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Die Spinnerei.
In verarbeitetem Zustande zeigen Baumwolle und Lcinensascr, diejenigen Stoffe, welcheam meisten miteinander vermischt werden, Eigentümlichkeiten, wie sie die folgenden zwei Ab-bildungen veranschaulichen. Abb. 222 läßt in lOOmaligcr Vergrößerung feinster unverfälschterLeinwand schon deutlich die hauptsächlichste Lcinensascr in der runden, glattcn, nngcdrehtcnForm mit nur schmalem Längcnkanal und Oncrlinicn, welche die Gliederung oder Knötchcnmarkieren, erkennen. Ebenso ist im feinsten Banmwollbatist ss. Abb. 223) die platte, band-förmige und gedrehte Baumwollsascr bei derselben Vergrößerung schon auffällig wahrzunehmen.
Von der Betrachtung des Spinnstoffs wenden wir uns nunmehr zu den verschiedenenMethoden, ihn in Fadenform zu bringen, also zu dem Spinnen selbst.
Das Handspinncn.
Soweit die früheste Art des Spinnens bekannt ist, erfolgte es bereits vor Jahr-tausenden in ganz ähnlicher Weise, wie es bei außereuropäischen Völkern allgemeingeschieht, wie es vor wenigen Jahrzehnten noch sehr häufig in Deutschland, Frankreich ,England und Belgien geschah und in einzelnen Gegenden dieser Länder sowohl für sehrfeine, als auch für starke Leinengewcbe entweder noch jetzt unverändert, oder der mecha-nischen Spinnerei doch mir wenig näher gerückt, stattfindet. Das einfache Werkzeug dafürist die Spindel, jenes uralte Gerät, das seinen Ursprung an den Küsten des Mittel-meeres oder an den Höhen des Himalaya gefunden haben mag, das bei den alten Griechenin derselben Art in Gebrauch war wie bei den deutschen Hausfrauen und das ein arabischesRätsel nennt:
Ein altes Weib, das flink sich dreht,
In dessen Fleiß sich kleidetDer Araber, der Städte bautlind der Kamele weidet;
Doch, wie es jede Blöße hüllt,
Die Nacktheit immer leidet,
Weil es um andrer willen stetsVon seinen Füllen scheidet.
Die Ägypter schreiben die Erfindung der Kunst zu spinnen der Isis, die Chinesender Kaiserin Vao, die Lydier der Arachne, die Griechen der Athene , die Peruaner derMama-Sella, Gattin Manko Kapaks, zn.
Seiner Form nach ist die Spindel oder Spille nichts anderes als ein nach beidenEnden hin schwächer zulaufendes, hölzernes Stäbchen, welchem meist eine Rolle, der so-genannte Wirtei, aufgesteckt ist. Diese Spille hat doppelten Zweck: einmal wird dadurcheine Drehung, bewirkt und andernteils dient sie zur Aufnahme des gesponnenen Fadens.Der Vorgang des Spinnens selbst aber ist folgender. Nachdem von dem aufgestecktenWollbündel ein lang ausgezogenes Faserbüschel an der Spitze der Spille befestigt unddiese mit den Fingern der rechten Hand in schnelldrchendc Bewegung versetzt worden ist,wird das Ausziehen von Faserbüscheln mit der linken Hand so lange möglichst gleichmäßigfortgesetzt, bis die rechte Hand die zn drehende Spindel und den sich dabei verlängerndenFaden nicht mehr in größere Entfernung fortzuführen vermag. Hierauf wird der1,5 — 1,s in lange Faden auf den mittleren, stärkeren Teil der Spille aufgewnnden, anderen Spitze durch eine Schlinge befestigt und die Spille mit der rechten Hand wieder inDrehung versetzt, während die linke das Ausziehen des Spinnmaterials wiederholt n. s. f.
Je nach der Lebensweise der verschiedenen Völker tritt dieses Instrument in ab-weichender Form auf, und zwar unterscheidet man nach Renleaux deren drei hauptsächlicheArten. Die auch bei uns, in Schlesien und Böhmen noch vorkommende Form, welchegroße Ähnlichkeit mit der in Pfahlbauten gefundenen besitzt, ist die bei den Völkern, welchesitzend oder stehend spinnen, zumeist gebräuchliche und hat den aus Holz, Zinn oder Dhonbestehenden Wirtel im unteren Teile. Dicht über dem letzteren befindet sich die Verdicknng,welche den Zweck hat, sowohl die Schwungkraft zu vermehren, als auch dem ausgewickeltenFaden Halt zu gekchn. Sowohl nach oben als nach unten läuft diese Spindel in eineSpitze aus. Die Spinnerin faßt die obere Spitze, gibt ihr eine drehende Bewegung undläßt sie diese nun weiter verfolgen, bis die Spindel den Boden erreicht, worauf sie dasAufwickeln des gesponnenen Fadens bewirkt (vgl. Abb. 224). Es finden sich auch nochAbarten, z. B. die toscanische Spindel, welche überhaupt keinen Wirtel, sondern an Stelle