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Die Tapetenfabrikatio».
finden lassen werde, der über die Mode erhaben sei und eine längere Dauer der einmalaufgenommenen Muster verbürge. Diese Ansicht ist aber längst als unhaltbar anerkannt,denn welchen Beifall auch einzelne Dessins finden mögen, immer werden wieder andereihnen folgen müssen; nichts destvwcniger aber kann ausgesprochen werden, daß einegewisse Festigung des Geschmackes stattgefunden hat. Hierfür liegt der Beweis schon indem Umstand, daß, während früher kaum ein Tapetenmuster für würdig befunden wurde,in Museen aufbewahrt und ausgestellt zu werden, es jetzt doch bereits viele Muster gibt,deren dauernde Erhaltung als für das Studium wichtig erachtet wird. Ursprünglich warauch bei den Tapeten der französische Geschmack der Ausgangspunkt für die Entwickelungaller Dessins, erst seit den siebziger Jahren fing Deutschland an, sich selbständiger zumachen, und neuerdings wirken wieder die seit Walter Cranes Auftreten mächtigwachsenden englischen Einflüsse auch auf unsere heimische Industrie mitbestimmend zurück;es haben sogar die bis 50 am breiten Friese schon bei uns Eingang gefunden, die ehedemausschließlich in Amerika und England Beifall hatten.
Als ein wichtiges Moment der Tapetenindnstrie wird immer die Nachahmung kost-barer Wandbckleidnngsstoffe zu bezeichnen sein. Von der Herstellung stoffartigcr Wirkungenmittels Überdruck oder mittels Veloutierung ist schon oben das nähere gesprochen. Hier-nach bietet die Nachahmung von Gobelins, Seide, Atlas, Rips, Brokat und anderenschweren Stoffgeweben, sowie ferner von Cretonnes und Tüll, oder von ganzen Stickereienmit all ihren Fadenlagen und von Polsterungen mit Faltenwurf und durchgenähtenKnöpfen, oder von Stroh-, Rohr-, Bast- oder anderen Geflechten keine neue Besonder-heiten der Herstellung. Eine wichtige, mehr oder weniger für sich stehende Gruppeumschließe« die ebenfalls bereits beschriebenen lackierten Tapeten, mittels welcher vorallem glasierte Wandplatten äußerst täuschend imitiert werden und in einer großen Füllevon Mustern auf den Markt kommen. Das Druckverfahren bei Nachahmung von Holzist gleichfalls schon oben erläutert. Für Marmor und andere Gesteinarten kann dieAderung in den Druckformen oft ganz aus Holz geschnitten werden, und für die Herbei-führung von Zufälligkeiten der Zeichnung dienen mancherlei kleine Kniffe und Hand-fertigkeiten, wie z. B. das Aufspritzen eines anderen Farbstoffes auf die bereits auf dasFarbtuch gedruckte Form u. s. w. Für Granittapeten kann außerdem durch Aussieben vonGlimmerstaub in die noch klebende, frisch gedruckte Farbe ein weiterer Jmitationseffekterzielt werden. Die Nachahmung ganzer Wandsüllungcn mit Leistenwcrk und Konsolenmuß schon als über das Element der Forderungen hinausgehend bezeichnet werden, dieman an die Tapete stellen darf. Landkarten und ähnliche Produkte lassen sich im eigent-lichen Sinne gar nicht zum Tapetendruck rechnen, weil dessen hauptsächlich bezeichnendesMoment, die Wiederholung des Musters, dabei in Fortfall kommt. Ganze Bücherregaleendlich und sonstige Scheinimitationcn von Mobilien sind geradezu als Auswüchse derIndustrie zu bezeichnen, sofern sie nicht etwa nur für Theaterdekorationen oder fürphotographische Ateliers Verwendung finden sollen.
Im entgegengesetzten Sinne geht die Herstellung von wirklichen Gobelin-imitationen über die Ausgaben hinaus, die die Grenze der eigentlichen Tapeten-industrie bilden, sobald es sich nicht mehr um Flächenmuster handelt, die allseitig fort-gesetzt werden können, sondern um Bildfüllungen oder sonstigen reichen figuralen Schmuck,Speziell in Frankreich ist es beliebt, für die großen Weltausstellungen in Paris dieKunstfertigkeit der Fabriken durch ungemein aufwändige Schöpfungen dieser Art zu be-weisen. Solche Panneaux werden ausschließlich in Handdruckverfahren hergestellt underfordern dann oft eine ganz außerordentliche Anzahl von Druckformen. Um einigeBeispiele zu nennen, erwähnen wir, daß der Dekor „In sennssos" mit 1154, der 6ranckOobslin Uonis XIV. mit 1405, die Erancko Obasoo von Defosse mit 2785 und der DekorEden sogar mit 3641 Handformen in einzelnen aufeinander folgenden Drucken angefertigtist. Solche Füllung gleicht in ihrer Vollendung durchaus dem mit der Hand gemalten Vor-bild, und ein Abdruck kann erklärlicherweise leicht teurer werden, als eine gemalte Kopie.
So mannigfaltig die Arten und Sorten der hiermit beschriebenen Papiertapeten imengeren Sinne auch sein mögen, so hat sich die Industrie doch nicht damit zufrieden