Band 
Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
Seite
270
JPEG-Download
 

270

Die Spinnerei.

Die Fasern rein zu gewinnen, setzt eine Reihe von Hand- oder mechanischen Arbeitenvoraus, welche hauptsächlich darin gipfeln, die Rinde zu entfernen, die Leimsnstanz zu lösen,sowie die Faser von dem Holze zu sondern, und die ferner in dem Rösten oder Rotten, demBrechen, Schwingen und Hecheln des Flachses bestehen. Wenn die Stengel aus der Erdegerauft und die Samenkapseln mittels eiserner Kämme abgerifsclt sind, werden sie derLuft und dem Wasser, Tau, Dampf oder heißem Wasser ausgesetzt, alles zu dem Zwecke,um durch die herbeigeführte Gärung die kleberartige Substanz des Bastes größtenteils zuzerstören und die Stengel in den Zustand zu versetzen, daß sich die Fasern leicht, gut,rein und unversehrt lösen lassen. Man nennt dieses Berfahrcn die Röste oder Rotte,und je nachdem man ein oder das andere Verfahren anwendet, bezeichnet man sie alsTau-, Wasser-, Dampf- oder Warmwasserröste. Bei der gemischten Rotte läßtman die vorangehende Wasserröste nur bis zum Eintreten des faulen Geruchs vorschreitenund vollendet die Rotte durch Ausbreiten des Flachses auf dein Felde durch die Tauröste.In Belgien , wo die Flachsknltnr am höchsten steht, wendet man auch beide Arten derRöste wiederholt abwechselnd an. Neueste chemische Forschungen haben nun ergeben, daßdie zum Rösten erforderliche Gärung nicht, wie man bisher glaubte, der Einwirkung von

Luft und Wasser zuzuschreiben sei, sondern daS Werk einerArt von Bacillen, nämlich des damltu« smz'Iodacckei' ist,welcher die Zellwandhülle in die zu seiner Ernährungverwandelt und dadurch die sogenannteButtersänregärung hervorruft.Diese Entdeckung verspricht fürdie Zukunft der Flachsknltnrund vielleicht auch für die<> vieler anderen Pflanzenfasern

von allergrößter Wichtigkeitzu werden.

Nach dem Rösten erfolgtdas Trocknen des Flachsesdurch mehrtägiges Auslegenan Luft und Sonne oder ingeheizten Räumen oder auchdurch künstliche Erwärmungin besonderen Flachsdarröfen,welches letzte Verfahren indessen der Faser mehr oder weniger schädlich ist.

Das Brechen des Flachses wird meist von den Landlenten selbst ausgeführt undgeschah früher ausschließlich durch die in Abb. 213 dargestellte Handslachsbreche. Siebesteht aus einem unbeweglichen Teile, der Lade a, und aus dem beweglichen, an einemEnde drehbar verzapften Teckel oder Schlegel b. Beide Teile sind auf der sich zugekehrtenSeite spaltförmig und schneidig so ausgehöhlt, daß die Lade drei, der Teckel aber zweimesserförmige Wände besitzt, wie der Querschnitt e zeigt. Die in einer Handvoll fRiste)gucr über die Lade gelegten Flachsstengel werden daher bei rasch wiederholtem Nieder-stoßen des Deckels und durch das gegenseitige Eindringen der schneidigen Wände geknicktund ihre Holzteile zerbrochen.

Um nun das bei so gewaltsamer Behandlung und selbst auch bei geschickter und sorg-fältiger Arbeit immerhin noch stattfindende Zerreißen der Bastfaser möglichst zu verhüten,läßt man dem Brechen ein Klopfen oder Stampfen vorangehen, wozu ein hölzernerhammerförmiger Schlegel, der Botthammer oder Bleuel, oder eine von, Wasser ge-triebene Stampfmühle, die Pochmühlc, dient.

Zur Vermeidung der langwierigen und kostspieligen Flachsbereitung mittels derHandbrechen hat man Flachsbrechmaschincn eingeführt, und es sind eine ganze Mengevon Systemen gebaut worden, welche sich mehr oder minder gut bewährt haben. Dieeinfachste und ursprünglichste Arbeitsweise dieser bestand darin, die Flachsstengel zwischenmehreren Paaren mit Längsriffeln versehenen Walzen hindurchzuleiten. Um ein Strecken

Kandttachsbrech