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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Die Spinnerei.

als Familienreichtümer sich von Kind aus Enkel vererbten, von den gewöhnlichen Kleidungs-stücken. Jede Hauswirtschaft erzeugte sich dazu die Stoffe meistens selbst. Karl derGroße hatte auf seinen Meierhöfen besondere Weiberhäuser, in denen die leibeigenenMägde, von einer Schaffnern, beaufsichtigt, Garn spannen, Tücher woben und die Kleiderverfertigten. Flachs wurde auf der Kunkel, Wolle am Wollrocken gesponnen. Eineetwas größere Ausdehnung, einen gewerbsmäßigen Anstrich erhielt die Weberei in denKlöstern, denen in Deutschland überhaupt die Ausbreitung nützlicher, technischer Fertigkeitenund Künste zu Zeiten gedankt werden muß, wo das Volk mit seinen Bedürfnissen nochauf einer ziemlich niedrigen Stufe stand. Im 9. Jahrhundert gab es im Kloster zuKonstanz Walker und Schneider, und die leinenen Alben aus dem Kloster Raitenbachmüssen sehr schön gewesen sein; denn nach einer Urkunde vom Jahre 1070 hatte es derenjährlich nach Rom zu schicken.

Und als mit der Städteentwickelung die verschiedenen Gewerbthätigkeiten Ver-anlassung zur Bildung von Genossenschaften und Zünften wurden, da waren die Webereiund die damit verwandten Industriezweige mit unter den einflußreichsten. Kaum gibt eseine alte Stadt in Deutschland, die nicht ihre Webergasse hätte. Aus Regensburg wurdenschon 959 Weber nach Flandern berufen, und besonders waren die Vertane und die ge-musterten Zeuge, welche in Regensbnrg gefertigt wurden, berühmt. Die Tuchmachereihatte ihre günstigste Entwickelung in den Niederlanden ; Fries heißt jetzt noch bei uns aufdem Lande eine besondere Tuchgattung, welche vordem jedenfalls aus Frieslaud (worunterman damals den nördlichen Teil der jetzigen Niederlande begriff) eingeführt worden ist.Friesische Mantelkleider wurden von den Großen als Ehrengeschenke gegeben, Karl derGroße schickte ein solches sogar einem persischen Fürsten. In den Niederlanden entwickeltesich im Mittelalter die Wollmanufaktur sehr rasch, besonders dadurch begünstigt, daß dasnahe gelegene England sich zu einem höchst ergiebigen Wolllieferanten emporgeschwungenhatte. In Antwerpen, Brügge, Tordrecht und Mecheln wurden große Wollmärkte ab-gehalten, und in Brügge sollen zur Zeit der höchsten Blüte bei der Tuchweberei allein50 000 Menschen ihren Unterhalt gefunden haben. Die friesischen Wollwaren gingen inalle Welt und verschafften ihren Fabrikanten Ansehen und Reichtum; schon im 12. Jahr-hundert werden die niederländischen Tncharbeiter ein „freches, übermütiges Volk" genannt,weil sie, ein unabhängiger Stand, immer in vorderster Reihe sich fanden, wo es galt, diebürgerliche Freiheit in der Verwaltung des Stadtwesens gegen alte und bevorzugte Ge-schlechter zu wahren. Bekannt ist, daß einer von ihnen, Namens Peter, mit dem Beinamender König in Brügge , zu Anfang des 14. Jahrhunderts vom Grafen Wilhelm von Jülichdie Ritterwürde erhielt.

Es waren aber nicht nur die Wollwaren, welche den deutschen Handel im Mittel-alter belebten; die schon von den Römern hochgeschätzte Leinwand der deutschen Frauen,welche als Zierat bisweilen mit Gold durchwirkt wurde und damals eine viel mannig-fachere Verwendung fand als jetzt, wurde auch zu einem Gegenstände ausgebreiteterGewerbthätigkeit, und die anfänglich hauptsächlich in den Niederlanden und in Westfalen gehegte Leinweberei gedieh allmählich auch in Hessen, Thüringen, Böhmen und Sachsen ,auch unter den Wenden, in der Mark und am Harz, zu schöner Entwickelung. Am groß-artigsten aber entfaltete sie sich in Schwaben, und Ulm und Augsburg , wo schon im10. Jahrhundert die Leinweberei mit Auszeichnung erwähnt wird, waren die Mittelpunktethätiger und reicher Flachsbau- und Webedistrikte. In Augsburg waren um die Mittedes 14. Jahrhunderts die Weber die an Macht und Ansehen zweite Zunft; zu Anfangdes folgenden gab es schon bedeutende Bleichereien dort, 50 Jahre später waren dieWeber an 700 stark. Außer Leinen wurde auch Baumwolle und Seide über Italien bezogen, sowie die einst durch die Baumwolle verdrängte, in neuester Zeit aber wiedermehr in den Vordergrund des Interesses getretene Nesselfaser verarbeitet. Borten- undBandwirker gab es schon im Jahre 1403. Es ist bekannt, daß ein deutsches Fürsten - undGrafenhaus, die Fugger, einen Augsburger Webermeister zum Stammvater hat, und denkolossalen Reichtum, den dies Geschlecht durch seine Handelsunternehmungen erworben,bestätigt die Äußerung Karls V., welche derselbe gethan haben soll, als ihm der Schatz