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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Die Tapetenfabrikntion.

Trommclstäbc gegen den Boden schlagen, wodurch eine andauernd zitternde Bewegunghervorgebracht wird, durch die sich der Wollstaub gleichmäßig und scst verteilt. Tann wirdder überschüssige Teil abgeschüttet und die Tapete wieder herausgenommen. Soll eine inVelours uni hergestellte Tapete noch ein Muster erhalten, so wird sie, ehe sie getrocknetist, aus eine mit Tuch bespannte Holz- oder Marmortasel gebracht. Tas Muster ist ausdickem, geöltem Papier schabloneuartig ausgeschnitten und wird, in einen flachen Holz-rahmen gespannt, auf die frische Tapete gelegt. Hierauf läßt man eine Bürste darübergleiten, die alle BelourSsäden, die sie innerhalb der ausgeschnittenen Qffnnngen erfassenkann, nach einer Seite hin niederlegt. Paßstifte sorgen, wie schon oben beschrieben, auchhier für den genauen Anschluß des Musters, und man nennt eine solche Tapete vsloursä soie. Es gibt kaum etwas Schöneres als diese reichen Wvlldamaste. Je nach dem Lichtwechselt ihr Effekt von jedem Standpunkt aus, und dem Charakter der stofflichen warmenWandbekleidung ist durch sie der edelste Ausdruck gegeben.

Die Herstellung des Wvllstaubes, sowie das Waschen, Bleichen und Färben desselben,erforderte früher eine umfangreiche Thätigkeit innerhalb der Tapetenfabriken selbst. Gegen-wärtig gibt es aber mehrere speziell für diesen Artikel eingerichtete Betriebe, von denen mandie Scherwolle in allen denkbaren Farbcnnuanccn beziehen kann. Die Teppichfabrik vonSchuh L Jnhl in Würzen liefert z. B. auch große Quantitäten derselben nach Paris .Anderseits werden auch Abfälle der Seidcnfabrikation für Velourstapeten benutzt. Alssonstige Besonderheiten dieser Industrie, auf die hier im einzelnen nicht näher eingegangenwerden kann, nennen wir vslours ebeviot aus Ziegenhaare», Velours viriline aus Äalbs-haaren, Velours trappe und Velours uni rispe. Für billigere Tapeten bedient man sich aberlängst nicht mehr ausschließlich wirklicher Wolle, sondern ersetzt dieselbe durch allerlei Surro-gate, unter denen wir z. B. gemahlenes Holz erwähnen, das außerdem noch so viel leichterist als Wolle, daß es zum Ankleben gar nicht des teuren Firnisses, sondern nur einer Gummi-lösung bedarf. Diese Knnstmittel geben der Tapete zwar nie die gleiche Dauer, aber dochzunächst ein Aussehen, das der echten Bclonrstapcto mehr oder weniger ähnelt. Ein ganzneues Verfahren der Nachahmung von Velours bieten die Jngraintapeteu. Für diesewird das Papier aus zwei Schichten hergestellt, deren obere wie bei den Natnrclltapetcnbereits die gewünschte Grundfarbe enthält. In »och feuchtem Zustand bcsiebt man die Flächedann mit feinen Haarschnitzcln, die später ganz mit der Blasse verwachsen erscheinen. SolchesPapier wird für Deutschland in der Fabrik von C. Blnnk Nachfolger in Altona hergestellt,und es kann darauf z. B. der Effekt von velours k soiv durch ein einfaches Druckverfahrenerzeugt werden. Anderseits wird das Jngrainpapicr aber auch für viele andere Tapetengewählt, und es ist seines angenehm warmen Tones halber überaus schnell beliebt geworden.

Ein großes selbständiges Gebiet des Tapetendrncks bildet die Herstellung von Holz-imitntionen. Billige Holztnpcten werden zwar auch mit Walzendruck angefertigt; die Aus-führung läßt dann aber stets viel zu wünschen übrig und leidet besonders an dem Übelstand,daß sich genau dieselbe Maserung in zu kurzen Abständen wiederholt. Nach vielfältigenVersuchen ist es seit etwa zwei Jahrzehnten gelungen, das Holz direkt nach seinem natür-lichen Wuchs abzudrucken. Man bedient sich hierzu einer Bohle, die in ihrer Fläche einemganzen Stück Tapete entspricht, und demnach 0,s ra breit und 8 in lang sein muß. Nach-dem diese Bohle glatt und sauber bearbeitet ist, wird sie mit Säuren so behandelt, daß dieweichen Teile des Holzes zurücktreten. Hiernach kann man sie in der gewünschten Farbemit der Truckwalze einreihen und dann auf der vorher gelblich, bräunlich oder rötlichgrundierten Tapete einen vollständigen Abzug der natürlichen Maserung mit all ihrenZufälligkeiten erzeugen, indem ein reichlich beschwerter Cylinder über die ganze Flächehingeführt wird. Erhält die auf solche Art hergestellte Tapete später an der Wand nocheinen Lacküberzug und Fngcnlinicn an den einzelnen Brettstößen, so wird sie nirgend mehrstörend abstechen, gegen die aus natürlichem, gewachstem Holz davor gestellten Mobilien.

Als einen besonderen Zweig der Tapetenfabrikation erübrigt es nun noch, die Her-stellung der Tapetenborten zu beschreiben. Für die Borten bedarf es zwar keinerspeziellen Einrichtung. Man druckt sie ein-, zwei-, drei- bis zwölf- oder sechszehnbändignebeneinander auf gutes Tapctenpapier, und erst im Augenblick des Anlegens an dieWand trennt der Tapezierer die einzelnen Breiten mit der Schere voneinander. Es istaber leicht zu erkennen, daß die für die Borten erforderlichen Quantitäten außerordent-lich klein sind gegen die Blassen der Tapeten selbst. Nicht in allen Fällen wird es sichdaher verlohnen, die Borten auf der Maschine zu drucken, zumal sich dieselben im Hand-