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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Linkrusta Walton« Holztapetc. Seidciistofstapcten. 253

Übelstand, daß die sehr dünnen Holzplatten mitunter schon durch die geringste Feuchtigkeitder Mauern empfindlich leiden, sich werfen und dann aufspalten und absplittern. DiesemFehler ist durch eine neue Anordnung der Fabrik Harraß in Böhlau in Thüringen mitErfolg entgegengearbeitet, indem an Stelle des Papiers ebenfalls ganz dünn geschnitteneBlendhölzer quer gegen das Fournier laufend untergeleimt werden, so daß die Holz-tapete dann aus zwei Dicken zusammengesetzt ist, wonach das Holz nicht mehr arbeitenkann und sich überall als sehr widerstandsfähig erwiesen hat.

Ein gewissermaßen ähnliches Fabrikat bilden endlich noch die französischen echtenSeidenstofftapeten. Dieselben bestehen aus freilich sehr dünnem aber wirklichemSeidengewebe, das auf Papier aufgelegt und dann mit Reliefpressung versehen ist. DieWirkung ist selbstverständlich auch hier eine hervorragend schöne. Sie nähert uns mehrund mehr den außerhalb der Tapetenindnstrie stehenden wirklichen Stoffbekleidungen derWände, wie solche für fürstliche Schlösser aus gewirkten Gobelins und kostbaren Brokatenauch heute noch hergestellt und verwandt werden, gerade so wie anderseits einzelneRäume des Reichstagshauses auch mit wirklichem gepunzten Leder ausgelegt sindund auf die Weise eine ganz unverwüstliche, echte und monumental schmückende Bekleidungerhalten haben.

Nur in großen allgemeinen Zügen konnten wir es im obigen versuchen, einenÜberblick über den heutigen Stand der außerordentlich vielseitigen Technik der Tapeten-industrie zu geben; noch näher auf die ästhetische Seite derselben einzugehen, war, wieschon oben gesagt, an dieser Stelle nicht der Ort. Immerhin aber gewährt es uns einefreudige Genugthuung, zum Schluß aussprechen zu können, daß die künstlerischen Be-strebungen mit nicht geringerem Erfolg gefördert sind, wie das technische Können gewachsenist. Konnte gegen Ende der sechziger Jahre noch behauptet werden, daß die technischenFortschritte nur ausgebeutet würden, um durch Überflügelung der Konkurrenz auf dieBedürfnisse und den Ungeschmack der großen Masse zu spekulieren, so läßt sich gegen-wärtig mit Stolz behaupten, daß alle modernen Knnstbestrebungen rückwirkend auch vonder Tapetenindnstrie wieder nutzbar gemacht sind. Die schönsten Ornamente der ganzenVergangenheit teils in genauer Kopie teils in freier Überarbeitung den neuen Musternzu Grunde gelegt, die großartigen Stoffimitationen, die der berühmte Sammler PhilippBalin in Paris mit allem Raffinement der glänzendsten Technik hat herstellen lassen,konnten nicht ohne Nachwirkung bleiben, und die Rückkehr zum intimen Studium derNatur, zu dem speziell England von Walter Crane ausgehend, den Impuls gegebenhat: alles wirkt zusammen, um auch die Anforderungen des Publikums mehr und mehrzu läutern. Schon jetzt kann man in der That behaupten, daß es bei einigem gutenWillen jedermann möglich ist, seine Räume so mit Tapeten auszustatten, wie dies zuseinen Mobilien und sonstiger Einrichtung paßt und mit allem eine durchaus harmonischeund befriedigende Wirkung erzeugt. Der Wunsch, daß der gute Geschmack in dieser Be-ziehung in noch immer weitere Kreise dringen möge, bleibt freilich bestehen. Aber wennArchitekten, Dekorateure und Tapezierer nur immer von gesunden Kunstprinzipien aus-gehend das Beste empfehlen, so wird das Publikum auch Gutes fordern, der Händlerwird das Bedürfnis nach Angebot befriedigen müssen und der Fabrikant mit seinenKünstlern und Zeichnern wird gern folgen. Schon jetzt scheint es nicht gewagt, aus derThatsache, daß immer zahlreichere Kunstschulen ins Leben treten, den Schluß zu ziehen,daß wir uns auch in dieser Beziehung in aufsteigender Tendenz befinden.