264 Die Spinnerei.
Haspel in ähnlicher Weise, wie beschrieben, bewirkt wird. Bei dieser Einrichtung ist derHaspel in einem mit Fenster versehenen und durch ein Tampfrohr geheizten Gehäuseuntergebracht, in welchem die Leide fast völlig getrocknet wird. Die durch diesen machi-nalen Betrieb erreichte Ersparnis an Arbeitslohn ist eine sehr bedeutende, denn früherhatten je zwei Hasplcrinnen ein Mädchen znm Schlagen nötig, während eine Schlag-maschine 25 und mehr Hasplcrinnen versorgt. Die Güte der Seide hängt znm Teil mitvon der Sorgfalt deS Abhaspelns ab, denn die Elemcntarfäden sind von ungleicherStärke, namentlich am Anfange stets dicker als gegen das Ende hin, und die Ausgleichung
erfolgt nur vermöge der Borsicht der Hasplerin, welche entsprechend einander aus-gleichende Fäden oder eine größere bezw. geringere Zahl dieser zusammenzuführen hat,
um ein gleichmäßiges Gespinst zu erzielen. Das Gefühl der Stärkenunterschiede liegt
ausschließlich in den Fingerspitzen und wird nur durch langjährige Übung erreicht.
Zur Erzielnng von 1 !<§ Seide bedarf es 12 — 16 leg frische, grüne Kokons oder7—9 lcx gebackene; bei sehr gut sortierten, scharfgetrocknetcn Kokons ergeben bereits 4 lc§
l leg Seide. Bei zwvlf-stündiger Arbeitszeitliefert eine Arbeiterinzwischen 200—500 §Seide, je nachdem sie5—7 Kokonfäden zu-sammen vereinigt.
Nun erst kommt dasZwirnen oder Filie-ren der aufgehaspeltenSeide, die man auchRoh- oder Grezseidenennt. Soll die Seidegefärbt werden, so wirdsie locker gezwirnt; sollsie znm Einschlag beimWeben dienen und wirdder Faden aus ein, zweioder drei rohen, lockergedrehten Scidenfädengemacht, so heißt sieTrama-, Tram- oderEinschlagscide; da-gegen entsteht die Ket-ten- oder Lrgansin-seide, wenn man zwei oder drei Fäden zu einem zusammenzwirnt (zweifädige und drei-fädige Organsin), nachdem man zwei bis acht Kokonfäden zu einem Faden scharf nachrechts zusammengedreht hat. Das Zwirnen geschieht stets entgegen der Drehung desRohseidenfadens.
Die Arbeitsfolge in den Filatoricn besteht im Spulen der Seidenstränge auf hölzernenSpulen, worauf das Drehen der Einzelfädcn stattfindet, dem das zweite Spulen oberDoppeln folgt, bei dem so viel Fäden zusammenlaufen, als verlangt werden. Die sovereinigten Fäden werden nun auf einer Zwirnmaschine gezwirnt und dann zu Strängenabgehaspelt; diese heißen im Gegensatze zu den einfach durch Abhaspeln der Kokons ge-wonnenen Stränge „filiert" oder „mouliniert".
Es mögen nun hier noch einige besondere Fabrikate, welche in jedem Haushalte Ber-wendung finden, kurz erwähnt werden. Nähseide stellt man her, indem man entwederzwei oder auch drei Rohseidenfäden nach rechts dreht und nach links zusammenzwirnt,oder zwei bis drei gedrehte oder auch ungedrchtc Rohseidenfäden nach rechts zwirnt undje zwei von den so entstandenen Zwirnfädcn durch eine zweite Zwirnnng nach links
208. Strecken der Seide mit der Sand.