden doch noch viele reiche Tapeten ganz in Handdruck hergestellt.Noch häufiger aber muß derselbe zur Vollendung der Maschinendrncktapeten beitragen,indem für viele bessere Sorten die letzten Lichteffekte u. s. w. nachträglich durch Handdruck-formen hinzugefügt werden.
Ein besonderes Verfahren wird bei der Handtapete für den Metalldrnck benötigt.Man benutzt für denselben den Abgang oder das Gekrätze von geschlagenen Gold- oderSilberblättchen, die sogenannte Schawine. Das Muster wird mittels gewöhnlicher Hand-formen mit Firnis vorgedrnckt, und während dieser noch feucht ist, läßt man die Tapetein die Bronziermaschine gelangen, die wir ebenfalls bereits bei der Buntpapierfabrikation(Abb. 161) kennen gelernt haben. Die Tapete tritt bei 1 in den Kasten ein und wirdaus der mit Drahtgewebe umkleideten Trommel 9 mit Gold bestreut, während die Bürsteden überflüssigen Goldstaub abstreicht. Nachdem die Papierbahn dann mittels der Walzein senkrechte Richtung übergeführt ist, bringt der Schläger das weitere lose Gold zumAbfallen. Dann säubern Walzenbürsten endgültig die Tapete, die hiernach bei 13 wiederaus dem Apparat heraustritt. Nach amerikanischem System werden diese Maschinen auchmit Exhaustern ausgerüstet, die das überflüssige Gold zur weiteren Verwendung anden Ausgangspunkt znrückbefördern. Man kann den Apparat auch bei den Maschinen-tapeten benutzen, wo er dann innerhalb des entsprechend verlängerten Trockengerüsteseingebaut wird. Gewöhnlich wird aber beim Maschinendruck flüssige Goldbronze benutzt,die sich in allen Farbennuancen herstellen und in ganz ähnlicher Weise verarbeiten läßt,wie die sonstigen Farben. Anderseits dient für ganz wertvolle Tapeten auch der haupt-sächlich in Paris geübte Estampe-Golddruck. Hierbei wird das Dessin mit Eiweiß vor-gcdruckt, dann wird echtes Blattgold aufgelegt und dieses mit heißen Stempeln sestgeprägt.Der hohe Preis dieser Tapeten rechtfertigt sich, weil die auf solche Art hergestellte Ver-goldung einen anderweit unerreichbaren Glanz und hohe Haltbarkeit besitzt.
Eine noch wichtigere Bedeutung wird das Handdruckverfahren immer behalten, wo essich um die Herstellung von Velourstapetcn (Samttapcten) handelt. Die Velourstechnikwar schon im Mittelalter bekannt, wie durch die in der Weigelschen Sammlung in Leipzig erhaltenen Teigdrucke aus dem 15. Jahrhundert erwiesen wird. Es handelt sich dabeium einen Vordruck mittels stark klebenden Firnisses und um das Aufstäuben von kleinenWollfäden, die haften bleiben und dem Papier eine samtartige Oberfläche verleihen.Je nachdem die ganze Fläche oder nur einzelne Teile des Musters veloutiert werdensollen, wird der Firnis mit dem Grundierverfahren oder mit Paßformen aufgetragen.Hiernach bringt man die Tapete in noch nassem Zustande in den sogenannten mechanischenTambour, einen Kasten, der unterwärts einen kalbledernen Boden besitzt. Nachdem dieWollfäden ausgesiebt sind, wird der Kasten mittels eines dichten Deckels geschloffen.Hierauf läßt man durch einen Kurbelmechanismus eine Reihe unterhalb angebrachter