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Die Tapctenfabrikation.
Wandbekleidungsstoff gelangt, der gegenwärtig für Deutschland auch in Hannover fabriziertwird. Das Linkrusta besteht aus eingedicktem oxydierten Leinöl, das zu einer Flächeauseinander gewalzt und mit pulverisierten Korkabfällen besiebt wird. Indem manrückseitig Leinen oder starkes Papier hinterlegt, läßt sich die Masse ganz dünn auspressen,behält aber dennoch ihre vorzüglichen Eigenschaften, die in absoluter Wasserdichtigkeit undgroßer Dauerhaftigkeit bestehen. Für Wandbekleidnngen eignet sich der Stoff besondersgut, weil er sich in jede Form pressen läßt und der Ausbildung der Dessins daher garkeine Schranken setzt. Auch gewährt er als schlechter Wärmeleiter einen gewissen Schutzgegen Witterungseinflüsse. Das Malen und Vergolden geschieht auch hierbei erst, wenn dieDekoration fertig angebracht ist. Eine ähnliche, gleichfalls reliefierte Wandbekleidungbietet sich in dem 1889 von Palmer erfundenen Anaglypta, dessen Herstellung daraufberuht, daß eine eigenartige, noch im Flusse befindliche Papiermasse schon vor dem Er-starren in Messingformen gepreßt wird. Das Anaglypta ermöglicht infolgedessen ein sehrhaltbares Relief, das auch an den am schärfsten vortretenden Konturen niemals einenBruch in der Masse ausweisen kann. Obschon die erhabenen Teile rückwärts hoch bleiben,ist ein späteres Wiedereintreiben derselben doch fast unmöglich. Die Fabrik der AnaglyptaCompany befindet sich in Darven in Lancashire . Der Betrieb ist ein ziemlich komplizierter,da er zugleich mit einer Papierfabrik verbunden sein muß; die Einzelheiten desselbenbilden das Geheimnis des Erfinders, dessen überaus reiche Mustcranswahl das Fabrikataber schnell in weiten Kreisen beliebt gemacht hat.
Während sowohl Linkrusta wie auch Anaglypta an und für sich eine glatte Ober-fläche zeigen, ist in dem gleichfalls in England hergestellten oagtlv ein Fabrikat
gewonnen, das sich durch Überspannung mit Leinen wieder der stofflichen Wandbekleidungnähert, nichts destoweniger aber in reichem Relief hergestellt wird und durch Malerei undVergoldung zu überaus effektvoller Wirkung gebracht werden kann. Es bildet einen treff-lichen Gegensatz zu den bisher genannten Relieftapeten und bietet daher ein wichtigesMittel zu der überall gewiß stets erwünschten Abwechselung in der Dekoration.
Durch die mannigfaltigen Stoffe, die bei all diesen Relieftapeten zur Verarbeitunggelangten, haben naturgemäß die Einrichtungen der Hochprägcmaschinen eine lange Reihevon Vervollständigungen erfahren, die rückwirkend wieder der übrigen Tapetenindustriezu gute gekommen sind und auch für diese Bereicherungen ermöglicht haben, die ohne sieunbekannt waren. Unter diesen seien noch als die vorzüglichsten genannt, die Hoch-prägcgoldtapeten und die Hochprägegobelintapeten. Bei beiden tritt das Musterin allen Konturen reliefartig hervor, so daß die Tapete außer dem Gold und außer ihrerreichen Farbe noch einen weiteren Effekt durch die Licht- und Schattenwirkung erhält. Auchbei Glanzlacktapeten ist das Hochprägeverfahren mit vorzüglichem Erfolg versucht. Hierbilden gegenwärtig die französischen Elsenbeiutapeten einen Triumph der Fabrikation.Mit nicht weniger Glück und Erfolg ist es aber auch versucht, die herrlichen Relieffliesender maurischen Bauten in Spanien mit all ihrer Farben- und Formenpracht auf dastäuschendste zu reproduzieren. Die Platten werden mit 4 nun starker Pappmasse hinterlegtund bieten auf diese Weise die Möglichkeit, sie an ihrer Verwendungsstelle als wirklicheeinzelne Fliesen ansetzen zu können, und vermöge ihrer Fugen und des Glanzlichtes, das aufden einzelnen Fliesen wechselt, führen sie wiederum ganz neue Effektmomente in die Tapeten-industrie ein.
AIs eine Wandbekleidung von noch lange nicht genügend gewürdigter Schönheit istferner die sogenannte echte Holztapete zu nennen. Dieselbe besteht aus ganz dünn-geschnittenem Messerfournier, das zur Gewinnung von Haltbarkeit auf dem Papier auf-geleimt wird. Dieses Verfahren stammt aus Amerika , und es werden oft kostbare Holz-arten dafür verarbeitet. Die Breite der Stücke ist naturgemäß durch die Stärke derStämme gegeben, und man teilt die Wand am besten in so kleine Füllungen, daß jedeHolzplatte rings herum durch aufgenagelte Einfassungsleisten gehalten wird. NachVollendung können die Flächen sogar poliert werden; auch lassen sie sich anderenfallsmatt wachsen oder lackieren, so daß thatsächlich jeder Effekt, der natürliches Holzcharakterisiert, auch mit dieser Dekorationsweise erreichbar ist. Dieselbe besitzt aber den