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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Geschichtliches. 255

Baumwolle und Leiueu auch Schafwolle verwendete, und aus denen mau Vorhänge, Kleider,Bett-, Tisch- und Stuhldecken gefertigt zu haben scheint. Die Mumien wurden in laugeBänder aus feinem Leinen eingewickelt, und es sind viele dieser Gewebe in nuturu aufuns gekommen, an denen wir die Webart studieren und die Feinheit des Gespinstes be-wundern können. Nach Herodot war der als Byssus auch sonst vielgenannte Stoff derAsiaten und Ägypter ein seltenes und kostbares Gewebe, das man gewöhnlich aus Baum-wolle oder Leinen gefertigt annahm. Neuere mikroskopische und mikrometrische Prüfungen,welche man mit Fasern von authentisch echten, Reliquien umhüllenden Byssusfasern anstellte,haben indessen eine vollständige Übereinstimmung der Byssusfaser mit derjenigen gewisserllrticeen (Nesselarten) ergeben. Daß China seit den ältesten Zeiten spinnt und webt,versteht sich von selbst, und wahrscheinlich ist es auch, daß sich dort das gebräuchliche Ver-fahren im Laufe der Jahrtausende nur wenig verändert hat.

Wie in ganz Vorderasien, so blühte namentlich bei den Phönikeru die Kunst derWeberei; Gewänder „reich an Erfindung, Werke sidonischer Frauen", besingt Homer , undauf die damaligen berühmten Märkte kamen, außer Teppichen von Dedau, Wandbehängcndurch die Syrer, auch Stoffe aus Seide und köstliche Gewänder, seidene und gestickte Tücheraus Harau und Kanne. Die Zucht feinhaariger Schafe und Ziegen in den gebirgigenGegenden Hinteriudiens hat im Altertum bereits die feinen Rohstoffe geliefert, welche injenen Ländern eine eigentümliche Art der Kunstweberei auf eine so hohe Blüte der Voll-kommenheit gebracht hat. An den Gestaden des Mittelmceres, jener glücklichen Pflanzstätteunserer Kultur, war die Webkunst eine hochgehaltene, und wenn uns Homer in dasglückliche Leben eines wohlgeordneten Hauses blicken lassen will, so zeigt er uns dieFrauen, Fürstinnen, wie Sklavinnen, an Spindel und Webstnhl beschäftigt; selbst amHochzeitsfeste ihrer Tochter läßt Helena den Faden nicht ruhen, und die trauernde Penelopeerhoffte am Webstuhl die Rückkehr ihres Gatten. Das Hauptmatcrial, welches zur Ver-arbeitung kam, war Wolle; leinene Gewänder wurden zwar auch getragen, mehr abernur von Frauen zum Schmuck, und waren sehr teuer. Besonders berühmt war derFlachs von Achaja, und wegen ihrer Feinheit standen die Gewebe von der Insel Kos inhohem Ansehen. Seide und Baumwolle scheinen nach der Eroberung Persiens durchAlexander nach Griechenland gekommen zu sein. Von der Mannigfaltigkeit unsrer heutigenWebereierzeugnisse hatte mau damals freilich keinen Begriff, wohl aber schon von derMusterung durch Färben und Bedrucken; denn der Beizendruck wurde in Ägypten nach-weislich schon früh ausgeübt. Die Hetären kleideten sich in auffallend bunte Stoffe, diegriechischen Frauen trugen höchstens am Saume gestickte oder sonstwie gemusterte Gewänder.Die Weberei war eine Hausindustrie, wir finden nichts von einem Weberstande, wohlaber Zurichter und Walker.

Ähnlichen Verhältnissen begegnen wir in Rom zu jener Zeit, wo die Republik nochheilig und die Sitten einfach waren. Aber mit der wachsenden Macht wuchs auch Reich-tum und Lust an Pracht und Luxus. Farbenreiche Gewänder kamen auf, und jenesPhantom, welches das Thun der Menschen, ihre Forschungen, Sorgen und Triumphe mehrbeeinflußt als Hunger und Durst, die Mode, wurde in der üppigen Weltstadt geboren.Baumwollene Kleider zn tragen galt bei den Männern lange Zeit für weichlich, Seidewar sehr teuer. Noch Kaiser Aurelian erließ im Jahre 274 ein Verbot dieser; im4. Jahrhundert dagegen war sie so im Preise gesunken, daß selbst die unteren Stände sichdarein kleideten. Gewebe durch eingenähte Fäden zu verzieren (Sticken), war im frühstenAltertum schon gebräuchlich.

Wie überall, so war auch bei den alten Deutschen Spinnen und Weben eine Frauen-beschäftigung. „Unsere Frauen, welche bei unseren Beschäftigungen unsere Dienerinnensind, haben Wolle und Leinen und die Anfertigung der Jacken und Röcke zu besorgen."Diese Verordnung erließ Karl der Große , der selbst in Kleidern ging, welche ihm seineGemahlin und seine Töchter gesponnen und gewebt hatten, und gegen den Kleiderluxusoft in sehr energischer Weise verfuhr. Es gab zwar sehr kunstreiche Stickerinnen, undnamentlich zeigten die Frauen der Edlen in dieser Fertigkeit sich oft sehr erfahren, alleinmau unterschied sehr wohl Fcstgewänder, die oft sehr prunkvoll ausgestattet wurden und