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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Das Haiidspiiinen. Geschichtliches. 279

dessen nur eine wesentlich stärkere Verdatung in der Mitte besitzt, von welcher aus dieSpindel sich nach beiden Spitzen hin gleichmäßig verjüngt.

Eine ganz eigentümliche zweite Form, das eigentliche Vorbild der Spule, ist die derneapolitanischen und sizilianischcn Spinnerinnen. Diese Spille hat keine spitze, sonderneine cylindrische Form und ist mit zivci Wirtcln, einen oben und einen zweiten in der Mitte,versehen, zwischen welchen die Anfwickelnng des gesponnenen Fadens erfolgt. Auf demoberen Wirtel sitzt ein Trahthäkchen, welches als Fadensührer und zugleich znr Befestigungfür das gesponnene Ende dient. Die Spinnerin leitet hierbei die drehende Bewegungder Spindel durch Rollen des Spindelendes über ihr Knie mittels der rechten flachenHand ein; das übrige vollzieht sich wie vorher angegeben. Bei den in hockender oderkauernder Stellung spinnenden Völkern muß naturgemäß die Spindel ihre Andrehungvon nntenher erhalten; dies führt znr dritten Spindelfvrm: der Spinnende hält mit demlinken Arm die Kunkel empor und faßt die am oberen Ende mit Wirtel und Drahthäkchenversehene, am unteren Ende aber spitz zulaufende Spindel mit den Fingern der rechtenHand und gibt ihr damit die drehende Bewegung.

224 . Sunerslrute, Flachs und Molle spinnend.

Nach Sebastian Münster ( 1544 ).

Aus diesem Vorgänge folgern sich auch leicht drei verschiedene Teile des Verfahrens:das Ausziehen, das Drehen und das Aufwickeln des Fadens, und es wird sichspäter zeigen, daß auch dem fortgeschrittenen Spinnereiprozesse diese drei Stufenfolgenzu Grunde liegen.

Schon früh wandte man sich, trotzdem die Handspindel noch bis heute ihr Daseinfortführt, mechanischen Hilfsmitteln für das Spinnen zu. Eine solche ist das Hand-spinnrad. Dieses trägt aus einem niedrigen Gestelle ein sehr leichtes Rad von60—80 ein Durchmesser aus wagerechter Achse. Über dieses ist eine Schnur ohneEnde gelegt, welche über den gekerbten Wirtel einer wagerecht gelagerten Spindel läuftund diese in rasche Umdrehung versetzt, wenn das große Rad mit der Rechten mittelseiner Kurbel umgetrieben wird. Der Spinner bildet mit der Linken aus der Kunkel denFaden, dessen fertiges Ende er an der Spindel befestigt hat. Er hält ihn schräg von derSpindelspitze weg, solange er ihn zwirnen will, braucht ihn aber bloß nahezu rechtwinkeligdagegen zu halten, um ihn sich auf die Spindel aufwickeln zu lassen. So spann schon dieRömerin, so spinnt heute noch der ganze Osten von Asien, den Sunda -Archipel ein-geschlossen; so spann man auch bei uns im Mittelalter, ja die englischen Einwandererin Nordamerika sind konservativ genug gewesen, das alte Handrad nicht ganz untergehenzu lassen; man sieht es noch heute in Utah und Kalifornien in Anwendung, ausgeführtmit stnhlhohem Gestell und so gebraucht, daß eine Person das Rad dreht, eine zweite