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Achter Band. Verarbeitung der Faserstoffe
(Holz-, Papier- und Textilindustrie.)
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Die Spinnerei.

225. Spindel mit Spule und Flügel.

den Faden bildet und leitet. Unter beständigem Wechseln von Ausziehen und Auf-wickeln des Fadens wird die Spindel allmählich voll, worauf das Gespinst mittels einerrunden Scheibe, welche vorher auf die noch leere Spindel gestellt worden war, hernnter-geschoben wird.

Im Mittelalter, wahrscheinlich gegen Ende des 15. Jahrhunderts, wurde die Ver-besserung eingeführt, statt der genannten Scheibe eine ganze hölzerne Spule auf die

Spindel zu stecken und sodann dieserden Faden durch das Hilfsmittel des„Flügels" zuzuführen. Anfänglichaus Draht gestaltet, wie in der«einerspätmittelalterlichen nachgcbil-deteni Abb. 225, wurde er späteraus Holz gebaut (Abb. 226). DerFaden, als bloß ausgezogenes Fa-serbündcl, wird an der zentralenStelle bezw. a, zugeführt unddurch den Flügel so geleitet, daß er zu der aufgestellten Spule von außen zutritt. Ganzgenau liegt die Entwickelungsgeschichte des sich nunmehr umgestaltenden Rades noch nichtvor. Eine recht dienliche Verbesserung brachte aber 1530 der Steinmetz und BildschnitzerJohann Jürgens, im Torfe Watenbüttel bei Braunschweig lebend, an, indem er dasTriebrad statt mit der Hand mittels des Trctschcmels bewegte und so das „Trittrad" ein-führte. Bei diesem ist das treibende große Rad, die „Trift", kleiner als beim Handrade,etwa nur 30—50 ein hoch, und wird mittels des bekannten Tretschemels mit Stange, dem

„Knecht", umgetricben.

Die Einwirkung aufSpindel und Spule findetsich verschieden vor. InAbb. 226 ist eine derBauarten „mit einfacherSchnur" dargestellt. Dervon der letzteren umgetrie-bene Wirtei x besteht auseinem Stück mit der Spule l,welche ihrerseits drehbarauf der Spindel a d sitzt.Wären nämlich Spule undSpindel fest miteinanderverbunden, so würden beidedie gleiche Anzahl Um-drehungen machen. In die-sem Falle aber würde nureine Drehung des Fadenserfolgen und keine Auf-wickelung. Nun aber em-pfängt die Spindel ihreBetriebskraft durch den auf die Spule übertragenen Faden. Dieser, von Natur auselastisch, bewirkt, je nachdem er straffer oder loser sich spannt, ein schnelleres oder lang-sameres Mitlaufen der Spindel, in jedem Falle aber eine geringere Zahl von Umdrehungenbei der letzteren, als bei der Spule. Um so viel Länge, als nun dieser Unterschied be-trägt, wird sich also stetig der Faden auswickeln, und so ist denn die Thätigkeit des Spinnerszu einer stetigen gemacht. Von Zeit zu Zeit muß nun der Faden, je nachdem die Füllungder Spule fortschreitet, in ein anderes Häkchen bei o eingehängt werden. Ganz leicht istübrigens die Fortführung der Arbeit nicht. Denn da der Umfang der Spule allmählichwächst, so muß, weil dem entsprechend zu derselben Länge weniger Aufwickclungsumgänge

22S. Einzelheiten des IiirgrnsfchenSpinnrades mit einfacher Schnnr.

Spinnrad mit doppelter Schnnr.