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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Velourstapeten und deren Nachahmungen. Holzimitationen n. a. 249

druck noch um so bequemer herstellen lassen, weil die Modeln nur in halber Breite aus-geführt und dann einfach zweimal nebeneinander abgedruckt zu werden brauchen. Daeine schöne Borte die ganze Tapete hebt, so wird dieselbe gern etwas anfwändiger ge-wählt und oft mit Velours ausgestattet, zuweilen auch noch mit reichen Eckstücken ver-sehen, deren Herstellung sich dann freilich der kleinen Zahl wegen verhältnismäßig nochteurer stellt. Durch die weitere Anszier der Räume mittels Holzleisten, die vielfach auchpoliert oder mit Stnckmasse überzogen und vergoldet werden, läßt sich die dekorativeWirkung reicher Borten und Tapeten noch mannigfach steigern.

Einen weniger in der Art der Fabrikation als in der Ausführung der Musterund deren Anordnung für sich bestehenden Zweig der Fabrikation bilden die Plafond-tapeten. Für diese werden ebenfalls besonders reiche Borten mit Eck- und Mittelstücken,Leistenfriesen, Kasscttcnfnllnngen und Rosetten hergestellt. Sie ermöglichen es, die Zimmer-decken sehr schnell und doch reich zu dekorieren, und kommen besonders denjenigen Ortenzu statten, in denen keine Zimmermaler ansässig sind.

Im weiteren Verfolg unseres Ganges durch eine Tapetenfabrik gelangen wir imAnschluß an die Handdrnckränme nun zunächst in das Künstleratelier, in welchem Muster-zeichner und Maler die Entwürfe für die neuen Tapeten herstellen. Müssen in der Fabrikselbst die Ansprüche des Augenblicks befriedigt werden, so handelt es sich hier darum, imstillen alles das vorzubereiten, was im Laufe des nächsten oder übernächsten Jahres aufden Markt gebracht werden soll. Mehr und mehr hat sich in der letzten Zeit die Über-zeugung Bahn gebrochen, daß ein gutes Tapeienmuster eine Knnstschöpfnng bildet, unddaß für den Entwurf desselben am besten nur ein Künstler von hervorragendem Ruf inAnspruch zu nehmen ist. Es haben sich daher, besonders in Orten, in denen Kunstschulenbestehen oder wo große Museen das Studium alter Stoffmuster jederzeit ermöglichen, be-sondere Künstlerwerkstätten gebildet, die sich ausschließlich mit dem Entwurf neuer Tapeten-mnster befassen und ihre Erzeugnisse in großer Auswahl den Tapetenfabriken zum Kaufanbieten, ein Vorgehen, das ohne Zweifel bedeutend zur Hebung der Tapetenindustriebeiträgt. Nichtsdestoweniger kann die Fabrik selbst ihre Musterzeichner doch nicht ent-behren, denn diesen fällt wiederum die fernere Aufgabe zu, die Formenzeichnungen fürdie einzelnen Truckwalzen herzustellen, neue Farbcnznsammenstellungen für beliebteMuster zu komponieren und alles das für den unmittelbaren Gebrauch vorzubereiten, wasdie von den Künstlerwerkstätten erworbenen Entwürfe zunächst nur in allgemeinerer Weisezum Ausdruck bringen können.

Die letzten Räume der Fabrik enthalten das Lager und die Expedition. Das Lagernimmt die fertig gedruckten Tapeten auf. Die Stücke, die beim Abrollen des Ballenskein volles Maß erhalten haben, werden hier von Arbeiterinnen aus anderen Reststückenergänzt, aus beschädigten Stücken werden einzelne Teile herausgenommen und wasbrauchbar, sauber wieder zusammengeklebt. Winden und Auszüge verbinden das Lagermit der Expedition, in welcher endlich eine ganze Anzahl von Arbeitern damit beschäftigtist, die Rollen mittels hierfür geeigneter Klammerapparate zu großen Versandballenzusammen zu Pressen, zu schnüren, zu registrieren und hinaus zu befördern, damit siemittels Wagen, Bahn oder Schiff dem endgültigen Ort ihrer Verwendung zugeführt werden.

Vergegenwärtigen wir uns die ungeheuren Massen von Tapeten, die nach diesemÜberblick eine gut eingerichtete Tapetenfabrik täglich produziert, so läßt sich ermessen, wiebedeutend diese Industrie ist, wenn hinzugefügt wird, daß allein in Deutschland etwa40 Tapetenfabriken bestehen, die zusammen Wohl 4000 — 5000 Menschen beschäftigen.Neben den bereits erwähnten Fabriken von Johann Zuber in Rixheim und Penseler LSohn in Lüneburg nennen wir als die hervorragendsten Flammersheim L Steinmannin Köln, Fritz Hochstädter in Darmstadt, H. Engelhardt in Mannheim , August Schützin Würzen und Ernst Schütz in Dessau . Alljährlich bringt jede Fabrik durchschnittlichdreißig neue Muster auf den Markt, so daß allein aus den deutschen Fabriken jährlichweit über tausend neue Muster hervorgehen. Es verbietet sich demnach von selbst, andieser Stelle auf die ästhetische Seite der Tapeienmuster näher einzugehen. Noch in densechziger Jahren zwar hofften die Fabrikanten, daß sich für das Knnstgewerbe ein Stil

Buch drr Erfind, vm. Z2