284 Die Spinnerei.
Trittrade das Ausziehen, Drehen und Aufwickeln der Fäden ununterbrochen und gleich-zeitig erfolgen, und da ihr Arkwright gleich anfänglich die Einrichtung zum Betriebe mitWasserkraft gab, so nannte er sie deshalb als erste derartige Ausführung Waterspinn-maschine, und das damit gesponnene Garn hieß Watergarn (rvatsr-trvist); und obfchonmehrfache Verbesserungen an dieser Maschine eintraten, so liegt auch dieses Prinzip derjetzigen Spinnerei hauptsächlich noch zu Grunde und dient mit derselben Bezeichnung nochzur charakteristischen Unterscheidung.
Auch Arkwright wurde anfänglich wegen seiner Maschine verfolgt und wandte sich1768 nach Nottingham , wo er bei Strntt und Need, den Gründern der so berühmtenSpinnerei in Derby, die seine Erfindungen zu würdigen wußten, die erforderlichen Geld-kräfte fand. Seine erste kleine Spinnerei wurde durch Pferde betrieben, eine zweitegrößere aber, zu Cromford in Derbyshire 1771 erbaut, durch Wasserkraft. Der Nutzen,den er aus seinen Patenten zog, war ansehnlicher als der seines vorgenannten Kollegen;
er machte ihn zum reichen Mann;denn als Arkwright 1792 zu Crom-ford starb, hinterließ er seinem Sohneein Vermögen von 525 000 Pfd.Sterl. (etwa 1(U/s Mill. Mark); imJahre 1786 war ihm der Adclsbriefverliehen worden.
Zu den eben beschriebenen zweiverschiedenen Maschinen trat durcheine glückliche Verbindung bald nocheine dritte und erweiterte so dieGrundlage der mechanischen Spinne-rei. SamuelCrompton, ein We-ber in der Nähe von Bolton, ver-band 1775 die (ursprünglich Pani-schen) Streckcylinderpaare der Ark-wrightschen Watermaschine mit demSpindelwagen der Billymaschine.Diese gleichsam als Bastard aus denfrüheren hcrvorgegangene Spinn-maschine nannte Crompton Mule-Jenny oder Mulemaschine (vonAnis , Maultier) und verdrängte da-mit später in der Baumwollspinnereidie Billy, die jedoch in der Streich-garnspinnerei bis 1830 Anwendung fand, nur mit der Abänderung, daß man die Pressedurch ein Cylinderpaar als Vorziehwalzen ersetzte (Cylindcrmaschine). Die Grundprinzipienhaben sich bis auf den hochmodernen Selbstspinner erhalten.
Hiernach sind aus den ursprünglichen einfachen Mechanismen folgende fünf Artenvon Spinnmaschinen hervorgegangen: Jennymaschinen mit Presse zum Ausziehen undmit Spindeln ohne Spule; Billymaschinen mit feststehendem Kneippapparat, auszieh-barem Spindelwagen und mit Spindeln ohne Spulen, Cylindermaschinen mit Spindel-wagen, einem Paar Vorziehwalzen und mit Spindeln ohne Spule; Mulcmaschinenmit aus- und einfahrendem Wagen, zwei bis vier Paar Streckwalzen und Spindeln ohneSpule, Watermaschinen mit Spindelbrett, zwei, drei oder vier Paar Streckwalzen undmit Spindeln mit Spule.
Die verschiedenen Spinnmaschinen selbstwirkend zu machen, beschäftigte währendeiner langen Reihe von Jahren die Maschinenbauer. Von durchschlagendem Erfolgewaren die Bemühungen des Engländers Roberts gekrönt, der im Jahre 1825 die zurAufwindnng nötige veränderliche Spindeldrehung durch den heute angewandten Sektor-oder Quadranten erreichte. Gleichzeitig gelang es dem Amerikaner Gilbert Brewster in
szi. Ernst EHncr.